Organ des Erzgebirgsvereins

Mitteilungen aus den Zweigvereinen

Hohenstein, d. 6. Februar. Mittwoch Abend 8 Uhr wurde in dem reservierten Zimmer der Bahnhofsrestauration die diesjährige Generalversammlung abgehalten. Dieselbe war sehr schwach besucht, vielleicht infolge des argen Schneetreibens, welches diesen Abend herrschte. Der erste Punkt der Tagesordnung betraf die Rechnungsablage. Der Kassierer schloß mit einem Barvermögen von Mk. 899. 70. ab, welches in der hiesigen Sparkasse angelegt ist. Punkt 2 der Tagesordnung: Wahlen. Das Ergebnis war: Friedensrichter und Fabrikant C. Gruber, Vorsitzender, Lehrer A. Killge, Stellvertreter, Lehrer O. Sebastian, Kassierer, Lehrer K. Jähnig und Kaufmann H. Schönherr, Schriftführer. Ausschuß: Bankier C. A. Claus, Buchhändler E. Just, Stadtrat W. Zeißig, Apotheker Jacob, Pastor Zimmermann, Bürgermeister Dr. Ebeling. Die Poeschel'sche Arbeit „Kriegschronik“ wurde in 15 Exemplaren fest bestellt. Über einen weiteren Punkt der Tagesordnung, Aussichtspunkt betr., soll erst nach Fertigstellung desselben berichtet werden.

Marienberg, 19. Februar. Es ist recht erfreulich, beobachten zu können, daß unser Erzgebirge nicht blos im Sommerkleide, sondern auch im Winterkleide sich immer mehr Freunde unter den Touristen erwirbt. Hörte man doch früher schon häufig davon, daß im Riesengebirge auch im Winter Partien stattfänden, namentlich die Partien mit Hörnerschlittenrückfahrt, und ein verbreitetes Dresdner Blatt veröffentlichte kürzlich eine Anzahl empfehlenswerter Winterpartien in die sächsische Schweiz. Also ist es nur natürlich, daß man auch bei uns jetzt anfängt, dem Gebirge im Winter einen Besuch abzustatten, und sind die Bergpartien nicht immer mit lohnenden Fernsichten ausgestattet, nun so kann man sich den Thalpartien zuwenden. Gewiß dachten so einige Herren, welche dem wohlbekannten Touristenklub B. M. B. S. in Chemnitz angehören und sich nach vollbrachtem Tagewerk letzten Sonntag, 17. Februar, in Marienberg ausruhten und stärkten. Dieselben waren mit dem Frühzuge von Chemnitz nach Zöblitz gefahren und von dort im Pockauthal aufwärts bis zum Katzenstein gewandert, hatten sodann auf dem noch schwach kenntlich gewesenen Fußsteig den Katzenstein erklommen und in einer noch etwas schneefreien Ecke der Unterstandshütte ein mitgenommenes Frühstück sich vortrefflich schmecken lassen, wovon die zurückgebliebenen leeren Flaschen Zeugnis ablegen sollen. Von da wurde der Weg über Pobershau, Gebirge und Dörfel nach Marienberg genommen. Das nötige Gepäck, um die Fußbekleidung wechseln zu können, was sehr notwendig geworden war, hatte man direkt nach Marienberg auf den Bahnhof spediert. ¾9 war man, nachdem man eine kleine Stärkung zu sich genommen, vom Bahnhof Zöblitz abmarschiert, ¾12 Uhr war man auf dem Katzensteine gewesen und ½3 in Marienberg eingetroffen. Nach Pobershau hinab bewegte man sich zwar in der richtigen Richtung, aber jedenfalls querfeldein, weil alle Wege, auch die zwischen den Häusern, verweht waren, zwischen Pobershau und Marienberg ging man auf gebahnten Wegen mit festgetretenem Schnee, und hatte nur zuletzt durch etwas Schneewetter zu leiden, während der ganze übrige Weg, namentlich der im Pockauthal ohne jeden Wind und ohne Schneewetter zurückgelegt worden war. Der beschwerlichste Teil des ganzen Weges war das Stück zwischen Hintergrund und dem Fuße des Katzenstein gewesen, sogar beschwerlicher als der Aufstieg auf den Katzenstein selbst. Dort hatte man ohne jede Bahn fortwährend bis fast an den Leib im tiefen lockeren Schnee waten müssen und es hatte ausgesehen, als wenn sich die Teilnehmer ohne Beine auf dem Schnee fortbewegten. Die beteiligten Herren sprachen mit Enthusiasmus von den Eindrücken des felsigen Pockauthales zur Winterszeit, die sie gewonnen, insbesondere von dem großartigen Bild, das man von dem Katzenstein selbst genießen konnte, und bedauerten, daß sie die Bilder nicht photographisch hätten aufnehmen können; auch seien die von den Felsen herabrinnenden kleinen Wasserläufe zu großen Eismassen zusammengefroren gewesen und haben dadurch einen interessanten Anblick geboten. Zweifellos waren die Herren von ihrer Partie hoch befriedigt und empfehlen dieselbe Anderen zur Nachahmung.

Sayda. In der Leitung des hiesigen Erzgebirgszweigvereins ist eine Veränderung insofern eingetreten, als an Stelle des Herrn Pastor Elster der Bürgermeister Herr Hermann Uhlich als Vorsitzender gewählt worden ist. Der Gesamtvorstand besteht daher nunmehr aus folgenden Herren: Bürgermeister Hermann Uhlich, Vorsitzender, Pastor Armin Elster, Stellvertreter, Stadtkassierer Robert Kuhn, Kassierer, Ratskontroleur Paul Eckardt, Schriftführer. — Zum Bau des Unterkunftshauses auf dem Fichtelberge ist aus Vereinsmitteln ein Betrag von 30 Mark verwilligt worden.

Schneeberg, 22. Februar. Der Erzgebirgs-Zweigverein Schneeberg-Neustädtel veranstaltete im vorigen Jahre 12 Versammlungen, die, wenn sie auch nicht besonders stark besucht waren, doch des Anregenden mancherlei boten. In der Versammlung vom 11. Dezember v. J., dem 200jährigen Todestage des Historikers des Erzgebirges, M. Christian Lehmann, sprach Herr Seminaroberlehrer Dr. Köhler über das Leben und Wirken Lehmanns und trug aus dem „historischen Schauplatz“ von Lehmann einige höchst interessante Beobachtungen dieses alten Historiographen vor. — Die Thätigkeit des Vereins erstreckte sich auf Herstellung von Wegebezeichnungen nach der Unterstandshütte und dem Aussichtsturme auf dem Gleesberge, nach Auerhammer und dem „Gemauerten Stein“ bei Auerhammer, sowie auf die Ergänzung und Wiederherstellung von Ruhebänken. Durch den vom Vereine bestellten Wächter wurden die Anlagen des Vereins in bester Ordnung gehalten. Der Gleesberg erfreute sich im vorigen Sommer eines recht zahlreichen Besuches; von Einfluß hierauf war, daß im vergangenen Sommer wieder Gelegenheit geboten war, auf dem Berge eine Erfrischung zu erhalten. Das vom Vereine neubeschaffte Fremdenbuch war unter der Aufsicht des Restaurateurs Falk in der Unterstandshütte des Gleesberges ausgelegt worden. Der Verein selbst hielt auf dem Gleesberge ein ziemlich gut besuchtes Konzert ab. In der in Glauchau stattgehabten Hauptversammlung des Erzgebirgsvereins war der Verein durch seinen Schriftführer vertreten. Die Einnahme des Vereins betrug rund 624 M. und die Ausgabe 404 M., sodaß 220 M. verblieben. Für dieses Jahr besteht der Vorstand wieder aus den Herren Oberlehrer Claus (Vorsitzender), Kaufmann R. Müller (Kassierer) und Gasinspektor Eckler (Schriftführer). Der Aussichtsturm auf dem Gleesberge soll im Frühling genau besichtigt und, wenn nötig, gründlich erneuert werden. Obgleich der Erzgebirgsverein ein Vergnügungsverein nicht ist und nicht sein kann, will er doch heuer wieder ein größeres Gartenkonzert mit Feuerwerk veranstalten. Die monatlichen Zusammenkünfte sollen im Sommer möglichst auf dem Gleesberge oder in einem öffentlichen Garten abgehalten werden. Der Vorstand des Vereins, Herr Oberlehrer Claus, hat es übernommen, eine Karte mit einer Touristentafel für die Umgebung von Schneeberg (bis etwa 3 Stunden Entfernung) zu entwerfen. Der Ankauf des Süßmilchschen Werkes über das Erzgebirge und der Lehmannschen Kriegschronik, von der ein Teil erscheinen soll, wurde vom Verein beschlossen.

Zöblitz. Nachdem wir dem Ziele unseres Vereins im Jahre 1887 durch Erschließung des Vogeltoffelfelsens und seiner Umgebung um ein beträchtliches Stück näher gerückt waren, mußten wir im verflossenen Vereinsjahr aus mehrfachen Gründen auf umfangreichere Einrichtungen verzichten. Einerseits waren noch manche ältere Schulden auszugleichen, andererseits vermochte der nasse und zuletzt sehr kalte Sommer uns nicht dazu aufzufordern die vorgenommenen Arbeiten im Freien zur Ausführung zu bringen. Dennoch konnten im Frühjahr 1888 an Neubauten, — ein großer Teil hiesigen Marktplatzes gesäubert, neu eingerichtet, mit Steckelzaun umgeben, bepflanzt und besäet werden. Zu diesem Zweck gewährte uns der Stadtgemeinderat eine Unterstützung von 40 M. Wir besitzen nunmehr an Aussichtspunkten vier bequem zugängliche und eingerichtete Plätze: die Annahöhe, die Brandwand, den Vogeltoffelfelsen und die uns vom Kuratorium der Clausnitzerschen Stiftung zur Benutzung aufgelassene Stiftskanzel. Alle vier Punkte sind mit Flaggenstangen versehen. Von zwei Flaggen, welche von Herrn Kaufmann Storz und Herrn Fabrikant Finsinger dem Vereine geschenkt wurden, ist die eine wahrscheinlich von böswilliger Hand vernichtet worden. Ruhebänke laden den müden oder den sinnenden Wanderer 18 ein. Zwei hölzerne auf der Annahöhe, zwei desgleichen auf der Brandwand, sieben desgleichen auf dem Burgberge, drei eiserne auf und um den Vogeltoffelfelsen, zwei uns zwar nicht zugehörige, jedoch zur Benutzung offen stehende Bänke auf der Stiftskanzel und zwei erst im letzten Vereinsjahr angeschaffte Bänke auf dem Marktplatze. An Wegweisern erleichtern 80 Stück im Umkreis der Stadt Einheimischen wie Fremden den Besuch der schönsten Punkte und Wege. Der Fremdenverkehr gestaltete sich Anfangs des Sommers nicht ungünstig. Ihren bleibenden Aufenthalt nahmen während der Ferienzeit hier ungefähr 12 Familien nebst vielen einzelnen zum Teil distinguierten Persönlichkeiten, z. B. einer unserer sächsischen Herren Generäle. Leider mußten die Meisten des trostlosen Wetters wegen uns früher als gewünscht verlassen. Die Anzahl der Passanten darf auf mindestens 1000 Personen geschätzt werden, wozu weder die Gäste des Gesangs- und Turnfestes, noch der durch Sonntags- und Sonderzüge uns zugeführte Fremdenbesuch gerechnet sind. Für Einladungen der Sommergäste durch die Zeitungen wurden vom Verein ausgegeben 17 M. 50 Pf.  Betreffs des Fremdenbesuches bleibt eine einheitliche Taxe für Wohnung und Beköstigung höchst wünschenswert und soll mit solcher Aufstellung demnächst vorgegangen werden. Gemeinschaftliche Wanderungen und Feste, wie sie uns von 1887 her noch in freundlichem Andenken stehen, wurden 1888 zwar festgesetzt oder in Aussicht gestellt, konnten jedoch hauptsächlich des schlechten Wetters wegen nicht zur Ausführung kommen. Versammlungen fanden im Vereinsjahre bis heute 6 Mal statt. Der Mitgliederstand belief sich im Anfang des Vereinsjahres auf 45 Personen. An „Neuen Plänen“ hofft der Verein, mit Genehmigung der betreffenden Königlichen und städtischen Verwaltungen, im Laufe des Jahres 1889 zur Ausführung bringen zu können. Erstens das weitere Ordnen und Bepflanzung des Marktplatzes, zweitens ein System Wegweiser von Zöblitz nach Bahnhof Pockau und umgekehrt, durch das Hüttenfeld und über den Hohensteinfelsen, drittens Wegweiser zum alten Raubschloß und Erschließung desselben.

Zwönitz. Der hiesige Zweigverein hielt am 11. Dezember d. J. zum ehrenden Gedächtnis M. Christian Lehmanns eine Versammlung ab, in welcher Herr Diakonus Löscher den Festvortrag übernommen hatte. Der Vortragende gab zunächst einen Lebensabriß unsers erzgebirgischen Historikers, berichtete sodann über sein Familienleben und den religiös-sittlichen Ernst, mit dem sich Lehmann der Erziehung seiner Söhne widmete, um hierauf eingehend bei dem „Historischen Schauplatze“ zu verweilen. Der Hinweis auf die zur Zeit nur im Manuskripte vorhandene „Kriegschronik der Deutschen“ gab dem Herrn Vortragenden Veranlassung, in einzelnen Zügen die Schrecknisse des 30jährigen Krieges, soweit dieselben Zwönitz berührten, zu zeichnen. Der Vortrag schloß mit den Worten: „Es ist ein erhebend Gefühl, daß das Andenken des Mannes, der selbst zu bescheiden und zu uneigennützend war, seine reichen Aufzeichnungen in Druck zu geben, dadurch nicht untergegangen ist, sondern gerade in unsern Tagen zu neuen Ansehen gelangt. Der alte M. Lehmann würde es sicher nicht geglaubt haben, wenn ihm einer behauptet hätte, daß man seiner am 200jährigen Todestage aller Orten in seiner geliebten Heimat, ja sogar im Niederlande gedächte. So bewahrheitet sich auch an ihm das Wort der Schrift: „Das Gedächtnis des Gerechten bleibet im Segen!““

Quelle: Glückauf! Organ des Erzgebirgsvereins. 9. Jg. Nr. 2 v. Februar 1889, S. 12 - 14.