Schöne Wanderwege im Erzgebirge

Von Gerhard Pfau

Schon immer war unser schönes Erzgebirge Wandergebiet für die einheimische Bevölkerung und die erholungsuchenden Fremden. Damit sich nun alle auf Weg und Steg zurechtfanden, hat der damalige Erzgebirgsverein eine Wegemarkierung angebracht, die vorbildlich war. Durch die vergangenen Kriegs- und Nachkriegsjahre ist diese aber zum größten Teil verschwunden. Um nun unsere erzgebirgische Heimat wieder als Wandergebiet erstehen zu lassen, machte sich in den vergangenen Jahren eine Überholung dieser Wegemarkierung bzw. eine neue Beschriftung sowie ein Anbringen von Wegetafeln und Wegweisern notwendig. Dabei wurden die alten Wegezeichen des Erzgebirgsvereins verwendet.

Durch unsere Kreisstadt läuft von Süden, über den Fichtelberg kommend, der Höhenweg I. Nachdem er Annaberg und den Pöhlberg berührt hat, wendet er sich über den Bärenstein nach Jöhstadt und Schmalzgrube und steigt hinauf in den Marienberger Nachbarkreis, zum Hirtstein. Er ist mit einem blauen, liegenden Kreuz im weißen Quadrat gekennzeichnet. Auch der Höhenweg II (rotes liegendes Kreuz) berührt unseren Kreis im Norden ein kurzes Stück zwischen Schatzenstein und Geyer. Dazwischen liegen eine größere Anzahl gut markierter Wege. Ihre Kennzeichnung ist aus den Wegetafeln, die in allen größeren Orten bzw. an den meistbesuchten Stellen angebracht sind, genau zu ersehen. Auf den Tafeln sind gleichzeitig die Entfernungen mit angegeben.

Der Fremde, der in Annaberg am Bahnhof aussteigt, findet am Aufgang zur Stadt am Bahnhofsvorplatz eine Tafel, die ihn auf die lohnendsten Wanderziele hinweist. Er wird jedenfalls zunächst zum Markt heraufsteigen. Hier ist am Hause der Lederhandlung Rechenberger eine weitere Tafel angebracht worden. Auch die Schmalseite des Verkehrshäuschens gegenüber der HO-Gaststätte „Hotel Wilder Mann“ zeigt in kartenmäßiger Form die nähere Umgebung von Annaberg. Nachdem sich der Fremde in der Stadt umgesehen hat, wird er vielleicht erst einmal einen Ausflug nach dem Pöhlberg wählen, einem Wahrzeichen der erzgebirgischen Landschaft. Der Höhenweg I führt ihn bei einer Steigung von zirka 250 m bequem hinauf. Beim Steinbruch und an der Sprungschanze angekommen, empfiehlt sich, diese Wanderung auf dem Pöhlbergrundgang fortzusetzen. Kein anderer Berg des Erzgebirges kann einen solchen Rundgang aufweisen. Dicht unterhalb der Kuppe führt er um den Berg und bietet eine ununterbrochene Reihe herrlicher Ausblicke. Zunächst schauen wir zurück auf die Stadt. Über dem Stadtteil Buchholz erhebt sich der Scheibenberg, und im Hintergrund begrenzen der Spiegelwald,. die Morgenleite, der Auersberg und der Kuhberg das Bild. Im Süden erscheinen die höchsten Gebiete unseres Gebirges mit ihren riesigen Wäldern, Fichtelberg, Keilberg und etwas näher der Bärenstein. Im Weiterwandern kommen wir dann bald zu einer Orientierungstafel mit eingezeichneter Kammlinie und Bezeichnung von Bergen und Ortschaften. Im Pöhlatal liegt Königswalde, und darüber ziehen sich meilenweite Wälder hin von Hirtstein zum Haßberg und Spitzberg. Nachdem wir ein Stück im Wald gewandert sind und die Nordostseite des Rundgangs erreicht haben, ist das Bild wieder ganz anders geworden. Über Geyersdorf blicken wir ins Pöhla- und Zschopautal, auf das hoch oben liegende Wolkenstein, das langgestreckte Großrückerswalde und wieder auf unendliche Wälder. Ganz im Norden aber erscheint machtvoll die Augustusburg, links die Höhen am Kalten Muff. und die Greifensteine schließen das Rundbild harmonisch ab. Nun steigen wir auf steilem Fußweg vollends hinauf zum Gipfel und erreichen bald das Unterkunftshaus, wo wir uns von den Anstrengungen des Aufstiegs erholen können. Dann aber geht es hinauf auf den Turm, um das herrliche Rundbild, das wir auf dem Rundgang in Einzelheiten kennen gelernt haben, nochmals mit einem Blick zu erfassen. Es gibt wenige Punkte im Erzgebirge, von denen aus die Aussicht so reizvoll und malerisch ist wie vom Pöhlberg. Nun wieder zurück in die Stadt. Vom Markt, links vom Rathaus, durch eine kleine Gasse abwärts, gelangen wir bald zu der Stelle, wo einst das „Mühltor“ die Stadtmauer durchbrach, und haben einen schönen Blick auf die Ruine des Klosters. Geradeaus weiter und dann links am Schlachthof vorbei kommen wir bald ins Sehmatal und erreichen den „Frohnauer Hammer“, der eines der wertvollsten Kulturdenkmäler unserer Heimat ist. Es ist das einzige noch in seiner ursprünglichen Gestalt erhaltene Hammerwerk und wurde 1397 zum ersten Male urkundlich erwähnt. Im Garten beim Hammer kam 1495 die Kommission zusammen, die über den Bau der neuen Stadt „St. Annaberg“ beraten sollte Seit 1895 ruht hier die Arbeit. Die Schmiede ist genau so wie damals ein gerichtet und als Museum erhalten. Auf der anderen Seite erhebt sich das dazu gehörige Herrenhaus, ein erzgebirgischer Fachwerkbau Heute beherbergt es die Hammerschänke. Sein Inneres wurde sorgfältig auf die Gesamtwirkung abgestimmt und zeigt wertvolle Schnitzereien und Geräte. So ist der „Frohnauer Hammer“ ein Denkmal erzgebirgischen Volkstums und erzgebirgischer Kultur geworden, an dem kein Besucher vorübergehen darf.

Quelle: Kultur und Heimat 1. Jahrgang, Annaberg-Buchholz, Oktober 1954, S. 10 f.