Der „Käthel“-Stein

Hermann Lange

Sowohl die Oberreitsche wie auch die spätere sächsische Generalstabskarte zeigen zwischen dem Schreckenberggipfel und dem „Markus-Röhling“ für eine kleine bewaldete Kuppe die durch die Schraffen nicht gut lesbare Bezeichnung „Röthelstein“. In Annaberger Akten aus sehr alter Zeit finden wir die Familiennamen Rotel, Rötel, Rödel, Rüdel, die später in Riedel übergehen. Daher ist es möglich, daß der Name eines ehemaligen Grundstücks- oder Bergwerksbesitzer vorliegt. Das könnte aus Frohnauer Lehnbüchern nachgewiesen werden, wenn sie noch vorhanden wären. Möglich ist aber auch der Vorgang, daß bei der Besiedlung der Name mitgebracht wurde. Es gibt im Gebirge auch einen Röthelstein östlich Falkenstein an der Rothen Göltzsch.

Vor zirka 100 Jahren kam es aber zu einer Verlesung und aus dem Röthelstein wurde ein Käthelstein. Auffällig ist die Tatsache, daß die Felsgruppe nicht Käthchen-, sondern Käthelstein im Volksmunde genannt wird.

Der Name gab Zienert die Gelegenheit, eine Dichtung an den Felsen zu knüpfen. Er sagt bereits in der 1. Auflage seiner Sagensammlung (1839 S. 100): „Die Sage findet nirgends eine Spur von geschichtlich wahrer Grundlage. Der Käthchenstein, auch Kädelstein gemeinhin genannt, ist ein minder bedeutender Felsen hinter dem Dorfe Frohnau bei Annaberg.“

Die Sage scheint überhaupt eine reine Erfindung Zienerts zu sein. Ihre unmögliche Ausschmückung trägt die Gespensterfarben recht dick auf und ist ein reines Produkt der Romantik. Deshalb soll die Geschichte hier nicht wiederholt werden. Daß ein einzelnes phantasiereiches Gemüt eine solche Erzählung anfertigen kann, zeigt in neuerer Zeit die Geschichte von der Marienwand, die ein Buchholzer im TAW 1923 veröffentlichte.

Quelle: Kultur und Heimat 3. Jg. Juni 1956, S. 63 f.