Die alten Salzstraßen – früheste Verkehrswege über das Gebirge.

Von Karl Bursian.

Im 10. und 11. Jahrhundert erfolgte die Neubesiedelung unseres Vaterlandes. Da finden wir auch schon im sächsischen Kolonisationsgebiet – am Nordrande des Erzgebirges sich hinziehend – einen der ersten Längswege: die Frankenstraße – auch als Hohe Straße, Königstraße, Fürstenweg, besser wohl Firstweg bezeichnet. Vom Vogtland aus stellte sie über Zwickau – Chemnitz – Oederan – Freiberg die Verbindung nach Meißen und Dresden dar.

Später zweigte dann von Treuen aus die Mittelgebirgsstraße ab, die über Bockau – Schwarzenberg – Elterlein – Wolkenstein – Hilmersdorfer Höhe – Burg Rauenstein einerseits über Tharandt – Dresden, andererseits sowohl über Dippoldiswalde als auch über Großölsa Pirna erreichte.

Am Südrande des Erzgebirges entsprach diesen beiden nördlich sich hinziehenden Längsstraßen die nordböhmische Handelsstraße, die erst dem Laufe der Eger, dann der Biela folgte: Eger – Maria Kulm – Falkenau – Rodisfort – Kaaden – Komotau – Görkau – Brüx – Dux – Teplitz – Aussig.

Es fehlten nun die Verbindungen dieser Längsstraßen über das unwirtliche Waldgebirge: „den Miriquidi“. Erst waren es wohl nur enge Saumpfade, die nach und nach als der Warenaustausch reger wurde zu Wegen und Landstraßen – wenn auch diese Bezeichnung nicht im heutigen Sinne zu verstehen ist – ausgebaut wurden. Die Pässe d. h. die niedrigen Gebirgseinsattelungen zeigten sowohl dem Kriegsmann als auch dem Fuhrmann den bequemsten Übergang. Wir finden im 12. und 13. Jahrhundert vom Osten nach dem Westen zu zuerst den Nollendorfer Paß, der die Verbindung von Gottleuba nach Aussig vermittelt, während durch den Kulmer Paß der sogenannte Königsweg Pirna – Kulm – Elbogen führt. Für beide war die Sperrfeste und Geleitsburg: Dohna.

Von Dohna und Pirna aus war auch die Geiersbergstraße von Bedeutung, die im 12. Jahrhundert durch die Burgen Weesenstein, Kuckuckstein, Bärenstein und Lauenstein gesichert wurde, bei Geiersberg den Kamm überschritt und in den Biliner Gau führte.

Von Freiberg aus, das 1181 die Stadtrechte erhielt, laufen vier Straßen über den Erzgebirgskamm in der Richtung nach Böhmen. Dies mag auch mit an einer markgräflichen Verfügung liegen, die befahl, daß alle Wagen aus dem alten Meißner Gebiet ihren Weg nach Böhmen über Freiberg nehmen mußten.

  1. Die sogenannte Zinnstraße verband Freiberg über den Mückenberg– oder Graupener Paß mit Teplitz.
  2. Eine weitere Straße führte über Burg Frauenstein – den Paß Moldau – Niklasberg nach Klostergrab – Dux – Bilin. Die Handelszüge bekamen von Burg Frauenstein Geleit.
  3. Die Saydaer Straße war schon vor der Gründung Freibergs vorhanden und vermittelte den Verkehr von Meißen und dem Altzellaer Klostergebiet über Hainichen – Oederan – Sayda – Purschenstein – Einsiedel (hier den Kamm überschreitend) nach Brüx. Sayda wird bereits 1210 als Zoll- und Gerichtsstätte erwähnt, Schloß Purschenstein 1213.
    Der Ossegger Steig, der zwischen Einsiedel und Johnsdorf abzweigte, stellte nur eine günstigere Wegverbindung zwischen dem einstigen Zisterzienserstift und Kloster Altenzella und der böhmischen Zisterzienserabtei Ossegg dar.
  4. Die 4. Verbindung von Freiberg mit Böhmen führte über Olbernhau – den Paß bei Katharinenberg – über die böhmische Herrschaft Eisenberg nach der reichen Handelsstadt Brüx. 1426 – im Hussitenkriege – zog der sächsische Herrbann von Freiberg aus diese Straße.

Von Leipzig – Halle ging eine Hauptstraße über Altenburg – Chemnitz – Zschopau nach der Hilmersdorfer Höhe. Hier teilte sie sich. Der eine Weg führte über Zöbklitz – Rübenau nach Görkau, der andere benutzte den Reitzenhainer Paß über Sebastiansberg nach Komotau. Eine Bescheinigung lautete, daß über Sebastiansberg – Komotau in alter Zeit hallisches Salz nach Böhmen gebracht werden durfte.

Die alte böhmische Salzstraße, die bei Preßnitz den Kamm überschritt, war für unseren Kreis Obererzgebirge von besonderer Bedeutung. Ihrer soll später ausführlich gedacht werden.

Noch zwei Pässe finden als Übergangsstellen über das Erzgebirge Erwähnung: der Rittersgrüner- und der Frühbußer Paß. Beide vermitteln den Verkehr von Zwickau über Aue – Schwarzenberg nach Böhmen. Die Sperrfeste ist Burg Schwarzenberg. Der im 12. Jahrhundert durch den Rittersgrüner Paß führende noch ungepflegte Pfad wird nach 1517 für größeren Verkehr eingerichtet. Von Oberrittersgrün führt er über den Wegepunkt Goldenhöhe und Försterhäuser – 1020 m hoch – über das Gebirge. Er findet später seine Fortsetzung über Halbmeil – Gottesgab nach dem aufblühenden Joachimsthal.

Da der Böhmenkönig Ottokar I. 1212 Schwarzenberg von Kaiser Friedrich II. erhält, 1213 auch Besitzungen bei Lichtenstadt nachweist, ist für ihn der Rittersgrüner Paß von besonderer Wichtigkeit. Auch im Schmalkaldischen Kriege (1547) spielt er eine große Rolle. Die Kaiserlichen ziehen sich auf ihm nach der für sie unglücklich verlaufenen Schlacht bei Lützen 1632 nach Böhmen zurück und 1633 brechen Holcksche Scharen über Schwarzenberg nach Zwickau ein. 1521 läßt auch Herzog Heinrich zu Sachsen den Weg von Annaberg über Oberwiesenthal nach St. Joachimsthal zu einer regelrechten Landstraße ausbauen.

Zwei Wege vereinigen sich bei Eibenstock, um gemeinsam durch den Frühbußer Paß in Richtung Falkenau – Elbogen die Höhe zu überschreiten. Der eine kommt von Zwickau – Kirchberg, der andere über Aue – Ochsentränke – Ober-Blauenthal. Sie überschreiten auf einer kleinen Granitzunge zwischen den Hochmooren des großen und kleinen Kranichsees das sumpfige Gelände.

Zwischen dem Frühbußer- und dem Rittersgrüner Paß führt ein bereits im 12. Jahrhundert vielbefahrener, großer Handelsweg von Schwarzenberg über die Kammhöhe Platten (900 m) nach Lichtenstadt ins Egertal. Kaiser Friedrich I. (Rotbart), der oft in Altenburg residierte, läßt ihm alle mögliche Pflege angedeihen. Die Schutzburg Hartenstein mit den Vorwerken Stein und Isenburg und Schloß Schwarzenberg behüten die Egerländer Straße.

Verfolgen wir in ihren Wegspuren die alte böhmische Straße, so sehen wir, daß sie sich nach der Saale hinzieht, nach den Steinsalzlagern. Wir haben es also mit einer Salzstraße zu tun und so werden einzelne Feldpfade, die alte Spurreste darstellen, noch jetzt tatsächlich genannt. (S. Meßtischbl.)

In Böhmen und den südlicher gelegenen Ländern wurde früher kein Salz gefunden; zum mindesten war solches – bevor 1253 die Steinsalzlager zu Wieliczka abgebaut wurden – in nicht ausreichender Menge vorhanden. Seitdem ist nach und nach der durch den Salzbedarf bedingte Warenaustausch zwischen Böhmen und dem Salzgebiet in Sachsen schwächer geworden. Vorher war aber Böhmen auf die Einfuhr des Salzes von der Saale her angewiesen. Dieses Bedürfnis hat ohne Zweifel zur Anlage der über Elterlein – Preßnitz führenden uralten Salzstraße geführt.

Die alte Wegspur ist teilweise noch so ersichtlich in das Gelände eingefurcht, daß sie an der Hand eines Meßtischblattes ohne besondere Schwierigkeit noch jetzt nachgewiesen und begangen werden kann. Sie führt von Kaaden über Lauscha und Pöllma nach Preßnitz. Auch von Saaz über Priesen, Kralupp und Wohlau führen alte Wegspuren nach Preßnitz. Die Kammhöhe überschreitet sie 1,5 km südwestlich von Reischdorf bei 856 m Höhe. Dann geht es weiter nach Pleyl und alsdann in gerader Richtung auf den „Weißen Hirsch“, wo bei leidlich gutem Boden das moorige Gelände der Konduppel überschritten wird. Im Hohlweg, der fast unmittelbar neben der neuen Wegstrecke hinläuft, gelangt man zur Wolfsschmiede und zu einer kleinen Siedlung, die jetzt zu Weipert gehört und seit ihrer Eingemeindung den ursprünglichen Namen verloren hat. Man nennt sie jetzt die „Spitze“, aber – wie Emil Finck annimmt – wird sie Biela geheißen haben, weil hier der sehr abschüssige und verschanzte Weg in eine Hohlgasse zur Pöhlabrücke (Blechhammer) hinabführt. Dann steigt die Salzstraße recht steil durch Kühberg empor bis zu dem Ausspanngasthof Königslust. Die Siedler zu beiden Seiten des Pöhlaüberganges werden durch Vorspanndienste, die von ihnen jedenfalls öfter begehrt wurden, einen einbringlichen Erwerb gehabt haben.

Von hier aus gabelt sich die Straße. Der ältere Weg – die sogen. „Böhmische Straße“ – nimmt hinter dem Bärenstein einen Pfad auf, der von Pürstein aus über Weipert und Oberbärenstein, das ehemals Kuhzahl hieß, führte. Noch jetzt bezeichnet man einen Steig am Westhange des Bärensteins als Zwickauer Weg. In Cranzahl war der alte Gasthof zum Erbgericht der Übergangspunkt über die Sehma. Wohlerhalten und unter der Bezeichnung „Alte Salzstraße“ geht es weiter auf Mittel-Crottendorf zu. Hier wird die Zschopau überschritten. Bei Oberscheibe biegt sie nach Elterlein ein und erreicht über Zwönitz – Stollberg – Altenburg Leipzig. Bei Oberscheibe zweigt der Emlerweg nach Kloster Grünhain in Richtung Zwickau ab.

Eine vielbenutzte zweite Straße – wir wollen sie die „Sehma – Schlettauer Salzstraße“ nennen – führte von Königslust über das Gut Rotensehma, das vorzeiten ein alter Gasthof gewesen sein soll, nach Sehma. Der Gasthof zum Erbgericht mit dem geräumigen Rastplatz inmitten des Gebäudeviereckes bewahrt in seiner Anlage noch eine Erinnerung an den einstmaligen lebhaften Verkehr der Salzkärrner. Zwischen Sehma und Schlettau ist die Wegspur teilweise verwischt. Vom Walthersdorf – Buchholzer Wege ab kommt sie wieder deutlich als eine durch Hohlwege mehrfach gekennzeichnete alte Straße zum Vorschein. Bei Kleinsehma, einem Vorwerk von Schlettau, überschreitet sie die Zschopau oberhalb des Mühlgrabenwehrs. Fast unverändert geht die Straße durch tiefe Hohlwege nach dem Stockholz, läuft nördlich der jetzigen Fahrstraße durch den Wald und wird fälschlich als „Landwehr“ bezeichnet, weil sie den Eindruck eines Schützengrabens hervorruft. Bei der Finkenburg (besser Funkenburg) überschreitet sie die rote Pfütze und damit das Moorgebiet der Brünlasgüter. Diese alte Siedlung gehört schon zu Elterlein. Dort vereinigt sie sich mit der vorher beschriebenen „Böhmischen Straße“, und führt weiter nach Zwönitz.

Zwönitz war schon frühzeitig ein Gabelungspunkt. Die Straße teilte sich hier in drei Wege: der eine führte über Einsiedel nach Chemnitz, der zweite – Hauptweg – über Stollberg – Waldenburg – Altenburg nach Leipzig, der dritte über Beutha – Hartenstein nach Zwickau.

Zwei alte Salzkärrnerwege sind noch erwähnenswert, zumal sie unser Heimatgebiet berühren: die Geyersche- und die Thumer Straße.

Erstere geht über Frohnau und den Sauwald nach Tannenberg (Turm) – Kirche – Geyersberg nach Geyer, die Kiesbahn dort entlang, über den „Roten Ochsen“ nach Hormersdorf – Gornitz (Gornsdorf), westlich am später entstandenen Meinersdorf vorbei über die „Alte Gasse“ nach Ursprung, Nutzung usw. auf Penig zu.

Die Thumer Straße führt am Stechgut vorüber und bald darauf linksabbiegend über Wiesa – ein zweiter Weg über Schönfeld und den Sauberg – nach Ehrenfriedersdorf – Thum – Klaffenbach – Chemnitz.

Nach Frohnau ging ein alter Weg von Preßnitz über Königswalde und Kleinrückerswalde (Galgenberg) durch das spätere Stadtgebiet Annabergs. Die frühere „Böhmische Gasse“ und die im 16. Jahrhundert zutreffend genannte „Kaadener Gasse“ = ehemalige „Große Kirchgasse“ – beide jetzt als „Adolf-Hitler-Straße“ bezeichnet – und das „Böhmische Tor“ an der katholischen Kirche erinnern noch daran.

Von diesem Kärrnerweg biegt in Jöhstadt über den Gasthof Heilbrunn ein Weg nach Grumbach ab, wo noch ein sehr geräumiger Gasthof von einstigem Verkehr zeugt. Der Weg führt über Obermildenau, früher Reichenau geheißen, nach Geyersdorf, wo er sich mit der Satzung – Komotauer Straße vereint. Von Geyersdorf aber gingen alte Wege nach Frohnau sowohl wie nach Wiesa, die man heute noch erkennen kann.

Alle diese alten Salzstraßen zeigen in ihrer Anlage eine Eigentümlichkeit. Während sonst die Talhänge für die Wege bevorzugt werden, meidet man sie hier. Mußte der Fluß überschritten werden, suchte man immer auf kürzestem Wege die freie Höhe wieder zu gewinnen. Die zweckmäßige Anlage erkennt man sofort, wenn man sich vor Augen hält, daß die Pfade wegen des Salzbezuges gebahnt waren.

Allgemein ist nun bekannt, daß das Salz Feuchtigkeit aus der Luft aufsaugt. Die Wissenschaft bezeichnet dies als eine hygroskopische Erscheinung, und im Großhandel wird eine hygroskopische Beschwerung des Salzes bis zu 14 Prozent als unvermeidlich und rechtlich zulässig angesehen.

Dies konnten sich die alten Salzkärrner sicher noch nicht so erklären, aber die Tatsache war ihnen auch bekannt. Sie haben daher Gegenden mit feuchter Luft – also Talniederungen – nach Möglichkeit gemieden, wie sie wahrscheinlich auch mit Bedacht auf das Wetter in den Jahreszeiten wählerisch gewesen sind. Eine unnütze Belastung durch eindringende Feuchtigkeit machte ja die Fahrt beschwerlicher und zeitraubender, wirkte sich auch auf die Beschaffenheit des Salzes unzuträglich aus.

Solche Besorgnisse führten zur Anlage der Salzstraßen auf Höhenwegen. Es handelte sich schon frühzeitig um einen Karrenweg, eine Fahrstraße – nicht nur um einen Saumpfad. Die Gewässer wurden entweder durchfahren (Furt) oder auf einer Fähre übersetzt. Bald entstanden hölzerne oder steinerne Brücken, die noch zum Schutze vor den Flußnebeln überbaut waren.

Wo eine solche Straße auf bloßem Gestein hinführte, zeigen tief eingefahrene Radgleise die andauernde und erhebliche Benutzung. In weicherem Boden findet man noch jetzt verloren gegangene Dinge: Hufeisen, Steigbügel, Sporen, Hemmeisen, Kettenglieder, Äxte, Hacken usw. Leider ist viel zu wenig gesammelt worden. Das neue Heimatschutzgesetz verpflichtet jeden, alle Funde dem Vertrauensmann für Bodenfunde mitzuteilen, der zugleich Leiter des Erzgebirgsmuseums ist. Im Erzgebirgsmuseum liegen etliche Hufeisen, Sporen usw., die bei dem Bau der Eisenbahn zwischen Sehma und Walthersdorf zahlreich gefunden wurden und von der alten Salzstraße herrühren.

Für das Alter der Salzstraßen in unserem Heimatgebiet spricht mit ein Fundstück aus dem Reitzenhainer Moor. Dort wurde 1892 ein zweimenschiges Zugjoch aus Weidenholz – 1¾ m tief – aufgefunden. Die Moorsachverständigen schätzen das Alter des Holzes auf 2000 Jahre.

Die Salzgewinnung wie der Salzhandel waren in allen Ländern Staatsmonopol. Der Gewinn, den der Staat vom Salzregal und vom Salzhandel zog, gleicht einer Steuer auf einem für alle notwendigen Bedarfsgut. Auch in Böhmen ist nie der Salzhandel frei betrieben worden. Immer waren es einige nordböhmische Städte, die den Salzbezug für den Staat betrieben. Selbst die Abgabe an die böhmischen Großeinkäufer ist von den Inhabern der Salinen nur unter Bedingungen gewährt worden, die jeden Verkauf im Binnenlande unmöglich gemacht haben. Daher fuhren die Salzkärrner unter zwiefacher Aufsicht. Der ausführende Staat ließ die Salzstraßen durch Vertrauensleute überwachen und machte zur Bedingung, daß von den in den Passierscheinen vorgeschriebenen Wegen nirgends abgewichen werden durfte. Deshalb war den Kärrnern zur Pflicht gemacht, daß sie in den sogen. Erb- oder Lehngerichten, die von Staatswegen eingerichtet waren, ihre Berechtigung zur Ausfuhr und die festgesetzte Menge nachwiesen und unterwegs durch Hornsignale bezeugten, daß sie auf rechter Straße dahinfuhren. Andererseits waren die Bezieher des Salzes darauf bedacht, durch Geleitsführer ihre Warenzüge vor Schäden und Unfällen zu bewahren.

Die Kosten der Überwachung wurden durch Abgaben erhoben. Die Erb- und Lehngerichte waren überall an der gelben Farbe zu erkennen. In Unterwiesenthal steht noch an der jetzt ganz verlassenen Salzstraße das „Gelbe Haus“.

Die Fuhrleute achteten lieber auf das rote Zeichen. Das rote Gut, das rote Haus, der rote Ochse, Rotensehma und ähnliche Namen bezeichnen noch jetzt manche Haus- oder Gutsanlage. Für den Salzkärrner war das Rot ein Wahrzeichen, daß sich in solchen Häusern Herbergen mit Hufschmieden und Wagnerei befanden. Auch Vorspanndienste für steile Höhenfahrt oder Flußdurchquerung wurden geleistet.

Diese vielfachen Vorschriften und die Sicherheit führten dazu, die Salzfuhren in wohlausgerüsteten Kärrnerzügen – also keinesfalls einzeln – zu veranstalten. Ein jeder Zug hatte soviel Karren eingestellt, daß sich Führung und Schutzbedeckung lohnte.

Der Karren war in ältester Zeit ein holzbedeckter Kasten auf zwei Rädern, der wahrscheinlich nur mit einem Stangenpferd bespannt war, dem aber im Bedarfsfalle ein oder mehrere Pferde vorgespannt werden konnten.

Auch das notwendigste Werkzeug hatte der Kärrner bei sich. Hinter dem Karren waren ein Ersatzrad, an den Seiten Ortscheit, Hebebaum, Hacke und Schaufel angekettet. Der Schmiertopf hing an der Radachse. In der Schoßkelle lagen Hammer, Zange und sonstiges kleines Handwerkszeug, das bei Unfällen gebraucht wurde. Den Treibstock bez. die Peitsche hielt der Fuhrmann in der schwieligen Hand, das Hüfthorn hing ihm zu Seite. Alles übrige barg die lederne Geldkatze, die wie ein Gürtel fest um den Leib geschnallt war.

An der Spitze des Zuges ritten die Wegeführer, der kaufmännische Leiter und die Sendboten, die bald vorauszueilen hatten, um Herberge zu bestellen oder etwaige Nachzügler anzutreiben. Auch Säumer waren in den Zug mit eingereiht, die auf ihren Lasttieren einen kleinen Vorrat an Lebensmitteln für Menschen und Tiere mitführten. Waffenknechte begleiteten den Zug.

Zu kleinerem Vorspann leisteten die Kärrner sich gegenseitig Hilfe. Auch die Waffenknechte griffen mit zu, wo es nötig war. An schwierigen Stellen wurde die Hilfe der Fuhrmannsgasthöfe in Anspruch genommen.

Stehen wir an diesen alten ausgefahrenen Gleisen in den tiefen Hohlwegen, so wandern unsere Gedanken rückwärts, schauen die Salzkärrnerzüge, hören das „Hü und Hott“ und die Hornrufe, aus denen des Postillions schöne Lieder später hervorgingen.

Heimatliebe zieht dabei durch unsere Seele, erkennen wir doch, daß die alten Salzstraßen sicher zur ersten Besiedelung des Erzgebirges geführt haben.

Quelle: Vom silbernen Erzgebirge. Kreis Annaberg. Band I, Schwarzenberg 1938, S. 45 – 51.