Die Namen unseres Erzgebirges

Von Karl Bursian, Annaberg.

Das Erzgebirge hat erst sehr spät seinen jetzigen, allgemein gebräuchlichen Namen erhalten.

Im Jahre 805 wird in dem „Chronicon Moissiacense“ der Name „Fergunna“ erwähnt. König Karl zog im Auftrage seines Vaters mit einem sächsischen Heere, wahrscheinlich über die Nollendorfer Höhe, nach Teplitz – über „Fergunna nach der Eger“. Dieses Wort stammt wohl vom gotischen fairguni d. h. Berg – fergunna also Bergland. Im mittelhochdeutschen „Vergunt“ bedeutet es ein aus Eichen bestehender Bergwald. Es wäre diese Bezeichnung aber nur möglich, wenn sich – vielleicht hervorgerufen durch Temperaturrückgang – der Waldbestand wesentlich geändert hätte.

Dieses Wort „Fergunna“ ist urverwandt mit dem keltischen „Herzynia“. Der herzynische Wald ist eine Bezeichnung, die damals für alle deutschen Mittelgebirge angewendet wurde.

Im Jahre 974 läßt sich das Hochstift Merseburg von Kaiser Otto II. einen Forst im Gau Chutizi zwischen Saale und Mulde schenken, samt allem Wild, das aus dem Nachbarwald herüberkäme. Dieser Nachbarwald, dessen Grenzen nicht bestimmt sind, wird „Miriquido“ genannt. (In altnordischen Liedern wird der Urwald Miriqith, d. h. Schwarzwald, Dunkelwald, bezeichnet.)

Noch einmal taucht dieser Name in einer sächsischen Urkunde vom Jahre 1004 auf. Hier nennt Thietmar v. Merseburg, der den König Heinrich II. auf seinem Zuge nach Böhmen über das Gebirge begleitete, den germanischen Namen. „Miriquidi“ deutet also auf den Nadelholzbestand hin. Vielleicht ist es gar nicht die Bezeichnung des Gebirges, sondern nur eines großen Waldes am nordöstlichen Abhange des heutigen Erzgebirges.

Gegen Ausgang des Mittelalters taucht der Name „der Behaime walt“ auf = der Böhmische Wald.

1150 in der „Kaiserchronik“ bezeichnet man damit noch alle das obere Quellgebiet der Elbe und Moldau umfassenden Bergzüge. Friedrich Zollmann (1732) gibt auf der Karte des obererzgebirgischen Kreises für die Zeit von 1000 bis 1400 als Namen des Gebirges an: Silva Bohemica.

Man müßte nun annehmen, daß mit dem Fündigwerden der reichen Silbergruben der Name „Erzgebirge“ sich rasch im deutschen Lande verbreitete. Dem ist aber nicht so. Landschaftlich blieb noch auf Jahrhunderte hinaus die Bezeichnung „Böhmischer Wald“; nur in der Bergbausprache gals es als „Erzgebirge“. So ernennt Kurfürst August 1558 Wolf von Schönberg als „Hauptmann der Erzgebirge“, erwähnt aber 1575 bei seiner Reise vom Kurfürstentag zu Regensburg nach Sachsen, daß er zwischen Joachimsthal und Annaberg den „Böhmer Wald“ passiert habe.

In den Kartenwerken bis um 1800 kommt der Name Erzgebirge noch nicht vor. Nur die Lokalhistoriker wie Christian Lehmann verwenden ihn. („Historischer Schauplatz derer natürlichen Merkwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober-Erzgebirge“)

Bei Gerber 1750 findet sich die Bezeichnung „Ober-Erzgebirge um Annaberg“. Der Name das Erzgebirge erscheint erstmals auf Hauptmanns C. Beckers Karte vom Königreich Sachsen 1815.

Der Name „Sudeten“ war erst eine Bezeichnung für den Thüringer Wald, ist dann sprachlich gewandert über unser jetziges Erzgebirge nach dem Grenzwall gegen Lausitz und Schlesien und ist jetzt wieder Bezeichnung für das ganze, von den Deutschen in der Tschecho-Slowakei bewohnte Grenzgebiet = das Siedlungsgebiet der Sudetendeutschen.

Quelle: Vom silbernen Erzgebirge. Kreis Annaberg. Band I, Schwarzenberg 1938, S. 45 – 46.