Die Siedlungen

Von Konrad Rösel und Fritz Schöne, Annaberg.

Vorbemerkung: Als Unterlagen für die weiteren Ausführungen dienten – wie auch im I. Teil – in erster Linie die alten Flurbücher nebst Flurkarten von 1786 bis 1842 im Bez. Vermessungsamt Annaberg, alte Urkunden des Hauptstaatsarchivs in Dresden und die Meßtischblätter 1 : 25 000, in zweiter Linie erst die sonstige geschichtliche Überlieferung. Die Ausführungen sind nicht erschöpfend, sie sollen erst Anregung sein zu heimatlicher Untersuchung und Forschung.

1. Die alten Städte

Ursprung und Geschichte einer Stadt kann man zum guten Teil an ihrem Grundriß mit erkennen. Die Anlage eines Marktes spielt dabei eine besondere Rolle. Ist der Markt ein regelmäßiger Platz, von dem Straßen nach verschiedenen Stadtteilen führen, sowie in einigen Wendungen zu den einzelnen Stadttoren, steht dazu die Kirche etwa in nächster Nähe einer Marktecke, so wie in Meißen, dann hat man das Normalschema der großen ostdeutschen Kolonisation vor sich, die bewußt ihre Städte so anlegte. Eine Abart davon sind die Grundrisse der Städte, die sich erst aus kleineren Siedlungen nach und nach zu Städten entwickelten. Dazu gehören die älteren Städte unseres Kreises. Der Markt ist hier meist aus der verbreiterten Straße des Ortes entstanden, weitere Häuserblöcke sind erst allmählich dazugekommen.

Der erste Siedelabschnitt unseres Kreises trug, wie schon gesagt, bäuerlichen Charakter. Mehrere unserer Städte sind damals mit enstanden, und zwar als Dorfsiedlungen. Erst in der Zeit von 1270 bis 1360 und noch später werden sie als Städte erwähnt, bezw. als marktähnliche Orte. Sie sind jedoch älter, wenn auch keiner vor dem Jahre 1000 entstanden ist. Ihre Entstehungsgeschichte ergibt sich aus der genauen und liebevollen Betrachtung des Ortsgrundrisses und des Flurbildes. So gehören zusammen: Elterlein, die drei Greifensteinstädte, Jöhstadt, Schlettau und endlich in gewisser Hinsicht Unterwiesenthal.

Elterlein z.Zt. des 30jährigen Krieges (Dilichsche Federzeichnung)

Elterlein. Die Bedeutung des Namens ist noch nicht geklärt. Ein alter erzgebirgischer Geschichtsschreiber, Petrus Albinus, erzählt, daß es früher Quedlinburg geheißen habe. Auch der Name Burgstädtel – ein Ortsteil an der Flurgrenze nach Zwönitz – ist zu beachten. Die urkundliche Überlieferung reicht nur ins frühe 15. Jahrhundert zurück, auch Beziehungen zum nahen Kloster Grünhain sind zunächst nicht feststellbar. Der Stadtgrundriß zeigt einen Markt, auf den eine Straße zuführt. Am anderen Ende teilt sich die Straße um einen Häuserblock in zwei Gassen, die die geradlinige Fortsetzung der Häuserreihen des Marktes bilden. Das Flurbild ist untrüglich bäuerlich, die den Ort umgebende Hauptflur zeigt noch deutlich die Waldhufe als Grundlage. Der Flurname „Wüstes Erbe“, der auch in anderen Orten vorkommt, scheint eher darauf hinzuweisen, daß ursprünglich nicht alle Hufen hofanliegend waren. 1559 hatte der Ort 147 „besessene Mann“, 1593  140.

Das benachbarte Kloster Grünhain ist – wie anderweit erwähnt – 1235 gegründet. Elterlein ist aber bestimmt älter, wird es doch (nach Dr. März, Vom Kohlengebiet zum Industriezentrum) schon im 11. bis 12. Jahrhundert als eisenfündig erwähnt. Leider schweigt dieser Gewährsmann über den früheren Namen. Jedenfalls kennt unsere Heimatgeschichte keinerlei nennenswerte Beziehungen zwischen Elterlein und dem Kloster Grünhain, während die Nachbarorte Zwönitz, Hermannsdorf, schwarzbach und Schlettau nachweisbar klostereigen waren. Elterlein wird erstmalig 1406 erwähnt, als es durch Kauf an Veit von Schönburg kam. 1491 wurden die Privilegien, die sich auf den Bergbau beziehen, erneuert.

Brau- und Berggerechtigkeit sowie das Marktrecht wurden der Stadt im 17. Jahrhundert verliehen.

Wappen
Wappen von Elterlein

Das Ortswappen zeigt ein viertürmiges Stadttor; an den Türmen links und rechts außen befinden sich 2 Wappen: links ein Schild mit einem schrägen schwarzen Kreuz, dem Andreaskreuz, im gelben (goldnen) Felde, das Wappen der Grafen von Hartenstein; rechts ein Schild mit 2 roten Streifen im weißen (silbernen) Felde, das Wappen der Herren von Schönburg. Denn bis 1406 war Elterlein im Besitze der Grafen von Hartenstein, die zugleich Burggrafen von Meißen waren, 1406 überließ es der damalige Burggraf von Meißen und Graf von Hartenstein an Vito von Schönburg. Und unter Schönburg’scher Herrschaft blieb Elterlein bis 1558, in welchem Jahre es der Kurfürst August erwarb.

Ehrenfriedersdorf. Der Name des Ortes ist ebenfalls etwas umstritten. Noch in Urkunden von 1377, 1407, 1439 wird es als Dorf bezeichnet, das den Herren von Waldenburg zu Wolkenstein gehört. 1456 wird es als Markt bezeichnet. Der Marktriß aber ähnelt durchaus dem von Elterlein, er ist aus dem Straßenmarkt entstanden. Zwar zeigt die Flur wenige Hinweise auf frühere Waldhufenverfassung, sie neigt eher zu parzellenmäßiger Aufteilung nach der Art der Bergstädte. Ob zwei Siedlungen, eine bäuerliche und dann die bergmännische, am Sauberge vorhanden waren, läßt sich schwer beweisen. Vielleicht haben die ersten Bauern bei der Rodung das Erz entdeckt, so daß die nachstoßenden Bergleute das Bild des Ortes und der Flur gleich im Anfang umgestalten konnten. 1550 hat Ehrenfriedersdorf 136 „besessene Mann“, d. h. Ans ässige, darunter 34 Witwen, – ein Beweis, wie gefährlich der Bergbau damals war.

Ehrenfriedersdorf

Gegründet wurde Ehrenfriedersdorf am Ende des 12. Jahrhunderts. Als Beginn des Zinnbergbaues wird das Jahr 1240 angegeben, eine Überlieferung, die durch die Nachricht eines englischen Bergbuches gestützt wird. Brände haben Urkunden und Dokumente zerstört. Der Ort wird erstmalig im Schenkungsbrief des Anarg von Waldenburg vom Jahre 1293 genannt, darin er den Nonnen des Klosters Marienthron zu Nimbschen bei Grimma den „berchzenden“ in seinen Bergen zu Wolkenstein übertrug. Wann Ehrenfriedersdorf das Stadtrecht erhalten hat, läßt sich urkundlich nicht nachweisen. Nur das eine steht fest, daß nicht Friedrich der Streitbare den Ort zur Stadt erhob, sondern einer seiner Nachfolger. Denn 1439 wurde die Herrschaft Scharfenstein und die Dörfer Ehrenfriedersdorf, Geyer und Thum von Anarg von Waldenburg dem Freiberger Münzmeister Liborius Senftleben verkauft, von dem sie noch, wie es in einer Urkunde von 1456 heißt, bei Lebzeiten (Liborius Senftleben starb 1442) an die Wettiner abgetreten wurde. 1456 erklären die Waldenburger ihren endgültigen Verzicht auf die 3 Märkte Ehrenfriedersdorf, Geyer und Thum.

Wappen von Ehrenfriedersdorf

Ehrenfriedersdorf besitzt als Ortswappen den goldenen Siegelring mit blauem Saphir auf rotem Felde, das Wappen derer von Waldenburg auf Wolkenstein. Trotzdem neuere Forschungen mit Sicherheit ergeben haben, daß nicht die Herren von Waldenburg es waren, die Ehrenfriedersdorf zur Stadt erhoben haben, führt es deren Schildzeichen mit Recht als Ortswappen; denn mehrere Jahrhunderte lang erfreute sich der Ort des besonderen Wohlwollens dieses Herrengeschlechtes. Der Freiberger Bergwerksvertrag vom 13. Juni 1377 läßt erkennen, daß zu jener Zeit in Ehrenfriedersdorf ein Markt bestand.

Geyer. Der Name des Ortes ist durchaus deutsch; alle Erklärungen durch Sage und Legende sind nur Zeichen des hohen Alters der Siedlung. In Oberdeutschland, zumal in der Oberpfalz und in Franken, finden sich Orte, wie Geyerhof, Geyern, Geiern, in Ostdeutschland Giersdorf. Im 14. Jahrhundert ist Geyer noch Dorf und erst 1456 Markt mit einigen städtischen Rechten, bis es 1467 Stadt wird. Die Flur gehört mit zu den größten des Kreises (1925: 1876 ha). Leider sind durch wiederholte Brände wertvolle Urkunden verlorengegangen.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes ist ein Vertrag der Herren von Wolkenstein mit den Markgrafen Friedrich, Balthasar und Wilhelm über das „Bergwerk zu Ehrenfriedersdorf und auf all‘ ihren Gütern“. Dieser Vertrag wurde im Jahre 1407 abgeschlossen. Geyer wurde um 1395 als Dorf von Ehrenfriedersdorf aus gegründet und wird 1456 als Markt, 1467 als Stadt genannt. Zunächst war der Ort vom älteren Ehrenfriedersdorf abhängig. Seit den reichen Silberfunden am Schreckenberge im Jahre 1492 wandte sich das Verhältnis zu seinen Gunsten.

Wappen von Geyer

Im Wappen von Geyer sind drei Geierköpfe zu sehen. Leider wissen wir nicht genau, wie das Stadtwappen von Geyer urkundlich ausgesehen haben mag. In einer alten Handschrift heißt es: „Was das Wappen der Stadt Geyer anlanget, so ist darüber kein Dokument ausfindig zu machen. Am Rathaus befindet sich das Stadtwappen, nach alter Bildhauer- und Wappenart in Stein gehauen, welches drei Geyersköpfe in einem besonderen Schilde hat, darüber einen offenen Helm mit drei Spiegeln und darauf ein Geier befindlich, unter demselben aber die Jahreszahl 1496 in Mönchsschrift stehet!“

Das hier geschilderte Wappen ist noch erhalten, freilich arg beschädigt. Dasselbe ist aber 1844 durch ein neues ersetzt worden, wobei das Wappen entfernt wurde. Das Wappen hatte blauen Grund und war vergoldet.

Auch das Bergamtssiegel und das größere und kleinere Stadtsiegel werden geschildert. Aus ersterem hat sich fast ohne Veränderung das heutige Stadtwappen entwickelt. Die Farben sind folgendermaßen angegeben: „Der Turm im blauen Feld ist rötlich, auf jeder Seite stehen sieben goldene Sterne. Das Dach ist schieferfarben und trägt zwei goldene Knöpfe mit Fähnlein. Das Schild ist silbern und trägt drei Geierköpfe in ihrer natürlichen Farbe.“

Thum. Dasselbe Bild zeigt Thum. Der Name ist ebenfalls in Oberdeutschland als Teil von Ortsnamen häufig, so findet man ein Thum in der Rheinprovinz, Thumen, Thumseereuth und Thumhausen in der Oberpfalz, Thumsee in Oberbayern. Gelegentlich bringt man den Namen mit dem Vorhandensein eines halben Domstiftes in Zusammenhang. Die 822 ha (1925) große Flur ist durchaus bäuerlich mit ihren Waldhufen, vielleicht die am reinsten und klarsten durchgeführte bäuerliche Flur unter den drei Greifensteinstädten. Der Stadtgrundriß zeigt das ostdeutsche aus dem Straßenmarkt erwachsene Kleinstadtmuster. Thum hat erst 1668 das erreicht, was Ehrenfriedersdorf schon 1377 erhielt, nämlich einen Jahrmarkt. Noch 1445 hatte es einen Erbrichter, war also noch Dorf. 1469 verkaufte der Erbrichter das Gericht an die „Gemeinde Thum“, die dadurch in rechtlicher Hinsicht Stadt wurde.

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1407. Dort wird in einem Vertrage zwischen den Herren von Wolkenstein und den Markgrafen von Meißen „der Thumbs, welches ein Zinnbergwerk bei einer halben Meile Wegs von Ehrenfriedersdorf“ gedacht. Sein später so rasches Aufblühen hat der Ort dem Bergbau zu verdanken und wird in den Thumer Kauf- und Gerichtsbüchern vom Jahre 1545 „ein altes, freies Bergstädtlein“ genannt.

Um Ansehen und Entwicklung des Städtchens zu fördern, verliehen die Herren von Schönburg dem Ort die Gerichtsbarkeit und besondere Rechte und Freiheiten, wie Marktrecht, Braugerechtigkeit, Salzschank und Jagdrecht.

Wappen von Thum

Das jetzige Thumer Wappen zeigt einen Schild von ovaler, fast kreisförmiger Gestalt, dessen Mitte ein Torturm ziert. Über den Schild breitet ein Engel schützend seine Fittiche aus. Dieses Wappen war ehemals Gerichtssiegel der Stadt Thum, wie aus den noch vorhandenen Bergbauakten aus dem 16. Jahrhundert zu ersehen ist. Das ursprüngliche Thumer Wappen zeigt das Bild der mater dolorosa.

Jöhstadt verdient eine besondere Untersuchung. Der Ort, der auch im Stadtgrundriß kein ebenmäßig ostdeutsches Normalschema zeigt, hat eine fächerartige (Radial-)Waldhufenflur, die zweifellos auf bäuerlichen Ursprung hinweist. Entstanden ist es in der Zeit der Hochkolonisation um 1200 als letzte Siedlung vom Norden her. Die Flur ist auch nicht sonderlich groß. 1925 zählt sie 520 ha, also etwa 900 Acker im alten Maße. Zwei Namen spielen in Jöhstadts Geschichte eine gewisse Rolle: ein untergegangenes Dorf mit Namen Bottendorf und Goswinsdorf, von dem der heutige Ort seinen Namen tragen soll. In Oberdeutschland finden wir Pottendorf, Pottenbrun, Pottenstein, ja, neben einem Ort mit Namen Pottenbruck liegt dicht daneben Gößweinstein. Das könnte ein Hinweis sein sowohl auf die Herkunft der ersten Siedler, als auch auf die Bedeutung des Namens. Der Name Jöhstadt taucht erst spät auf (1610). 1655 erst erhielt es endlich die Rechte einer Bergstadt. Es hatte 1591 65 „besessene Mann“, von denen aber nur 20 Besitzer eines „Erbes“ waren. Das entspricht auch dem dörflichen Charakter des Ortes.

In einer alten Annaberger Chronik lesen wir von dem Bergbau im Erzgebirge und seinen wichtigsten Städten, hören aber nicht von Jöhstadt. „Auff Marienberg fing sich das Bergwerk an. St. Annaberg die Frau, St. Joachimsthal der Mann. Marienberg muß die Tochter sein. Diese Dreystädte ich meine, so innerhalb 24 Jahren aufkommen sein.“

Wappen von Jöhstadt

Das Ortswappen von Jöhstadt zeigt uns im blauen Schilde rechts einen goldenen Hammer und Schlägel, im blauen Schilde links einen goldenen Spießharken und Köhlerharken vor dem Stamm einer grünen Tanne. Beide Schilde werden von einem knieenden Engel im weißen Gewande, das mit blauem Band umgürtelt ist, gehalten.

Während des Dreißigjährigen Krieges kamen Scharen vertriebener Evangelischer aus Böhmen nach Jöhstadt und blieben auch daselbst.

Der Stadtbrief vom Jahre 1655 gab dem Ort das Recht zu brauen und zur Errichtung eines Rathauses, von Brot und Fleischbänken, sowie die niedere Gerichtsbarkeit, die Bergfreiheit und das Recht der freien Wahl von Richtern, Rat und Beisitzern. Außerdem durften jährlich zwei Märkte abgehalten werden.

Schlettau ist wohl die umstrittenste der Siedlungen unseres Kreises. Daß es vor der Jahrtausendwende schon bestanden habe, ist ausgeschlossen. Als alte Siedlung erweist es sich immerhin durch die Größe seiner Flur, die mit 2700 Acker (1925: 1500 ha) zu den größten des Kreises zählt. Der Stadtgrundriß zeigt von Westen her den Straßenmarkt, von dem aus in Fortsetzung der Straße eine Gasse zunächst geradlinig verläuft, um dann nach Osten abzubiegen, während die andere rechtwinkelig abzweigt und zum Elterleiner Tor führt. Die Stadt hatte Wall und Mauer und drei Tore, das Elterleiner, Buchholzer und Böhmische Tor. Die Flurkarte zeigt die Waldhufenflur, die aus drei großen Teilen besteht. Andeutungen von Gutsreihen an der Zschopau und an der Roten Pfütze neben denen im Orte selbst könnten das Bestehen von mehreren Siedlungskernen vermuten lassen. Eine eingehende Untersuchung darüber ist sehr nötig. Die urkundliche Überlieferung ist besser als anderswo. Die Stadt wird zeitig erwähnt, aber das Schloß wesentlich später als das „Stedtlein“. Das Schloß war ursprünglich eine kleine Wasserburg, vielleicht als Straßenposten. Sicherlich war es nur ein Turm, wie er auch anderwärts bestand, so in Tannenberg, Crottendorf u. a.

Wappen von Schlettau

Über die Bedeutung des Namens gehen die Ansichten der Forscher noch weit auseinander. Das Stadtwappen zeigt drei Türme, entsprechend den drei Stadttoren, die ehemals zur Stadtbefestigung gehörten: das Elterleiner Tor, das Annaberger Tor und das Böhmische Tor, Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1351. In diesem Jahre schenkte Kaiser Karl IV. den beiden Brüdern Friedrich und Bernhard von Schönburg die ganze Schlettauer Pflege.

Die ersten Bewohner der Stadt waren benen den Ackerbürgern vornehmlich Handwerker, die sich um die Burg ansiedelten und für die Bedürfnisse der Bergleute sorgten. Die Bedeutung dieser Handwerkersiedlung wurde noch dadurch erhöht, daß eine der wichtigsten alten Handelsstraßen (Halle — Prag) über Schlettau führte, und daß Kaiser Karl IV. im Jahre 1367 die Stadt mit dem Marktrecht begnadete, wonach die reisenden Kaufleute gezwungen waren, in Schlettau 4 Tage zu Markte zu gehen. Neben dem Marktrecht besaß die Stadt die Braugerechtigkeit fast für alle Häuser, dann das Mühlenrecht für 3 Mühlen und die niedere Gerichtsbarkeit.

Unterwiesenthal. Dieser Ort bildet den Übergang zu den Bergstädten. Erst 1510 hat er Stadtrecht erhalten. Aber sein Ursprung ist ebenfalls rein dörflich, wie es sein Wesen immer blieb. Die Flur ähnelt sehr der Waldhufe. Vom Grenzbach aus ziehen sich jedoch die Hufen nur auf der sächsischen Seite den Hang hinauf. Die Länge jeder Hufe betrug ungefähr 1500 Meter, die Breite 25 Meter. Es waren sogenannte „halbe Erbe“, die den Siedlern verliehen wurden. Flurnamen mit der Bezeichnung Seifen, wie Lauterseifen, weisen darauf hin, daß der Bergbau hier älter ist als in Oberwiesenthal, daß eben vom älteren Orte aus schon vor 1527 am Fichtelberg geschürft worden ist. 1559 hat der Ort 42 „besessene Mann“. Die Mehrzahl der Bewohner war also im Bergbau und in der Waldwirtschaft tätig. Als der Ort im Zuge des Bergsegens Stadtrechte erhielt, war für die Anlage eines Marktplatzes gar kein Platz da.

Wolkenstein. Die Deutung des Namens ist noch ungewiß. Das Wappen entspricht der früheren Gründung des Ortes als Stadtburg. Wolkenstein führt im Wappen eine Mauer mit offenem Tor und 3 Türmen. Auf dem rechten bläst der Wächter ins Horn. Wann und von wem die Gründung erfolgt ist, kann auch nicht nachgewiesen werden. Die älteste Nachricht stammt aus dem Jahre 1241. Markgraf Heinrich übergab dem Kloster Buch unter etlichen Dörfern auch das Dorf Streckewalde, das von dem Besitzer der großen Herrschaft Wolkenstein (Hugo, miles de Waldenberc) aufgelassen worden war.

Wolkenstein 1781.

Es ist ganz sicher, daß Wolkenstein deutsche Gründung ist; liegen doch ringsum Dörfer deutscher Anlage und deutschen Namens. Der Anfang der Stadt mag ein Wartturm gewesen sein zur Beobachtung und Sicherung des Karrenweges und des Fuhrsteiges von Waldenburg nach Komotau. Die Herren von Waldenburg, richtiger Waldenberg, jedenfalls aus dem fränkischen Fichtelgebirge stammend, haben dann das Schloß aufgebaut und die Siedlung der Handwerker und Bauern mit einer großen Mauer umgeben und so eine mittelalterliche Großburg geschaffen, eben die Stadt Wolkenstein, die älteste Gründung in der heutigen Amtshauptmannschaft Marienberg. Südöstlich von der Stadt befand sich auf einem Felsen ebenfalls ein Wart- und Wachtturm, woran uns heute noch die Bezeichnung „Burgstädtel“ im Volksmunde erinnert. Schon frühzeitig erhielt die Stadt das Marktrecht. Der Bartholomäusmarkt im August wird immer noch abgehalten. ebenso bekam die Stadt bald das Braurecht. Magister Köhler, ein gebürtiger Wolkensteiner, berichtet über das Braurecht: „Ein Teil der Bürger suchet auch einige Nahrung im Bierbrauen, indem hierher mit der Abnahme des Bieres Großolbersdorf, Wiesa, Mauersberg, Drebach, Neundorf, Hilmersdorf, Streckewalde, Mildenau, Arnsfeld, Rückerswalde, Gehringswalde, Falkenbach, Schönbrunn und Boden vermöge uralten Herkommens und erneuerten Recesse gezwungen sind, und also davon jährlich vieles auf die umliegenden Gegenden ausgeschroten wird.“ Die Gutsherren und ihre Besitzer der Gaststätten in den Dörfern durften nur eine bestimmte Menge Bier selbst brauen und nur in ihren Wirtschaften ausschenken. Es war ihnen aber verboten, ihr Bier in Fässern nach auswärts zu verkaufen. Dieses Braurecht Wolkensteins war die Ursache jahrhundertelanger Streitigkeiten, bis es nach und nach immer mehr beschnitten wurde.

2. Die Bergstädte

Sind die anderen Städte langsam gewachsen, bedächtig geworden, so zeigen die Bergstädte stürmisches Werden, ein freudiges Entfalten gestaltender Kräfte nach bestimmten, klaren, wenn auch meist nüchternen konstruktiven Gesichtspunkten. Obwohl der zur Verfügung stehende Raum sehr klein ist, sind die Formen der städtischen Siedlungen großzügig. Die bewährten Formen der ostdeutschen reinen Stadtanlagen werden Vorbild, wenngleich sie klarer, selbst nüchterner durchgeführt werden. In unserem Kreise verdanken Annaberg, Buchholz, Oberwiesenthal und Scheibenberg dieser Zeit ihre Entstehung.

Annaberg. Der Vorgang der Entstehung ist klar überliefert. Am Schreckenberg entdeckt man Silber, das „Berggeschrei“ lockt zahllose Menschen an. Die kleinen Dörfer erweisen sich zu klein, um den Anstrom zu fassen. So war der Anlaß zur Gründung gegeben; am Pöhlberghang, mit einer winzigen Flur, entstand St. Annaberg, die Neustadt am Schreckenberg, wie sie erst hieß. Der bergige Charakter der Stadt wurde im alten Namen „ufm Sant Annenperg“ deutlicher gefühlt als vielleicht heute. 1496 wurde die Stadt gegründet, 1501 hatte sie bereits über 500 angesessene Bürger, das sind etwa 2 bis 3000 Einwohner. Die Stadt nahm eine sprunghafte Entwicklung. Wenige Jahre später hören wir von 8000, ja von 12 000 Einwohnern. Sie wird damit die drittgrößte Stadt Sachsens nach Freiberg (16 000) und Schneeberg (12 000), während damals Dresden und Leipzig nur etwa 5000 Einwohner aufwiesen. Zum Vergleich seien die damals größten Städte des Reiches genannt: Nürnberg und Breslau (je 40 000), Prag (30 000). 1509 erhält die Stadt einen Jahrmarkt, im Laufe der Zeit noch andere wirtschaftliche und politische Vorrechte, dazu zeigt sie ihren wehrhaften Sinn, indem sie als eine der wenigen Bergstädte sich mit Wall und Mauern umgibt. Der Stadtgrundriß zeigt das Bemühen der Bewohner nach möglichster Anlehnung an das alte ostdeutsche Normalschema einer Stadtanlage: ein gevierteckiger Platz, je zwei Gassen an den 4 Ecken, dann nicht geradlinige Führung der Straßen vom Markt bis zu den Stadttoren (Schutz gegen Sicht, Beschuß und Wind, der hier oben besonders heftig war). Unregelmäßigkeiten liegen am Gelände mit seinem Steilabfall nach Westen und Nordwesten. Bei der Schnelligkeit des Baues ist die Stadtanlage meisterhaft gelungen.

Annaberg: Mendegäßchen

Die Flur ist außerordentlich klein (1925: 848 ha, eingerechnet alle Eingemeindungen). Es ist eine Restflur, deren Kleinheit uns noch bewußter wird, wenn wir bedenken, daß allein Kleinrückerswalde am Stadttor vorüber bis zum Hüttengrund reichte. Die Flur von Geyer ist dreimal so groß. Außerdem ist die Flur zerstückelt und für bäuerliche Nutzung unzureichend. Eine Anzahl von Vorwerken lagen um die Stadt herum. Frühzeitig erwarben Annaberger Bürger „Räume“ im Sauwald und den umliegenden Dörfern. Die Entwicklung von Annaberg begleitete auch weiterhin landesfürstliche Gnade, brachte Rechte und Vorrechte, schuf einen Mittelpunkt in jedweder Verwaltung und Kultur, der trotz manchem Rückschlag die Jahrhunderteb überdauert hat. Die älteren Siedlungen, die doch von der Natur mehr begünstigt waren, hat Annaberg alle überflügelt.

Annaberg: An der Stadtmauer

Die ersten Anbrüche von Kupfererz machte man an der Ostseite des Pöhlberges, wo um 1442 schon der Briccius genannt wird. Aber erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts nahm mit dem wirtschaftlichen Leben Sachsens auch der Bergbau einen gewaltigen Aufschwung.

Ein gewisser Caspar Nietzel hatte im Jahre 1492 am Schreckenberge einen Erzgang angeschnitten, der angeblich zwei Lot Silber auf den Zentner Gestein führte, und schon drängten die Abenteurer von allen Seiten zu, die Umgebung der neuen Fundstelle wurde „mit Gewalt volkreich.“ „Es konnte nicht fehlen, daß das ungebildete Volk die überraschend reiche Silberausbeute dem Wirken geheimnisvoller Kräfte zuschrieb. Einem Bergmann sei im Traum ein Engel erschienen und habe ihm angezeigt, daß er an einem bestimmten Baume ein Nest mit güldenen Eiern finden werde. Dieser habe zunächst das bewußte Nest auf dem Baume gesucht, da sei der Engel wieder erschienen und habe ihn angewiesen, unter den Wurzeln des Baumes zu suchen. Dort habe er auch richtig den schatz gefunden.“ Die alte Sage findet sich mehrfach in Annaberg bildlich dargestellt, so u. a. auf der Rückseite des bekannten Bergaltars in der Annenkirche, und hier sieht man auch die älteste Form des Bergwerkbetriebes, den Handwindenbetrieb, in bildlicher Wiedergabe.

Der Bergmeister Fischer in Freiberg gab dieser „Alten Fundgrube“ das Bergrecht, und bald mußten sich im Garten zu Frohnau bergerfahrene Männer mit einem Streite beschäftigen, der durch das Angehen dieser Grube von der andern, kurfürstlichen Seite her erregt wurde. 1496 waren die Erzfunde so ergiebig geworden, daß Herzog Georg der Bärtige in Stellvertretung seines Vaters Albrecht eine Abordnung schickte, die den Ort besichtigte und am 21. September 1496 in der alten Mühle zu Frohnau, dem späteren Hammerwerk, beriet, sowie Lage und Bauplan für die „Neue Stadt am Schreckenberge“ festlegte. Darunter waren Antonius Cosboth, Hauptmann zu Wolkenstein, Bergvogt und wohlerfahrener Baumeister; Hans Bach, Zehndner auf dem Geyer; Ulrich Rülein von Kalbe, Bürgermeister von Freiberg (Verfasser des ersten deutschen Bergbuches); Philipp Weinbeer, Bergmeister, und Apollonius Röhling (eine sagenhafte Figur), der gleichfalls als Baumeister vom Chronisten bezeichnet wird. Mit dem Pfluge wurden die Grenzen gezogen und die Hauptstraßen bestimmt. Man wählte für die Stadtanlage den Westhang des Pöhlberges, weil hier der Zugang von Böhmen und Meißen her am bequemsten war und auch genug Wasser zur Verfügung stand. Nachdem noch im Spätherbste mit dem Fällen des Bauholzes an Ort und Stelle begonnen worden war, konnte im Frühjahr 1497 auch die eigentliche Bautätigkeit ihren anfang nehmen. Bereits am Michaelistage desselben Jahres wurde das erste Wohnhaus unter Dach gebracht. Der junge Herzog kam nun öfters hierher, um sich von dem Stand der Arbeiten zu überzeugen. In dankbarer Erkenntnis des unermeßlichen göttlichen Segens begnadete der fromme Fürst am 27. Oktober 1497 die neue Ansiedlung aufs reichste. Er verlieh ihr Namen und Stadtrecht und stattete sie mit vielfachen Rechten und Freiheiten aus.

Wappen von Annaberg

Sonach erhielt die „Neustadt bei dem Schreckenberge“ Selbständigkeit in Verwaltung und Rechtspflege, sowie das Marktrecht und dauernde Zoll- und Geleitsfreiheit durch die landesherrlichen Gebiete für alle zur eigenen Notdurft erforderlichen Waren; außerdem noch Brot- und Fleischbankgerechtsame, eigenen Salzmarkt und eigene Waage, Mahlrecht und Viehtrift, sowie das Recht freier und ungehinderter Wasserzufuhr. Auch wurde die Bewohnerschaft vom Herzog Georg im Namen seines Vaters für die Dauer der nächsten drei Jahre von jeglicher Steuer befreit und durfte sämtliches Bauholz unentgeltlich den fürstlichen Wäldern entnehmen. Diese Vergünstigungen verlängerte Georg im Jahre 1499 auf weitere zehn Jahre und förderte das Aufblühen und die Entwicklung der neuen Stadt und somit das Ansehen nach außenhin, so daß die heimische Geschichte nicht anders von ihm erzählen kann als von dem Vater der Stadt. Bald nach seinem Regierungsantritte war der junge Fürst darauf bedacht, das Ansehen der neuen Stadt dadurch zu heben, daß er ihr von des Kaisers Majestät neue Privilegien, insonderheit einen bezeichnenderen Namen, Wappen und Kleinode erwirkte. Der alte Name „Neustadt“ schien dem fürsorglichen Vater zu allgemein und der Zusatz „am Schreckenberge“ nicht ganz zutreffend. Überdies war seit wenigen Jahren, nämlich seit Friedrichs des Weisen Rückkehr von seiner Pilgerfahrt nach dem Heiligen Lande, in Deutschland und namentlich in den sächsischen Ländern der Annen-Kultus in Aufschwung gekommen. Da zögerte der junge Herzog nicht, die ihm liebgewordene Stadt der Heiligen Anna zu weihen und sie dadurch zum Mittelpunkte der Annenverehrung in seinem Herzogtume zu machen. Georg wendete sich also an den Kaiser Maximilian mit der „demütigen“ Bitte, daß er „dieselbige Stadt mit einem wesentlichen beständigen Namen zu nennen, mit den nachher beschriebenen Wappen und Kleinoden zu begaben und zu versehen gnädiglich geruhe“. Infolgedessen wurde „der neuen Stadt – laut königlichem Privileg, gegeben zu Nürnberg am 22. März 1501 – der Name Schreckenberg abgenommen und sie dafür mit dem Namen Sankt Annaberg begabt und genannt“. Dazu erhielt sie als Wappen das Bild der Heiligen Frau Anna, dargestellt in einem goldenen Throne oder Stuhle sitzend, der getragen wird von zwei lichtertragenden Bergleuten. Dazu einen Helm, mit blauer und gelber Helmdecke geziert; ferner die Symbole der heiligen Familie: Sonne, Mond und Stern, die alle drei ihren Schein und Glanz auf den Helm geben; sowie zuunterst Eisen und Fäustel als Zeichen des Bergbaues in einem kleinen weißen Schilde. Gelb und blau sind die Grundfarben des Wappens, gelb und blau auch die in der Siegelkapsel jenes Privilegiums beigegebenen Ehrenfarben der Stadt.

Herzog Georg liebte sein Annaberg, durfte er doch diese Stadt als seine ureigene Schöpfung betrachten, und ihr schnelles Aufblühen war dazu angetan, ihm Ruhm und Anerkennung als einem tüchtigen Staatsmann zu verleihen, in ihm selber aber Befriedigung und Stolz zu erwecken.

So ist es denn auch verständlich, warum Herzog Georg öfters zu sagen pflegte:

„Leipzig die beste, Chemnitz die feste,
Freiberg die größte, Annaberg die liebste!”

Buchholz: Ist Annaberg durchaus regelmäßig in seiner Anlage, so überrascht uns die Regellosigkeit der Stadt Buchholz. Der Name ist nicht ursprünglich, die Stadt hieß vorher Katharinenberg im Buchenholz. Der Bergbau setzte gleichzeitig mit dem in Annaberg ein und gab den Anstoß zur Besiedlung, aber 1501 stehen erst 16 Häuslein. Kein bestimmter Plan liegt der Stadtanlage zugrunde. Der Marktplatz ist wenig regelmäßig; infolge der Steilheit des Geländes mußte er sogar künstlich erhöht und geplant werden. Aber auch er bildete den Mittelpunkt der neuen Stadt mit Rathaus, Schmelzhütte, Badstube und sonstigen Gebäuden. Obwohl Buchholz nur vorübergehend Marktrecht besaß, blieb es doch Stadt. Die Flur ist winzig klein (1925: 480 ha mit Einschluß aller Erwerbungen der Neuzeit), dazu war sie völlig aufgeteilt in kleine Parzellen. Alle möglichen Sonderrechte, die Buchholz in den Jahren nach der Gründung erhielt, tragen das Zeichen der kurfürstlich-kleinstaatlichen Konkurrenz, nicht nachstehen zu wollen hinter der herzoglichen Nachbarstadt. Aber die Ausstrahlung Annabergs war zu stark, der Buchholzer Raum zu klein, das Bergglück auch eher im Versiegen; über Buchholz hinweg ging Annabergs Einfluß bis über den Kamm hinauf.

Buchholz um 1800.

Das jetzige Wappen ist dem früheren ähnlich und zeigt im Schilde St. Katharina mit dem zersprungenen Rade und einem bloßen Schwerte, über dem Schilde eine Buche und unter diesem zwei gekreuzte Hämmer.

Wappen von Buchholz

Bereits 8 Tage nach seiner Gründung begnadeten Friedrich der Weise und sein Bruder Johann durch den zu Torgau ausgefertigten Freiheitsbrief den Ort mit wichtigen Privilegien. Sie räumten der Stadt einen Teil der Gerichtsbarkeit und die Einkünfte daraus ein. Außerdem gestatteten sie den Einwohnern frei backen, schlachten, brauen, schenken, dazu nach bestem Nutz handeln zu dürfen. Sie befreiten auch alles, was den Bewohnern zu ihrer Notdurft zugeführt werden mußte – z. B. Getreide, Salz, Hopfen, Eisen, Vieh – innerhalb der kurfürstlichen Lande von Zoll- und Geleitsabgaben. Ein reichliches Jahrzehnt nach der Gründung erhielt Buchholz die volle Gerichtsbarkeit und im Jahre 1512 das Marktrecht. Die neue Bergstadt war keinem Amte einbezirkt, sondern direkt der Landesregierung unterstellt; sie besaß Sitz und Stimme im Landtag. Zur Mehrung der Einkünfte gewährten die fürstlichen Brüder 2 Freikuxe. Jede Zeche hatte bei Verteilung der Ausbeute an die Stadt soviel abzugeben, als auf 2 der 128 Kuxe kam. Johann Friedrich der Großmütige erhöhte später die Zahl der Freikuxe auf 4. Für kirchliche und schulische Zwecke erwiesen Friedrich und Johann der Stadt die Testsilber aus dem Treibherde und die Sprungkörner im Gewicht von weniger als ein halbes Lot zu. Es galt als besondere Auszeichnung, daß die Stadt mit rotem Wachs siegeln, St. Katharina und den Buchbaum im Wappen und ein Panier in den Farben blau und gold führen durfte. Friedrich der Weise, Johann der Beständige und Johann Friedrich der Großmütige erhoben Buchholz zu einer Berghauptstadt, indem sie es zum Sitze eines Bergmeisters machten, ihm ein Bergamt, sowie eine besondere Bergordnung verliehen. Im Jahre 1507 ließen Friedrich und Johann eine Münze errichten, und noch im selben Jahre begann darin das Ausmünzen des Silbers. Unter solchen Verhältnissen konnte sich Buchholz vortrefflich entwickeln, zumal es keinerlei Landessteuern zu zahlen brauchte. Gleichwohl waren die beiden fürstlichen Brüder immerfort bemüht, Wachstum und Wohlstand der Stadt Buchholz mit allen Kräften zu fördern.

Buchholz mit Blick auf Cunersdorf und den Bärenstein.

Die beiden anderen Bergstädte des Kreises sind insofern verwandt miteinander, als sie erstens dem gleichen Gründer ihre Entstehung verdanken, dem Hartensteiner Grafen von Schönburg, zweitens sind es moderne, sorgfältig durchgeführte und vereinfachte Formen des ostdeutschen Normalschemas im Städtebau.

Scheibenberg. Scheibenberg entstand 1517 – 22.  1530 wurde es verfassungsrechtlich Stadt. Bei der Gründung scheinen machtpolitische Auseinandersetzungen zwischen dem Landesherrn, dem Grünhainer Abt und den Schönburger Lehnsherren vorausgegangen zu sein. Der Siedlerstrom, der die Stadt erfüllte, kam aus Scheibe, an das Scheibenbergs Name anknüpft. Das Dorf war damals ähnlich mit Bergleuten angefüllt wie Frohnau. Die Stadtanlage zeigt einen gevierteckigen Marktplatz, von dem rechtwinklig und geradlinig Straßen und Gassen abgehen und die Stadt in völlig schachbrettartige Häuserblöcke aufteilen. Die Kirche steht etwas abseits. 1559 zählt Scheibenberg reichlich 130 Hausstellen mit 115 Bürgern, also ungefähr 5 – 700 Einwohnern, 1592 sind es 114 Ansiedler, darunter 23 Witwen. An der Spitze der Stadt stehen ein Richter mit 6 Schöppen, 2 Kämmerer, dazu Gerichtsschreiber und vier Viertelsmeister. Die Flur, deren ursprünglicher Teil mit dem Berg nur 545 Acker betrug, ist ziemlich regellos aufgeteilt. Später kamen noch „Räume“ dazu: im Norden, nach der Roten Pfütze zu, 281 Acker, im Süden 169. (1925: 550 ha.) Es wurde wenig Ackerbau, aber viel Viehzucht getrieben.

Die Gründung der Stadt Scheibenberg erfolgte durch die Herren von Schönburg. Jedenfalls hatte bereits 1516 Matthes Pusch, der Bergvogt von Buchholz, dem Kurfürsten angezeigt, daß am Scheibenberg gegraben würde, und daß der Bergmeister Hühnerkopf von Elterlein dem ersten Finder die Grube ganz oder fast ganz weggenommen habe. Die weitere Entwicklung scheint dann dadurch etwas gehemmt worden zu sein, daß der Abt von Grünhain das Scheibenberger Gebiet für sein Kloster in Anspruch nahm. Sein Bestreben wurde durch den genannten kurfürstlichen Bergvogt Pusch eifrig unterstützt. Aber der Erfolg blieb aus; die Zugehörigkeit zur oberwäldischen Grafschaft Hartenstein ließ sich nicht ernsthaft bestreiten. Am 20. Januar 1522 meldete dann Pusch an den Kurfürsten, daß Herzog Heinrich von Sachsen mit dem Herrn von Schönburg in Crottendorf sei. Herr Ernst von Schönburg trüge sich mit der Absicht, am Scheibenberg Hofstätten zu verleihen und eine Bergstadt zu bauen. Pusch versuchte nochmals, den Kurfürsten für eine Gegengründung nahe bei Schlettau zu gewinnen, wo guter und geeigneter Raum vorhanden wäre. Aber alle Quertreibereien waren vergebens. Im selben Jahre noch konnten die Herren Wolf und Ernst von Schönburg die „Artikel und Freiheit ufm Scheibenberg“ ausrufen lassen. Diese Gründung kann man noch keine Stadt nennen.

Wappen von Scheibenberg

Doch wurde Scheibenberg der Verfassung nach 1530 Stadt. Außerdem verlieh die Herrschaft ein großes Stadt- und ein kleines Gemeindesiegel. Das Wappen zeigt außer den Farben der Schönburger zwei Bergleute mit Axt, zwei Tannen, darunter Hammer und Schlegel und den Greif, der die Sorgfalt und Wachsamkeit bedeutet, zu welcher die Stadtverwaltung sich verpflichtet fühlen muß. Einen Wochenmarkt scheint Scheibenberg ebenfalls 1530 erhalten zu haben, auf einen Jahrmarkt aber mußte es noch 100 Jahre warten. 1624 suchten Richter, Rat und Viertelsmeister um die Verleihung zweier Jahrmärkte nach, 1627 wiederholten sie ihre Bitte, aber erst am 18. Juni 1638 wurden ihnen zwei Jahrmärkte, am Sonntag nach Johannis des Täufers Tag und am Montag vor Martini, bewilligt. Schon kurz nach der Gründung wurde das Bergstädtchen am Scheibenberg mit allerhand Rechten und Freiheiten begnadet. Die Bewohner durften selbst malzen, brauen und verschenken sowie Brot- und Fleischbänke errichten. Die Kirchen- und Gemeindekuxe sollten zur Hälfte Scheibenberg und zur Hälfte Elterlein zugute kommen, ebenso sollten die Teste und Körner beiden Gotteshäusern zufallen. Schließlich besaß die Stadt 1553 den Salzmarkt und die Niedergerichtsbarkeit.

Ein Blick auf eine gute Karte zeigt uns auch heute noch mit besonderer Deutlichkeit, daß Scheibenberg in seiner Anlage geradezu ein Muster einer ostdeutschen Stadt ist. Dies zeigt der quadratische Marktplatz, von dem sechs gerade Straßen ausgehen, die viereckige Häuserblöcke bilden.

Oberwiesenthal. Der Ort ist die jüngste Gründung der Schönburger im südlichsten Teil ihrer oberwäldischen Grafschaft Hartenstein. Erst 1526 wurde Silber entdeckt, 1527 schon ließen die Grafen eine Art Gründungsbrief ausstellen, zuerst unter dem Namen Neustadt-Wiesenthal. 1530 erhielt die neue Siedlung das Stadtrecht. Auch hier überrascht die Regelmäßigkeit der Anlage, das zur völligen Gleichmäßigkeit fortgebildete ostdeutsche Normalschema. Man rechnete anfangs mit 100 Stellen, 1559 waren 95 „besessene Mann“ vorhanden. Es heißt im Amtserbbuch: „Nachverzeichnete Einwohner haben Räume am Fichtelberg, deren jeder 100 Ellen lang und 100 Ellen breit“. 1592 sind es 87 besessene Mann (Unterwiesenthal hat nur 42). „Die Güter dieses Städtleins sind nicht nach hufen gerechnet.“ Nur in ganz geringem Maße zeigen sich Hufenanklänge, sonst haben wir dieselbe blockartige Aufteilung kleiner Bergstadtfluren als Restsiedlungen.

Wappen von Oberwiesenthal

Die neue Stadt hat wie so viele Orte im Obererzgebirge ihre Entstehung dem Silberreichtum zu verdanken. So schreibt Herzog Georg von Sachsen am 19. März 1527: „Nach dem sich auf den Gütern des Herrn Ernst von Schönburg im Wyssental ein Bergwerk eräugt, das sich an etlichen Enden, wie mir berichtet worden ist, mit Silber erweist, …“ Als die Schönburgische Herrschaft sah, daß der neue Ort dank der reichen Silberfunde rasch aufblühte, verlieh sie der Bergstadt mit Bewilligung des Herzogs Georg von Sachsen am Ostertage des Jahres 1527 die Bergfreiheit und das Marktrecht und förderte somit die Entwicklung und das Ansehen der neuen Stadt.

Marienberg. Die Gründungsurkunde fertigte Heinrich der Fromme in Freiberg am 27. April des Jahres 1521 aus. Die Stadt hieß anfangs Schletta wie das Dorf, bei dem sie entstand. Der Name „St. Marienbergk“ trat erstmalig in einem Antwortschreiben Herzog Georgs an die Knappschaft der neuen Silberstadt vom 5. März 1523 auf. Nach der Gründung Annabergs im Jahre 1496 war im Obererzgebirge 1516 Joachimsthal als Bergstadt entstanden. Die neue Stadt am Schlettenberge erhielt den Namen der heiligen Jungfrau, damit die heilige Familie des Erlösers in hiesiger Gegend vollständig würde und sich die Tochtergründung mit ihren Bergwerken ebenso austräglich erweise wie jene Bergstädte. Dem Namen der Stadt entspricht das Stadtwappen, das der Gründer der neuen Bergstadt verlieh. Es zeigt die Jungfrau Maria unter einer Krone stehend mit dem Jesuskinde auf dem rechten Arme. In der linken Hand hält sie ein Zepter, und unter den Füßen befindet sich die Mondsichel, die die Hörner nach oben kehrt. Darunter sind 3 Berge und das alte sächsische Wappen mit Balken und Rautenkranz. Die silberne Mondsichel mit Schlegel und Bergeisen soll ein Symbol des Silberbergbaues sein. Die drei Berge stellen den erzreichen Stadt-, Mühl- und Schlettenberg dar. Daß der Herzog dem Stadtwappen sein eigenes Wappen mitteilte, ist ein Zeugnis seiner Luebe zu Marienberg. die neue Stadt verdankt ihre Entstehung der kolonisierenden Macht des Bergbaues. Das Silbergeschrei vom Erzreichtum der Wüstenschletta hatte binnen kurzer Zeit eine zahlreiche und zwar fast ausschließlich bergmännische Bevölkerung herangezogen. Auch Ackerbauer, Handwerker, Stadt- und Staatsbeamte waren Bergleute. „Mancher Mann hat verlassen sein Handwerk und desgleich. Liefen auf allen Straßen zu sehen das Bergwerkreich, kam’n auf Marienberg mit Schalle viel mancher fremde Mann. Gott woll‘ erfreuen alle in seinem höchsten Thron!“ lautete ein alsbald entstandener Bergreihen. Kapitalkräftige und erwerbslustige Kaufleute sowie andere Personen taten sich zu „Gewerken“ oder Gewerkschaften zusammen und ließen sich zum Teil in Marienberg nieder. Unter den Bergleuten konnte man vor allem alte Annaberger, Freiberger, Ehrenfriedersdorfer und Geyerer wiederfinden. Sie waren größtenteils evangelisch-lutherischen Bekenntnisses und brachen so von Anfang an der Reformation des Wittenberger Predigers in hiesiger Stadt Bahn. Alle nachkolonisatorischen Wanderbewegungen der Folgezeit hinterließen auf dem Weichbild der rühmlichst bekannten Bergstadt ihre Spuren. So siedelten sich auch hier Exulanten an.

Die Anlage der Stadt läßt das Normalschema späterer Bergbaustädte erkennen. Inmitten derselben liegt ein großer, viereckiger Marktplatz. Von jeder seiner vier Seiten gehen drei Straßen ab, die rechtwinklig von zwei oder drei geradlinigen Straßenzügen geschnitten werden. Zur Zeit des größten Bergsegens wurde die Stadt mit schmucken Befestigungsanlagen umschlossen. Es geschah dies in den Jahren 1541 – 1546. Vier Türme und fünf Tore brachten die Würde, Kraft und Wehrhaftigkeit Marienbergs zum Ausdruck.

Das Wohl der Bergstadtgemeinde begründete und förderte Herzog Heinrich vor allem dadurch, daß er die neue Stadt den bereits bestehenden Bergstädten gleichstellte, indem er ihr dieselben Vergünstigungen und Befreiungen gewährte, die jene besaßen. Er stellte sie zusammen in dem sogenannten Befreiungsbriefe vom 19. Dezember 1523, der bis auf einige Änderungen und Zusätze wörtlich dem Annaberger Privileg Herzog Georgs vom Jahre 1497 entsprach. Dem Wesen der Bergstadt entsprechend wurden Marienberg Stadt- und Berggerechtsame in engster Verknüpfung verliehen. Durch das Stadtrecht erhielt die Gemeinde einen besonderen Frieden, einen Wochen- und Jahrmarkt, Selbständigkeit in Verwaltung, Polizei und niederer Gerichtsbarkeit. Das Bergrecht umfaßte nicht allein die Bergbaufreiheit und eine eigene Rechtsweisung in Bergbaudingen nach Maßgabe des geltenden Bergrechtes, sondern auch das für die Bergarbeiterschaft wichtige Recht der Freizügigkeit, Erleichterung des Verkehrs und der Lebenshaltung und mancherlei Steuervergütungen. Die Urkunde von 1524 stärkte das Gefühl gesicherter Entwicklung.

3. Die dörflichen Siedlungen.

Sie verdanken ihre Entstehung den verschiedensten Siedlerströmen. Die reinen Bauerndörfer jedoch sind im ersten Siedelabschnitt entstanden, sind also älter als die Bergstädte.

Arnsfeld ist ein Waldhufendorf, das den Namen des Ansiedlers (Lokators) trägt. Es gehört zum Wolkensteiner Siedelbereich. Die Flur ist heute 1151 ha groß. 1550 besaß es 55 „besessene Mann“, darunter 30 bauern mit einem beträchtlichen Lehngericht. 1591 war die „besessene Mannschaft“ auf 72 gestiegen, von denen aber die Hälfte Gärtner, also Kleinbauern, die nebenbei im Wald arbeiteten, waren. Die älteste erhaltene Urkunde über Arnsfeld stammt vom 23. Juni 1470 und trägt den Titel: „Wie Dorf Arnsfeld der Pfarr zu Wolkenstein zugeeignet worden“. In ihr wird der Name dieses Dorfes „arnsveltt“, auch „Arnsfeltt“ geschrieben. Im 17. Jahrhundert war besonders die Schreibweise „Ahrensfeldt“ üblich. Der Ortsteil Oberschaar hat seinen Namen von dem übrigen unvermessenen Land der Flur, das man früher Überschar nannte. 1591 waren auf der Überschar 7 „Gärtner“ ansässig, der Keim zur weiteren Siedlung, allerdings in Streulage, war damit gelegt.

Streusiedlungen sind meist regellos inmitten einer Flur liegende Dörfer, die zu einer Zeit entstanden, als die Gewohnheit der alten, regelmäßigen Fluraufteilung nicht mehr üblich war. Eine solche Streusiedlung ist Bärenstein.

Bärenstein ist hervorgegangen aus Einzelhöfen am Bärenstein. Der Flurname „Hofwiese“ erinnert an eine größere Gutssiedlung. Im Amtserbbuch des 16. Jahrhunderts wird der Ort auch als „Annaberger Räume am Bärenstein“ bezeichnet. Der Ort hat namentlich im letzten Siedelabschnitt durch die Exulanten gewonnen. Älter scheint der Ortsteil Kühberg zu sein. Er hieß früher auch Kuhberg oder Kuhzahl (vergl. Cranzahl; — zahl ist ein altdeutsches Wort für Schwanz) und ist bäuerlichen Ursprunges. Dagegen ist der Ortsteil Stahlberg in der Mitte des 17. Jahrhunderts von Exulanten, Glaubensflüchtlingen aus Böhmen, gegründet worden. Es handelt sich wieder um eine reine Streusiedlung, deren Flur kaum 145 Acker (1842) groß ist. Bemerkenswert ist, daß Stahlberg wenige Jahrzehnte nach seinem Entstehen ernstlich nach dem Stadtrechte strebte und einen erbitterten, wenn auch vergeblichen Kampf darum führte.

Während des Dreißigjährigen Krieges siedelten sich vertriebene Protestanten aus Böhmen in Bärenstein an und gründeten bald die Gemeinde Stahlberg. In welchem Jahre die eigentliche Gründung dieses Ortes erfolgte, ist urkundlich nicht erwähnt, doch kann man als sicher annehmen, daß sich schon nach dem kaiserlichen Dekret vom 31. Juli 1627 Weiperter Protestanten nach Bärenstein wendeten, wo ihnen auf ihre Bitte kleine Räume zur Errichtung von Wohnungen angewiesen wurden. Es ist daher leicht möglich, daß sich um diese Zeit auch bereits am Stahlberge einige Exulanten niedergelassen haben, deren Zahl später, vielleicht erst nach dem Westfälischen Frieden, eine Vermehrung erfahren haben dürfte. Denn gerade in den Bergstädten des böhmischen Obererzgebirges erhielt sich der Protestantismus sehr lange und konnte erst durch wiederholte strenge Maßregeln nach und nach völlig ausgerottet werden.

Die Bewohner dieses Dorfes am Stahlberge waren nicht auf Rosen gebettet. Die neuen Rodungen lieferten nur geringe Erträge, der Verkehr mit den Nachbarorten war beschwerlich und die Herbeischaffung der Lebensmittel, besonders des damals eine wichtige Rolle spielenden Bieres, ziemlich umständlich. Das veranlaßte die neuen Ansiedler am Stahlberge, sich 1677 an den Kurfürsten mit der Bitte zu wenden, ein eigenes Brauhaus errichten zu dürfen. Obwohl dieses Gesuch abgelehnt wurde, ließen sich die Stahlberger nicht entmutigen, kamen vielmehr zwei Jahre später mit einem größeren Ersuchen zum Kurfürsten, nämlich um Verleihung der Stadtgerechtigkeit, die sie nie erhielten.

Das eigentliche Bärenstein dagegen, das zur Stadt Annaberg gehört und von ihr in jeder Weise sehr begünstigt wurde, erhielt bald nach seiner Gründung das Marktrecht.

Cranzahl. Der Name des Ortes wird mit mit Krähenschwanz gedeutet. Wenn man vom Habichtsberg über das Dorf nach Südosten sieht, soll die Flur die Gestalt eines Krähenschwanzes haben. Der Name kommt in ähnlicher Form auch in Oberdeutschland vor. Außer dem Crandorf im Erzgebirge gibt es ein Crandorf in der Oberpfalz, ferner Orte wie Craintal, Krainhagen, Krainsberg u. a. Die Flur ist beträchtlich (1925: 693 ha); von den 1235 Acker hat die Gemeinde 34 im Besitz. Noch 1548 gibt es einen großen Hof auf dem Habichtsberge, der den Herren von Minkwitz gehört. Das Dorf bilden 43 „besessene Mann“, von denen der Richter ein Dreiviertel-Erbe, 3 Bauern einundeinhalbes Erbe, einer ein Erbe, 25 ein halbes Erbe besitzen. Ein Erbe ist meist die sogenannte fränkische Hufe von 43,2 Ackern oder ein bestimmter Teil davon. Daneben wohnen im Dorfe 12 „Gärtner“ außer 2 Häuslern und dem Müller. Beachtlich ist in Cranzahl – wie übrigens in allen Dörfern des Kreises – die Häufung bestimmter Familiennamen. 1593 taucht ein Merten Göbel auf. 1842 sind allein 9 Göbels als Grundbesitzer im Flurbuch verzeichnet.

Das Ortswappen stellt eine auf einem Aste sitzende Krähe dar.

Nach einer von Kaiser Karl IV. unter dem 3. Juni 1367 in Stollberg ausgestellten Urkunde gehörte es zur Pflege Schlettau, die sich im Besitze der Herrschaft von Schönburg auf Hassenstein bei Kaden befand. 1413 trat Friedrich von Schönburg die Pflege Schlettau an die Abtei Grünhain ab. In dieser Kaufsurkunde erscheint der Ortsname zum erstenmal als „Craenzahel“.

Seine Entstehung verdankt der Ort wahrscheinlich der das Tal durchquerenden Salzstraße, die von Preßnitz über Kühberg nach Cranzahl hereinführte und auf der „alten Schlettauer Straße“ über Schlettau, Elterlein, Zwönitz nach Leipzig ging. Diese Paßstraße durchquert Cranzahl in seinem untersten Teile. An dieser kurzen Straße liegen das Uhlemanngut, in dem Zoll erhoben wurde, die Richterschmiede und das Gericht, das älteste Gebäude im unteren Dorfe.

Crottendorf. Der Name des Ortes kehrt in den verschiedensten Ortsnamen wieder, so in Krottelbach, Krottenbach, Krottenmühl und -see. Ja, man findet sogar ein Crottendorf in Oberfranken, eine Krottenhaide bei Meerane, ein „Crottensee“ als Flurnamen bei Eibenstock, Eger u. a. Der Ort gehört ebenfalls zu den größten des Kreises, der Charakter des Reihendorfes war früher besser zu erkennen als heute, wo die ganze Talaue durch den industriellen Ausbau ausgefüllt worden ist. Es verdankt seine Entstehung dem ersten großen Siedleransturm, muß aber zu Beginn des 16. Jahrhunderts einen zweiten, wiederum bäuerlichen, Ansturm erlebt haben. Das Amtserbbuch schreibt, daß anfangs nicht mehr als 30 „besessene Mann“ im Dorf gewesen seien, seither (16. Jahrh.) aber seien neue Häuser aufgerichtet worden. Das muß nach Süden zu der Fall gewesen sein. 1548 hatte der Ort 115 „besessene Mann“, eine ungeheure Zahl für damalige Zeit, 1592 nur 102, davon 50 Bauern. Gutsteilungen müssen seitdem öfter erfolgt sein, denn 1841 hat das Dorf mit seiner 2151 Acker großen Flur (1925: 1215 ha), von der fast 120 Acker Gemeindebesitz sind, 83 Bauern. Neben den Bauern und Häuslern – Hausbesitzer – treten zeitig Hausgenossen, also Mieter auf, die kein Eigentum an Haus und Land haben. Außerdem hat es in Crottendorf ein „festes Haus“, also eine Art Burg oder Schloß gegeben, wie es in verschiedenen erzgebirgischen Orten zu finden ist.

Aus einer im Jahre 1507 in Stollberg ausgestellten Urkunde geht hervor, daß im 14. Jahrhundert Crottendorf neben Cranzahl, Walthersdorf, Sehma, Cunersdorf, Königswalde und dem Buchenwalde zur Pflege Schlettau gehörte, die sich im Besitze der Herrschaft von Schönburg auf Hassenstein bei Kaden befand. Im Jahre 1413 trat Friedrich von Schönburg die Pflege Schlettau und damit Crottendorf für 840 Schock „gute böhmische Groschen“ und einige Dörfer in Böhmen an die Abtei Grünhain ab.

Bald nach der Gründung wurde der Ort mit allerhand Rechten und Freiheiten begnadet. Da ist vor allem das Freiholz zu nennen, das für Crottendorf eine sehr vorteilhafte Berechtigung gewesen ist, denn es erhielt jährlich einige hundert Klafter Holz und Stöcke gegen Bezahlung der Schläger- und Roderlöhne, sowie genügend Reisig gegen Wiederbezahlung der Hackerlöhne. Schon zur Zeit der Herren von Schönburg wurde der neuen Gemeinde die Erbgerichtsbarkeit verliehen. Da aber die Obergerichtsbarkeit von Crottendorf beim Verkauf mit an das Kreisamt Schwarzenberg kam, so kam zwischen letzterem und den Erbgerichten am 1. Mai 1664 ein Vergleich zustande, der am 4. Oktober 1664 bestätigt und am 5. Mai 1811 erneuert wurde, wonach Crottendorf die Untergerichte zugewiesen sind.

Cunersdorf gehört zu den kleinen Siedlungen der Schlettauer Pflege, von der es auch kirchlich lang versorgt wurde. Die Flur ist 622 Acker (1925: 391 ha) groß. 1548 hat es 23 Mann, darunter 16 Bauern. Die Durchschnittsgröße der einzelnen Hufe ist 43,2 Acker, das ist die fränkische Hufe. Das Gericht ist erst im 16. Jahrhundert von einem „walzenden“ zum Erbgericht geworden. Cunersdorf hatte das Recht zum Kram- und Salzmarkt und besaß darüber alte Freibriefe, die es aber bis 1593 verloren hat.

Cunersdorf hat seinen Namen höchstwahrscheinlich dem ersten Ansiedler (Lokator) zu verdanken, denn man findet den Ort um das Jahr 1528 als Cunradisdorf aufgezeichnet. Cunersdorf wird 1367 zum erstenmal urkundlich genannt.

Dem Ort wurde außer der niederen Gerichtsbarkeit zoll- und geleitsfreier Handel nach Böhmen gewährt, durch den die Ernährung der Einwohner sichergestellt werden sollte.

Dörfel ist das schönste Beispiel eines Dorfes mit fächerartigen Waldhufen in einer räumlich kleinen, steilwandigen Quellmulde. Es ist sicherlich gleichzeitig mit Hermannsdorf entstanden. 1559 hat es 24 „besessene Mann“, darunter vier Gärtner, 1593 nur 23 besessene Mann, „weil vor vielen Jahren ein Häuslein eingegangen und die Mannschaft gefallen„, wie das Erbbuch meldet. Auch hier standen dem Erbgericht verschiedene Rechte zu. Durch Brände und sonstige Umstände ist der Charakter eines Reihendorfes etwas verwischt. Einzelne Güter sind nach der Straße vorgerückt, andere in die Flur zurückgewichen. Ein Einzelhof mit umgebender Sonderflur ist das sogenannte Sauwaldgut, das in den verschiedensten Urkunden auftaucht.

Die Deutung des Namens ist nicht schwer, wurde doch Dörfel schon im Jahre 1308 urkundlich als „Dorffichin“ genannt, was kleines Dorf oder Dörfchen bedeutet.

Frohnau. Das Nachbardorf Frohnau ist dem Namen nach schon eine rein deutsche Gründung, was Orts- und Flurform bestätigen. Allerdings liegen in der Flur auch eine Anzahl von Einzelhöfen, die das Flurbild auf der südwestlichen Hälfte etwas verwischt haben. Dazu hat auch der Bergbau beigetragen, was die vielen Halden im Gelände bezeugen. 1547 besitzt das Dorf 15 Erbmänner, d. h. Bauern, dann die große Zahl von 43 Gärtnern. „In diesem Dorfe“, heißt es im Amtserbbuch, „sind 8 ganze Leben und 3 Viertel, die sind unter die 15 Erbmänner geteilet, … die Gärtner aber haben zu iren Heuslein an Wiesen, Äckern noch Gehölzen keine Zugeherung“, d. h. keinen Anteil. Außerdem hat das Dorf noch 34 „Gebirgler“, wohl Hausgenossen, bezw. zur Miete wohnende Bergleute. Beinahe in jedem Gärtnerhaus wohnt einer. Daraus wird ersichtlich, wie dicht im Verhältnis zu den anderen Dörfern Frohnau besiedelt war und so schon eine Neusiedlung rechtfertigte: Von Frohnau aus ist schließlich Annaberg gegründet worden. Außerdem gab es im Dorf 2 Mühlen, deren eine später ein Hammer- und Pochwerk wurde.

Frohnau wird zum ersten Male, übrigens mit „Rückerswalde“ und „Geyersdorff“ zusammen, in einer Urkunde des Burggrafen Heinrichs I. von Meißen vom 11. November 1397 als „Frohnaw“ erwähnt. Aus den beiden mitteldeutschen Stämmen „fron“ und „awe“ zusammengesetzt, bedeutet Frohnau die „dem Herrn (d. h. dem Grundherrn) eigene Aue“. Die Benennung Frohnaus zeigt uns an, daß die Ansiedlung von der Niederung des Sehmaflusses aus erfolgte, an dem ja auch die noch heute so benannte „Herrenmühle“ gelegen ist, die noch unter den Wettinern lange Zeit Sitz der Verwaltung der Herrschaft Pöhlberg oder, wie man später sagte, des Mühlenamtes gewesen ist.

Das Ortswappen zeigt links unter einer Tanne einen Bergmann und rechts Hammer und Schlägel.

Gelenau ist eines der größten Dörfer des Kreises mit der größten Flur, es umfaßt 2822 Acker (1842), 826 davon gehören zu dem alten Rittergut. Gelenau ist dem Ursprunge nach ein rein deutsches Bauerndorf. Sein Name hängt zusammen mit den unzähligen deutschen Ortsnamen wie Gailbach in Unterfranken, Gailroth in Mittelfranken, Geilnau, Gelnhar und Gelnhausen in Hessen. Der Zusammenhang mit diesen Namen wird klar, wenn man die alte Schreibweise Geilnau für unser Gelenau sieht. Auch die Flurform mit den reinen, klar gegliederten Waldhufen, die hofanliegend vom Reihendorf zum Berghang streben, beweisen es. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß in Gelenau viele Familiennamen sich häufen. 1546 gab es 11 Bauern und Gärtner namens Hofmann, 2 Uhligs, 1 Schubert. 1842 gab es allein 14 ansässige Familien mit Namen Schubert, 31 Uhligs, 43 Hofmanns. Der Zusammenhang des letzten Namens mit dem Großgut am Orte, dem sicherlich eine Anzahl von Bauern rechtlich unterstand, wird hieraus ersichtlich.

Die erste Urkunde stammt aus dem Jahre 1273. In diesem Jahre war Johannes von Gelenau, Besitzer des gleichnamigen Rittergutes, Zeuge beim Verkauf von Abtei Oberlungwitz an Grünhain durch die Herren von Waldenburg.

Geyersdorf ist ein Waldhufendorf im kleinen, steilen Scheidebachtal. Die Hufenstreifen ziehen sich zum Teil am Hange des Pöhlberges hin. Die Flur ist 892 Acker groß (1842). 1547 sind in diesem Dorf 50 „besessene Mann“, nämlich 22 Bauern und 28 Gärtner. Zwei Bauern besitzen (1547) eine Vollhufe, 6 eine Dreiviertelhufe, 13 eine halbe Hufe, einer eine Viertelhufe. Es sind also schon in jener Zeit beträchtliche Besitzunterschiede zu verzeichnen. Auffällig ist es, daß Geyersdorf mancherlei Rechte hatte, die sonst nur Städten zustehen, so z. B. einen öffentlichen Markttag und einen Salzmarkt, sowie Brau- und Schankgerechtigkeit für fast jedes Haus. Vielleicht berechtigt das zu der Annahme, daß Geyersdorf ursprünglich gleiche Aufstiegmöglichkeiten und -aussichten hatte, zur Stadt zu werden, wie etwa die Greifensteinstädte, daß des aber sozusagen, sitzen blieb, weil in seiner Nähe eine andere Siedlung bewußt zur Stadt wuchs, die neue Bergstadt Annaberg. Auch das bedarf noch einer genauen Untersuchung.

Geyersdorf wird im Jahre 1411 urkundlich als „Girstorff“ erwähnt. 1428 tritt dann auch die Form „Gerstorff“ auf. Beide Namen sind Verkürzungen von „Gerhartstorff“. Als Geyersdorf wird es schon in einer Urkunde des Burggrafen Heinrichs I. von Meißen genannt, worin er einem Bauer namens Paul Richter zu „Rückerswalde“ ein Stück Wald, den späteren Standort eines Teiles der Stadt Annaberg, das an der einen Seite an dessen Gut, auf der anderen jedoch an den Weg stieß, „der do gheet von Geyersdorff biß ghen Fronawe“, am 11. November (an Sanct Martinus Tage) 1397 zu Lehen reichte.

Das Gründungsjahr von Geyersdorf ist urkundlich nicht erwähnt, jedoch muß es schon vor 1397 bestanden haben.

Zur Zeit der Gründung Annabergs war der Bergmannsort Geyersdorf schon eine größere und ansehnliche Gemeinde, die von ihrem Landesherren mit verschiedenen Rechten und Freiheiten begnadet war. Kurfürst Friedrich II. verlieh wahrscheinlich schon im Jahre 1448 dem Ort die Stadtgerechtigkeit, einen öffentlichen Wochenmarkt, sowie die Brau- und Schankgerechtigkeit für jedes Haus. Außerdem gewährte er Zoll-, Geleits-, Tranksteuerfreiheit und die Jagd mit kleinen Netzen. Geyersdorf besaß auch schon die hohe Gerichtsbarkeit, schließlich bekam es noch ein Mahlgericht oder die niedere Gerichtsbarkeit, die dann später vom Amtsgericht Annaberg übernommen wurde.

Grumbach heißt eigentlich Grünbach, in Urkunden Gruenbach und Grunenbach. Die Flur ist im Jahre 1842 1228 Acker groß. Die Siedlung greift hier auf die Höhen des Gebirges über, ist aber nicht als Restsiedlung anzusehen. Der klarvermessene Flurplan paßt sich mit seinen schmalen Hufenstreifen gut den Unebenheiten des Geländes an. Die nach dem Preßnitztal zu laufenden Hufen müssen sogar rechtwinklig abbiegen; auf der anderen Seite des Ortes durchziehen sie ebenes Gelände. 1572 gab es in Grumbach 39 „besessene Mann“, nämlich ein Rittergut, ein ganzes Erbe mit der Mühle, 8 Dreiviertelerbe, 11 Halbe Erbe, 2 Einpferige oder Höckererbe, 2 Wiedenerbe („zinsent und lehnen dem Pfarrer“), 2 Erbgärtner (Altgärtner), 1 Mühle, 10 Häusler.

Bis 1770 soll außer dem Erbgerichte eine nördliche und südliche Güterreihe gestanden haben. In der folgenden Zeit kamen die Häuser auf der oberen Gasse, auf der „Had“ und an der Kühgasse und später – wahrscheinlich um 1825 – noch Neugrumbach dazu. Nach einer Urkunde belehnte der Markgraf Wilhelm von Meißen am 8. April 1386 die Gattin Metze (Mathilde) des Anarg von Waldenburg mit dem Schloß Scharfenstein und seinem Zubehör, darunter Grumbach, Mildenau und Jöhstadt.

Wappen von Grumbach

Daß sich in Grumbach später auch Bergleute ansiedelten, geht aus dem Ortswappen hervor. In der oberen Hälfte befindet sich die halbe Gestalt eines Bergmannes, der in den beiden Händen zwei Spitzhämmer erhebt, in der unteren Hälfte sind drei wellenartig sich erhebende Bergkuppen und darüber zwei gekreuzte Spitzhacken zu sehen. Rechts und links vom Schilde stehen die Zahlen 14 und 11. Das Jahr 1411 muß für den Ort von Bedeutung gewesen sein; wahrscheinlich wurde damals der Bergsegen rege. Als Umschrift um dies kreisrunde Wappen sind die Worte „Gemein Sigil zo Grumbach“ zu lesen.

In Grumbach wurde früher ein Herbstmarkt abgehalten, den es an Jöhstadt abgetreten hat, wofür es als Gegengabe eine Glocke erhielt. Deshalb hieß auch die mittlere von den drei Kirchenglocken vor dem Weltkriege „die Marktglocke“.

Hammer-Unterwiesenthal und Niederschlag sind Exulantensiedlungen, gehören also dem letzten Siedelabschnitt an, Hammer, wie es im Volksmund heißt, wurde 1657 gegründet. Niederschlag wurde natürlich auch auf wilder Wurzel angelegt, gerodet, woraus sich der Name erklärt. In Bärenstein z. B. tragen einige Häuser den Namen „Wällehäuser“, das sind Hütten, die im Wälle = Wäldchen angelegt wurden, das der Kurfürst den Glaubensflüchtlingen zur Verfügung gestellt hatte. Von regelrechten Fluraufteilungen sieht man hier nichts mehr, wie das bei allen Streusiedlungen der Fall ist.

Hermannsdorf gehört mit seiner Flurgröße von (1842) 2403 Ackern (1925: 1200 ha) zu den größten Siedlungen des Gebirges. 870 Acker davon sind mit Wald bestanden, ebenfalls beträchtlich ist der Gemeindebesitz von 142 Ackern. Der klare und übersichtliche Flurplan ist ein schönes Zeugnis für die Meisterschaft der alten Kolonisatoren, die hier ein weites Seitental vorgefunden hatten. 1548 hatte die Gemeinde 42 „besessene Mann“, 1593 war ein „kleines Häuslein“ dazugekommen. Hermannsdorf war ein reines Bauerndorf. Der Pfarrer besaß hier sogar ein „Doppelerbe“. Ähnlich wie in Arnsfeld deutet der Flurname Überschar auf bei der Landvermessung überschießendes Land. Nach Süden zu war die Flur durch den Arztknochen hervorragend gesichert. Nördlich vom Dorfe wurde die Flur von der alten Kärrnerstraße geschnitten, die wohl in erster Linie der Verbindung der Bergbauorte Annaberg, Frohnau, Geyer diente.

Hermannsdorf wird 1531 urkundlich zum ersten Male genannt. In diesem Jahre belehnt der Abt Johannes Göpfert von Grünhain Heinrich von Elterlein, Bürger auf St. Annaberg, mit der Hermannsdorfer Mühle.

Eigene Gerichte und Braugerechtsame, vom Burggrafen bald nach der Gründung verliehen, förderten die Entwicklung und das rasche Aufblühen der Gemeinde Hermannsdorf.

Herold. Zwölf Bauern (nach dem Flurbuch von 1840) weisen den bäuerlichen Ursprung des Dorfes nach. Der sagenhaft umwobene Name weist auf Herkunft der Siedler aus Franken. Wir finden ein Herold in Hessen, Heroldsbach und Heroldmühle in Oberfranken, Heroldsberg in Mittelfranken. Zusammenhang mit Gerold ist möglich. Urkundlich erwähnt wird das Dorf erstmalig 1386, als die Herren von Waldenburg zu Wolkenstein es mit verschiedenen Freiheiten bedachten.

Sagenhaft ist die Gründung, aber vor allem der Name des Ortes Herold. So wird erzählt, daß 1649 ein Herold nach diesem damals noch namenlosen Dorfe gekommen sei und den Bewohnern verkündet habe, daß der Dreißigjährige Krieg zu Ende sei. Aus Freude über dieses Geschehnis habe man beschlossen, den kleinen Ort „Herold“ zu nennen. So zeigt das Wappen der Gemeinde, das sich hinter dem Altar der Herolder Kirche befindet, einen Herold in bunter Kleidung.

Jahnsbach. In einer kleinen Quellmulde, dicht an Thum hingelagert, findet sich dieser Ort mit einer kleinen Flur von 868 Acker (1925: 455 ha). Der Name geht vermutlich auf den Lokator namens Johannes zurück. An älteren Urkunden ist ein alter Lehnsbrief aus dem Jahre 1442 überliefert, in dem „Janspach“ als ein Dorf in der Pflege Scharfenstein genannt wird, an dem auch Thum einen Besitzanspruch hat. Zum weiteren Ausbau des Dorfes hat der Bergbau von Thum aus beigetragen. Am Anfang des 17. Jahrhunderts ist das Dorf noch wesentlich kleiner gewesen.

Das frühere Ortswappen mit der Jahreszahl 1487 zeigt unter dem „Gottesauge“ Schlägel und Eisen gekreuzt. Demnach ist anzunehmen, daß auch an diesem Ort Bergbau betrieben worden ist.

Kleinrückerswalde ist heute ein Ortsteil von Annaberg. In den Erbbüchern des 16. Jahrhunderts heißt es nur Rückerswalde. Die Anlage als Reihendorf in der kleinen Quellmulde, die sich weit ins Sehmatal hinabzieht, ist heute noch gut erkennbar. Von seiner Flur hat der Ort beträchtliche Teile am rechten Sehmaufer an Buchholz abgetreten, um 1870 den ganzen Grund bei der Schlösselbrücke einschließlich Emilienberg bis zum Hüttengrund an Annaberg. 1548 gehörten die 10 Lehen 18 Bauern, den sogenannten Erbmännern, und dem Richter. Es gab einen Ganzhüfner, 6 Dreiviertelhüfner, 5 Halbhüfner, 6 Viertelhüfner. „Die Gärtner, 31 an der Zahl, haben zu iren kleinen Heußlein, welche auf der Gemeinde erbauet sind, keine Zugehorung an Äckern, Wiesen noch Gehölzen,“ heißt es im Amtsbuch. Besonders vermerkt wird darin noch, daß die Gemeinde befreit, d. h. berechtigt ist, „den Wasserbrunn hinter Gregor Bretfelds Hofe, auch das Stollenwasser, in der Gemeine gelegen, zu ihrer und eines jeden besonderer Notdurft zu gebrauchen, solches auch in ihre Höfe nach Gefallen in Rohren oder sonsten zu führen.“ Noch mancherlei andere Rechte hatte Rückerswalde, die denen von Geyersdorf nicht nachstanden.

Die deutschen Kolonisten pflegten mit Vorliebe ihre Niederlassung mit dem Namen des ersten Ansiedlers oder Führers zu benennen. Rückerswalde bedeutet wohl das Walddorf eines Ratger oder Rüdiger. Ende des 14. Jahrhunderts hieß es Rüdigerswalde. Später finden wir es als Rockerswalde, Rugkerswalde, Rukirswalde, Rükerßwalde, Rückerswalde, Rucvkerswalde prope Sleten. Der Name „Kleinrückerswalde“ tritt erst auf, als sich die Ortsflur durch die Gründung Annabergs und spätere Abtretungen an Annaberg und Buchholz abgemindert hatte, da es also tatsächlich „klein“ geworden war.

In einer Urkunde vom 11. November 1397 ist die erste Nachricht enthalten. Diese Urkunde lautet: „Wir Heinrich von gots genaden des heiligen Remischen Reichs Burggrave zu Meyßen Grave zu dem Hartenstein vnd alle vnsere erben / Bekennen offentlichenn IN vnseren offen brive allen den / die In sehen adir hören lesenn / das wir leyhen vnd geliehen haben / Zu einem rechten erbe dem Weißen manne paul Richter zu Rückerßwalde / Ime vnd alle seinen erbenn / Ein stucke holtz / das do stosset an dem vorgenantten Richters erben / Auch scheidet das vorgenannte holtz ein Weg / der do gheet von Geyersdorf biß ghen Fronaw / Vnd dem zu mehrer sicherheit hengen wir vorgenannter herr vnser Insigel an diesen offenen brief der do gegeben ist nach gotte geburth dreyzehenhundert Jhar / In dem Sieben Vnd Neuntzigsten Jhar an Sanct Martinustage“.

Das Weichbild von Kleinrückerswalde ist ursprünglich ziemlich ausgebreitet gewesen. Im Osten grenzte es an Königswalde (Amtsseite) und im Süden an Cunersdorf. Die Flurgrenzen bildeten übrigens bis Mitte des 15. Jahrhunderts die Landesgrenze nach Böhmen. Im Westen reichte es bis an die Sehma, bis zur Brücke, über die der alte Frohnauer Kirchsteig, jetzt Gärtnerweg, nach dem Frohnauer Hammer führt. Die Nordgrenze fiel etwa mit der Frohnauer Gasse in Annaberg zusammen und stieß bis zum Annaberger Marktplatz vor. Dann lief die Grenze am nördlichen Fuße des Galgenberges nach dem Südabhange des Pöhlberges hin bis zum Pöhlberg-Rundgang. Die Fluren dehnten sich weit hinter dem Pöhlberge aus, bis an die Fluren von Geyersdorf. Die Westhälfte der Stadt Annaberg steht also auf Rückerswalder Flur. Darum gilt auch Kleinrückerswalde als Mutterort von Annaberg.

Kleinrückerswalde wurde nach seiner Gründung mit besonderen Rechten und Freiheiten begnadet. So durften die Annaberger und Buchholzer Fleischer später die Flur nicht behuten. Die Kämmerei in Annaberg mußte die Brücken über den Flößgraben in gutem und tüchtigem Stand halten. Die Reparaturen an den Röhrwassern auf des Ortes Fluren durften nur zu solcher Zeit vorgenommen werden, wo kein Schaden entstehen konnte, und Fremden war die Einführung von Bier und Salz verboten.

Auch der Erblehnrichter hatte seine besonderen Rechte und Freiheiten. Er stand vermutlich mit den Ansiedlern des Ortes in Zusammenhang. Als Führer der Ansiedler bekam er eine Hufe (ungefähr 30 Morgen) Land abgabenfrei als Erblehn zugewiesen. Er war also nicht, wie die übrigen Ansiedler, verpflichtet zur Entrichtung von Grundzins, Naturalien, Geld und anders an den Grundherrn zu zahlen.

Dem Erblehnrichter war als Ortsvorsteher die niedere Gerichtsbarkeit übertragen worden.

Andere Rechte und Freiheiten erhielt er, wie Salzverkauf, Bierbrauen und Bierschänken, ferner stand ihm zu, auf des Dorfes Revier Hasen- und Federwildbretjagden zu veranstalten. Als einziger Gasthof im Orte hatte das Erbgericht zum Übernachten der Reisenden, zur Ausspannung und zum Futterkrippenstellen.

Königswalde gehört gleichfalls zu den größten Fluren des Erzgebirges mit 2417 Acker, (1925: 1337 ha). Man vermutet auch hier eine Doppelsiedlung: Königswalde – Lichtenhain, zumal durch das Dorf eine alte Herrschaftsgrenze verläuft. Die rechte Hälfte des Dorfes mit der Kirche war später dem Rat von Annaberg untertan, daher auch Ratsseite genannt, die westliche Hälfte auf dem linken Pöhlaufer stand dem Amt Grünhain zu. 1548 heißt es im Grünhainer Amtserbbuch: „In diesem Dorf seind 45 besessene Mann, darunter 17 Gärtner“ (also 28 Bauern). 1593 sind es 55 besessene Mann, „weil inzwischen 10 kleine Häuslein auferbauwet worden, die alle siendt dem Amt zuständig.“ Das betrifft also nur die Amtsseite. Das Flurbuch von 1842 zeigt für beide Hälften 60 Bauern mit einer Hufengröße von 9 bis 112 Acker, darunter 2 Erblehngerichte. Die Durchschnittsgröße liegt bei 40 Acker. Im vorigen Jahrhundert gab es an der Pöhla noch 9 Mahl-, 3 Öl- und 3 Brettmühlen. Die Flurform zeigt klare, schmalstreifige Waldhufen, die sich auf der Ratsseite bald im Walde verlieren.

Königswalde – Blick vom Pöhlbergrundgang.

Die Amtsseite (links der Pöhla), auch Königswald oder Königswalde genannt, wurde um 1250 gegründet. Als Schloßdorf gehörte es zur Herrschaft Schlettau, kam 1351 mit den Festen Hassenstein und Preßnitz als böhmisches Lehen an Bernhard von Schönburg. 1413 ging die Herrschaft Schlettau mit ihren 5 Dörfern – darunter auch das halbe Dorf Königswalde – an das Kloster Grünhain über. An dessen Stelle trat nach Säkularisation der Kirchengüter 1536 die landesfürstliche Verwaltung. Auf die böhmische Oberhoheit war um die Mitte des 15. Jahrhunderts die sächsische gefolgt. Die bis 1854 in das „Amt“ Grünhain gehörige Ortsseite – darum Amtsseite – war von 1485 bis 1547 ernestinisch, von da an albertinisch.

Die Ratsseite (rechts der Pöhla) wurde bis Ende des 13. Jahrhunderts „Lichtenhain“ genannt, das soviel wie „Grenzdorf“ bedeutet. Es wurde um 1200 von Wolkenstein aus durch die Edlen von Waldenburg gegründet. 1280 fiel es durch Schenkung dem Kloster Buch bei Leisnig zu. Später wurde es von den Burggrafen von Altenburg, die gleichzeitig Grundherren der Herrschaft Belberg waren, niedergebrannt. Von den Waldenburgern wieder aufgebaut, erhielt es nun auch den Namen Königswalde. Die Besitzer des Schlosses Scharfenstein wechselten rasch. Auf die Waldenburger folgten 1439 die sächsischen Landesfürsten, 1472 Heinrich von Schönberg, 1475 Friedrich Blanke, 1482 Heinrich von Starschedel, 1492 Heinrich von Einsiedel. Von diesem erwarb es 1512 Paul Thumshirn, ein Annaberger Bürger, der zugleich der Vater des bekannten kurfürstlichen Feldherrn Wilhelm Thumshirn war. In demselben Jahre verkaufte dieser „das halbe Dorf Königswald mitsamt den Wäldern und aller Zugehörung um 3035 Gulden an den Rat der Statt Annaberg“, darum fortan „Ratsseite“ genannt.

Zum erstenmal wird Königswalde in der Urkunde Kaiser Karls IV. vom 2. Juni 1367 erwähnt, wo dieser dem Böhmenkönig auf die Bitte seines Getreuen Bernhard von Schönburg gestattet, „für seine Herrschaft Schlettau mit allen Zugehörungen – darunter die villa Kunigswalde – für immer Tiere, Getreide und andere Waren ohne Steuern und Zoll aus allen Teilen Böhmens einzuführen“.

An besonderen Rechten besaßen die Amts- und Ratsseite eigene Gerichtsbarkeit; die jeweiligen Besitzer des Amts- und Ratsgerichtes waren zugleich auch Richter. Diese beiden Gerichte besaßen das Recht des Bierbrauens und des Salzverkaufes.

Der Königswalder Erb- und Lehnrichter Johann Rebentisch berichtet in einer Handschrift von 1695 über die Entstehung von Königswalde – Bärenstein folgendes: „Königswalde und Bärenstein stoßen aneinander; vor diesen ist kein Dorf dagewesen, nur ein Hof. Paul Mittelbach hat diesen dem Rate zu Annaberg verkauft. Noch ein paar Güter sind dagewesen, welche hierein eingepfarrt gewesen, wie die alten Gerichtsbücher besagen. Anfänglich ist an Königswaldes Stelle kein Dorf gewesen, sondern lauter Wildnis, und hat dem böhmischen König zugestanden, daher Königswalde genannt worden. Zu der Zeit des Papsttumes, als die Böhmen von „Fünf Wunden“ hier nach dem Kloster Grünhain wallfahren gingen, sollen die Wälder so groß gewesen sein, daß sie sich von Komotau bis Grünhain erstreckten. Damit aber die Reisenden von einer halben Meile zur anderen einsprechen könnten, ist befohlen worden, Kretzschams zu bauen, und hat der Grünhainer Abt in diesem Walde bei dem Wasser, wo seine Herrschaft zu Ende war (das ist die Pöhla) einen Kretzscham bauen lassen. Alsdann hat der Abt zu Wolkenstein auf seiner Herrschaft auch einen bauen lassen. Diese neuen Kretzschams (Ratsgericht und Amtsgericht) sind die ersten Häuser in Königswalde gewesen, besonders meiner, welchen der Abt von Grünhain hat bauen lassen, und ist auch anfänglich von Rebentisch besessen worden, von welchem Geschlechte ich herstamme. Diesen ersten Rebentisch hat der Abt als einen „Kretzschmar“ tituliert, ihn auch mit Freiheiten versehen, als Fischerei, Schlachten, Backen, Bierbrauen, Schänken, Fuchs-, Hasen- und Federwildjagd, welches darum geschehen, wenn der Abt allhier jaget, so sollte ihn der Kretzschmar mit Futter und Mahl versehen. Als hernach etliche Häuser mehr aufkamen, hat ihn der Abt zum Richter verordnet. Nach und nach vergrößerte sich das Dorf. Als das Kloster Grünhain wüste geworden und die Mönche nach Böhmen abgewandert waren, hat Herzog Moritz vom Kaiser die Stifter bekommen, wie in meines Großvaters Lehnbrief beschrieben ist. Dieser Kurfürst hat meine Voreltern ebenso belehnt und begnadigt, wie sie es vom Kloster Grünhain besessen haben, und dies ist bis dato, von einem Kurfürsten zum anderen, so geschehen.“

Kretscham-Rothensehma ist eine kleine Restflur, die kaum 20 Acker (1840) groß ist. Wie der Name sagt, ist der heutige Ort – eine Streusiedlung – aus einer Herberge, also aus einer Einzelhofsiedlung, entstanden. Noch im vorigen Jahrhundert heißt der Ort Kretzschmar-Rothensehma. Das Amtserbbuch bestimmt ihn kurz und bündig: „Der Kretzschmar uf der Roten Sehm ist im Holze gelegen„, d. h. mitten im Walde. Er diente wohl in erster Linie dem steigenden Verkehr zwischen den Bergorten diesseits und jenseits der Grenze.

Mildenau ist das größte Bauerndorf des oberen Erzgebirges (1925: 2016 ha). Hier soll eine alte Doppelsiedlung vorliegen: Mildenau-Reichenau. Der Flurname Reichenauer Weg, sowie die Erwähnung des Namens als Bezeichnung für das Oberdorf im ältesten Mildenauer Kirchenbuch lassen den Schluß leicht zu. Für das hohe Alter des Dorfes spricht außer der Größe der Flur noch die Tatsache, daß auch hier ein einige Flurstücke nicht hofanliegend waren, sondern anderen Höfen „folgten“. Später vermutete man hier untergegangene Güter und bezeichnete die Stücke als „Wüstes Erbe“, welcher Flurname auch in Grumbach, Walthersdorf, Elterlein und anderwärts wiederkehrt. Ein selbständiges Oberdorf als Bergbausiedlung, dessen Bewohner als Bergleute abgewandert seien, ist urkundlich nicht belegt. Die eindrucksvolle Größe, zugleich die eigenartige strenge Scheidung nach Besitzverhältnissen geht aus dem Mannschaftsverzeichnis im Erbbuch 1591 hervor. Es gibt da in Mildenau: ein Lehnrichtergut, einen Lehnhof mit Brau- und Schankrecht, 11 ganze Erbe, 12 Dreiviertelerbe, 23 halbe Erbe, 4 einpferdige Erbe oder Höckner (ein Viertelerbe), vier Wiedenerbe (dem Pfarrer zinsbar), 8 Erbgärtner oder Handfröhner, drei Wiedengärtner, 35 Häusler, = 107 „besessene Mann“. Das Dorf ist also beträchtlich gewachsen, denn 1572 waren es nur 88 besessene Mann, es gab nur 12 Häusler, außerdem fehlen die drei Wiedengärtner. Bemerkenswert ist der Charakter als Sippennest. Die Bauern mit Namen Mei, Nestler, Langer, Fiedler bilden einen beträchtlichen Teil der Einwohnerschaft.

Mildenau

Nach der ersten Urkunde ist „Richinow“ und „Mildenow“ im Jahre 1270 vom Landgrafen Albrecht von Thüringen dem Kloster Buch geschenkt worden. Eine andere Urkunde stammt aus dem Jahre 1386. In diesem Jahre verlieh Markgraf Wilhelm I. von Meißen der Frau Mathilde, der Gemahlin des Edlen Anarg von Waldenburg, Herren zu Wolkenstein, als Leibgedinge das Schloß Scharfenstein mit verschiedenen Dörfern, darunter Mildenau, Jöhstadt und Grumbach.

Das älteste Ortssiegel der Gemeinde Mildenau stammt aus dem Jahre 1670 und führt den Namen Müldenau, einen Tscherper im Schild, der außerdem noch eine Furche oder eine Ader trägt. In diese Zeit fällt zweifellos eine Blütezeit des Bergbaues in Mildenau, so daß man dieses Siegel mit dem Bergbau in Verbindung bringen kann. Das heutige Siegel wurde einem früheren aus dem Jahre 1797 nachgebildet und zeigt wie dieses das Bild der „Justitia“.

Neudorf. Die Flur ist 1842 1118 Acker groß. Hier heißt es im alten Amtserbbuch von 1559: „Diese Dorf ist in Mannes Gedenken von neuem erbauwet …. wodurch die zugehörigen Felder und Gehölze geschmelert und verringert“. Das alte Dorf soll Krax-, Krachs-, auch Kraftsdorf geheißen haben. Der Name Kraftsdorf erscheint in Thüringen, Kraftsbach und -hof in Mittelfranken, Kraftsried in Schwaben, Krachenhausen in der Oberpfalz. Der Zusammenhang der ersten Siedler mit einer oberdeutschen Landschaft wird so ersichtlich. 1559 hat der Ort 60, 1592 62 besessene Mann, darunter 44 Bauern, die übrigen sind Häusler. Da die Hufen zwar breiter sind als in anderen Dörfern, aber sehr kurz und klein, ist anzunehmen, daß die Bauern frühzeitig im nahen Wald gearbeitet haben, also vornehmlich Waldleute waren. 1841 geht nur ein Gut über die fränkische Normalhufengröße von 43,2 Acker hinaus, die meisten sind 1/2 – 1/3 davon. 1776 hat der Ort 24 halbe, 42 Viertelerbe, 15 Gärtner, 26 Mundhäuser. Es haben demnach zahlreiche Teilungen stattgefunden.

Das von den Hussiten zerstörte Kraxdorf – nach dem Bergrücken zwischen Mittelneudorf und Kretscham-Rothensehma, dem Kraxberg, genannt – soll der Überlieferung nach um 1200 an der alten Straße Crottendorf–Neudorf–Hammerunterwiesenthal–Böhmen von Holzflößern und Köhlern erbaut worden sein. Überreste von Kellern, rußgeschwärzte Steine, auch alte Schlüssel sind aufgefunden worden. Neudorf selbst entstand um 1500 für das um 1427 zerstörte Kraxdorf. Wahrscheinlich wurde es von Kretscham-Rothensehma aus besiedelt. Dort habe der Köhler Schmidt, der Erretter des Prinzen Albert, als Dank des Kurfürsten Friedrich des Sanftmütigen einen Kretscham errichten und freies Holz zum Kohlenbrennen schlagen dürfen. Herbeiziehende Flößer, Köhler und Holzhauer erweiterten die Siedlung, die nach der Anlage von Gütern ein Dorf wurde.

Neundorf ist ein Waldhufendorf mit einer Gutsflur, die allein 235 von der 1241 Acker großen Flur einnimmt. Ähnlich wie Königswalde bestand es aus zwei rechtlich getrennten Teilen, der Ritterguts- und der Amtsseite, die bis 1840 der Ortsbach voneinander schied. Die Amtsseite hatte 1591 9 Bauern und 8 Gärtner. Unter den Bauern besaßen 3 ein ganzes, 5 ein halbes, einer ein Viertelerbe. Obwohl der Ort mit besonderen Rechten nicht ausgestattet gewesen sein soll, hat er aber zeitweise ein Bergamt besessen.

Über die Gründung des Ortes und die Bedeutung seines Namens ist urkundlich nichts bekannt. Es ist sehr wahrscheinlich, daß man den Ort im Gegensatz zum älteren Nachbarort Wiesa „Neues Dorf“ nannte. Die erste Urkunde aus dem Jahre 1509 ist ein Protokoll über den Einspruch der Gemeinde Neundorf-Amtsseite gegen den damaligen Rittergutsbesitzer Stange wegen Verletzung des Jagdrechtes.

Oberscheibe. Im Gegensatz zum hochgelegenen Scheibenberg ist das Dorf, von dem aus die Gründung Scheibenbergs lebhaften Anstoß erhielt, tief in die Talaue eingebettet. Die schmalen Hufen ziehen sich mühsam, aber durchaus klar über die Höhen hinweg, namentlich auf der südlichen Hälfte nach Crottendorf hinauf. 1559 sind in diesem Dorfe 31 Mann, 1592 nur 26, darunter 14 Bauern, so daß 5 Mann abgewandert sein müssen. Wie unsere Dörfer sich in Jahrhunderten kaum veränderten, geht daraus hervor, daß 1840 nur 34 Häuser, mit den Gütern der Bauern, den Ort bildeten. Das benachbarte Unterscheibe hatte 1548 37 „besessene Mann“, darunter 23 Bauern.

Ober– und Niederschmiedeberg gehören zu den kleinsten Siedlungen des Kreises (1925: 70 und 32 ha). Beide Orte sind keine bäuerlichen Gründungen der frühen Kolonisation, aber im 16. Jahrhundert haben beide schon bestanden, zumal der „oberhammer Schmiedeberg unter Steinbach“, wie es im Amtsbuch heißt. Auch in einer Urkunde aus dem Jahre 1525 ist das Hammerwerk samt einer Schneidemühle mit Ober- und Untergraben erwähnt. Der späte Bergbau mit seinem Bedarf an Pochwerken, Schmelzen und Hammerwerken hat zur Anlage der Orte geführt, wo die Betriebskraft – das Wasser – am nächsten war. Zur nötigsten Ausstattung gehörte ein Stück Land, und so bildet der Hammer mit einem Lehngut den Keim der durch späteren Ausbau wachsenden Streusiedlung. So hat Oberschmiedeberg 1550 einen „besessenen Mann“ mit 1 Lehen und 1591 noch nicht mehr.

Ob das Lehngut oder das Hammerwerk der ursprüngliche Kern der kleinen Siedlung war, läßt sich nicht feststellen. In der obenerwähnten Urkunde von 1525 wird über den Besitzumfang des Gutes und besondere Gutsrechte berichtet, außerdem wird Hipolit Siegert als damaliger Besitzer genannt.

Das benachbarte Niederschmiedeberg war früher ein Blechhammer und hieß Niederschmiedewerk. Über die Gründung ist nichts bekannt; jedoch besteht kein Zweifel, daß dieser Ort eine Restsiedlung ist.

Schmalzgrube. Genau so steht es mit Schmalzgrube. Der erste Teil des Namens hängt mit „schmelzen“ zusammen. Man findet auch ein Schmalzgrube in Niederbayern, eine Schmalzmühle in Franken usw. Der kleine Ort (1925: 80 ha) mit seinem ehedem so prächtigen Hammerwerk verdankt seinen Ursprung dem späteren Bergbau.

Schönfeld. Von der 1217 Acker großen Flur (1925: 943 ha) gehören allein 300 Acker zu dem einstigen Rittergut. Die Waldhufen sind so nicht immer klar erkenntlich, sind aber bei dieser Siedlung der Hochkolonisten vorhanden. Ebenso zeigt das Dorf eindeutig den Charakter als Reihendorf. Die Siedlerzahl betrug bei diesem Dorf, das am Ausgang des 14. Jahrhunderts erstmalig erwähnt wird, 24 Bauern – außer dem Rittergut.

Der Ort wird erstmalig 1381 genannt, da ein gewisser Ritter Heiderich mit dem Rate zu Geyer wegen eines Stückes Wald verhandelte, und deshalb auf sein Rittergut Schönfeld 40 Schock Groschen lieh.

Sehma. Der Name des Ortes ist noch nicht hinreichend untersucht. Endgültiges über seine Herkunft und Bedeutung kann daher nicht gesagt werden. Aus der Größe der Flur, aus ihrer Anlage und der Gestalt des Ortes geht aber einwandfrei der deutsche Ursprung hervor (1842: 1450 Acker, 1925: 800 ha). Die Gemeinde hat allein 245 Acker im Besitz, ein Bauer 101 Acker. 1548 waren in Sehma ansässig 38 Mann, darunter 9 Gärtner, 1593 ein Gärtner mehr. Einige Hufen sind nicht hofanliegend.

Sehma: ältestes Haus.

Ein bestimmtes Gründungsjahr ist nicht bekannt. Es ist aber anzunehmen, daß Sehma etwa 1150 gegründet worden ist. Die erste Urkunde stammt aus dem Jahre 1367, als Kaiser Karl IV. als böhmischer König die ganze Herrschaft Schlettau von böhmischen Einfuhrzöllen befreite. Die Herrschaft Schlettau hatte nämlich damals unter der drückenden Last von Steuern und Abgaben schwer zu leiden. Da war Bernhard von Schönburg, der damalige Besitzer der Herrschaft Schlettau, an den böhmischen König herangetreten mit der Bitte um Zoll- und Steuerermäßigung.

Das alte Gemeindewappen stellt zwei gekreuzte Sensenklingen dar, die später oft auch als Pflugschar und Hohlpflugschar gedeutet wurden. Das Wappen ist alt und muß schon 1719 in Gebrauch gewesen sein, wie auf alten Gemeindesiegeln zu lesen ist. Es deutet auf die früher rein landwirtschaftliche Bevölkerung von Sehma hin.

Schwarzbach. 1548 hat dieser Ort 30 „besessene Mann“, nämlich 25 Bauern und 5 Gärtner, 1593 sind es 40 Mann; einige Häusler, vermutlich Bergleute, Wald- und Hammerleute, haben sich niedergelassen. 1841 lassen sich aber nur 23 Bauern feststellen. Es ist also zu vermuten, daß Güter eingegangen und der Gemeinde zugefallen sind. Die Tatsache, daß die Gemeinde von der 1182 Acker (1925: 583 ha) großen Flur 86 Acker besitzt, darunter 3 regelrechte Hufenstreifen zu 24, 18 und 13 Ackern, läßt die Annahme zu, daß hier die Flurstücke der eingegangenen Güter vorliegen.

Steinbach. Der Name des Ortes kommt im Erzgebirge noch mehrfach vor. Der Ort gehört mit 635 Ackern (1925: 310 ha) zu den kleineren Siedlungen, wovon die Gemeinde selbst 90 Acker, ein weiteres Einzelgut fast 130 Acker besitzt. 1591 sind unter den 33 „besessenen Mann“ 22 Gärtner und Häusler, also nur 11 Bauern. Die Waldhufen der Flur sind sehr klar, wenn auch mühsam, dem steilen Gelände angepaßt. Auch Steinbach ist, wie so viele erzgebirgische Orte, ein Sippennest. Unter den 13 namentlich erwähnten Einwohnern von 1591 heißen allein 5 Siegert, 3 Lorenz usw.

Der Name Steinbach erscheint bereits in einem Verkehrsverbot der Krone Böhmens im Jahre 1401: „straß gen Meißen, die da geht vor die stat Comotaw gen Grimaw, von Grimaw vor Reiczenstein oder vor den Steinbach gen Wolkenstein“.

Über die Gründung selbst wird urkundlich nichts erwähnt. Nach einer alten Nachricht soll der jetzt in der Kirche aufbewahrte Altarschrein auf der Rückseite das Bildnis des Königs Hugo mit der Jahreszahl 1382 getragen haben. Das würde bedeuten, daß der einst hier errichteten St. Thomaskapelle im Jahre 1382 dieser Altarschrein von dem böhmischen Lehnsträger Hugo geschenkt worden ist. Demnach könnte man die Gründung des Ortes an das Ende des 14. Jahrhunderts verlegen.

Tannenberg. Die ganze Flur des Ortes umfaßt 1842 1382 Acker (1925: 553 ha), wovon die Hälfte aus Wald besteht. Das Rittergut besitzt 438 Acker; so bleibt für die bäuerliche Siedlung eine Flur von 900 Ackern für 24 Bauern. Das Dorf gehörte einst zur Herrschaft Belberg, wenigstens zur Hälfte. Der vorhandene alte Turm diente einst dem gleichen Zweck wie die kleine Wasserburg in Schlettau oder das verschwundene „feste Haus“ in Crottendorf. Große strategische Bedeutung kam diesem Posten nicht zu. Innerhalb der Flur finden sich verschiedene Einzelhöfe.

1411 wird Tannenberg zum ersten Male urkundlich erwähnt. Heinrich I., Burggraf zu Meißen, Graf zu Hartenstein, verpfändete am 7. März 1411 die Herrschaft Belberg an die Wettinischen Pfalzgrafen Friedrich und Wilhelm. In dieser Urkunde heißt es: „Wir bekennen, daß wir den hochgeborn fürsten, herrn friderische und wilhelm gebrüdern unsere dorffere hirnach geschreben Rugkerswalde, fronawe, Girstoff, das dorffichen und Tannenberg halb und den Belberg zcu pfande gesaczt und eingetan haben vor Neuenhundert gute alde Rynische Gulden …“

Aus dieser Urkunde geht hervor, daß einst Tannenberg zur Hälfte zur Herrschaft Belberg und zur anderen Hälfte zur Herrschaft Wolkenstein lehnspflichtig gehörte. Dieser linke Teil war das eigentliche Tannenberg mit der Burg. Aus dieser Zeit steht heute noch ein von Sagen umgebener Turm, der zur Überwachung der von Böhmen kommenden Handelsstraße diente. In einer alten Zeitschrift vom Jahre 1830 heißt es: „Das hohe Alter dieser Veste beweist ihre zur Vertheidigung höchst ungünstige Lage, da sie am Fuße eines Berges erbaut ist, also mit Geschütz sehr leicht zu erobern sein würde.“

Walthersdorf. Es ist eines der Dörfer der Schlettauer Pflege. 1841 umfaßt es 1219 Acker (1925: 600 ha). Ein Viertel der Flur ist mit Wald bedeckt. Die Hufen sind dem Gelände entsprechend nach Scheibenberg zu kurz und breit, nach Sehma zu lang und schmal. 1593 wohnen hier 24 „besessene Mann“, d. h. Bauern. Gärtner sind nicht erwähnt. Das Erbgericht ist erst im 16. Jahrhundert als solches bestätigt worden.

Wiesa ist wiederum eine der Großfluren des Gebirges mit 2207 Ackern (1925: 1219 ha). Auch hier gehört dem Rittergut ein Viertel der Flur. Die 33 Bauern von 1841 verfügen ebenfalls über beträchtliche Hufengrößen. Der Gemeindebesitz umfaßt nur 8 Acker, also ist die Allmende, der gemeinsame Besitz an Holz und Weide frühzeitig schon in den Einzelbesitz übergegangen. Berücksichtigt man das, so kommt man auch hier bei der Hufengröße auf die fränkische Hufe von 43 Ackern. Die Waldhufen sind allerdings infolge des außerordentlich unebenen Geländes recht mühsam und oft unklar angelegt. Außerdem finden sich nach Annaberg zu Einzelgüter in der Flur. Auf dem Rittergutsgelände entstand um die alte Heilquelle herum Wiesenbad, das heute zur Industrie-Streusiedlung ausgewachsen ist. Urkundlich wird es erstmalig 1381 erwähnt.

Wiesenbad. Weit über die Grenzen unseres Erzgebirges hinaus bekannt ist das nach Wiesa eingemeindete Wiesenbad. Es verdankt seine Entstehung ausschließlich dem Auffinden der Heilquelle. Die Gründung des Bades erfolgte im Jahre 1501. Von der Auffindung der Quelle schreibt Friedrich Garmann, Land- und Stadtphysikus in Chemnitz im Jahre 1673: „Nach dem anfänglich ein armer, siecher Mensch ohngefahr zu diesem Qvellen gekommen, hat er seine ungesunden ulkerirte Schenckel damit gewaschen und sonder Zweifel auch des Qvells getruncken, in Hoffnung, er wolte allda Linderung und geringe Kühlung seiner schmertzhafften Schenckel erlangen, als er aber befunden, daß ihm dieser Qvell nicht allein zur Linderung, sondern auch vielmehr zur Besserung und gäntzlichen Abwendung seiner Beschwerung dienstlich und behülfflich seyn möchte, hält er an, biß er seine vollständige Gesundheit hierdurch erlanget. Dieser arme Mensch hat nachmals die Nutzbarkeit dieses Qvells bei andern dergleichen preßhaften Personen ausgebreitet, welche sich denn häuffig dabey eingefunden und verlangte Hülffe gesucht. Dieses veranlaste den damaligen Besitzer Johann Friedrichen, Bürgern von Geier den Ältern, daß er im Jahre 1501 den Qvellen in eine Vierung fassen, und dabey ein Badhauß verfertigen ließ. Zu diesem wurde von dem Qvell ein Röhrwerck geführet, da muste das Wasser durch einen eisernen Sergent, so in einem angeheizten Ofen stund, laufen und also wärmer zum Bade bereitet werden, welches auch noch anietzo auff dergleichen Art geleitet wird.“

In früherer Zeit wurde der Ort wegen seiner „Schönheit und Lustigkeit“ Rosenau genannt. Später trug er den Namen St. Hiobsbad, nach St. Hiob, dem Helfer der Kranken und Schwachen, dem dieses Bad geweiht war, und dem auf Veranlassung des Herzogs Georg von Sachsen eine Kapelle errichtet und im Jahre 1505 geweiht wurde. Endlich liest man, vom Jahre 1602 ab, auch den Namen Sophienbad, nach der verw. Kurfürstin Sophie genannt, die in dieser Zeit das Bad besuchte und mit „schönen Gebäuden zierte“.

Obwohl Wiesenbad politisch schon immer zu Wiesa gehörte, besitzt es doch Marktrecht schon seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, da Graf Mellwitz Besitzer des Bades gewesen ist. In einer Schrift von 1784 heißt es: „es werden auch nunmehro, auf erlangte Höchste Konzession, jährlich zwey Jahrmärkte, und zwar der erste den Tag nach Johannes, der andere aber, nebst einen Flachsmarkt, den Tag nach Martini gehalten, welche Märkte, da sämmtliche hieher gebrachten Waaren sechs Jahr lang Gleits- Land- und General-Accisfrey passiren, von denen Innwohnern derer vielen umliegenden Städte und Dorfschaften stark besucht werden.“ Bis heute ist aber nur der Markt nach Johannes erhalten geblieben.

Quelle: Vom silbernen Erzgebirge. Kreis Annaberg. Band I, Schwarzenberg 1938, S. 13 – 44.