Organ des Erzgebirgsvereins

Urteil über den Erzgebirgsverein

In No. 226 des Dresdner Anzeigers (vom 8. August 1881) lesen wir folgendes: Aber auch des Erzgebirgsvereins ist dankend zu gedenken. — Wenn sich derselbe das Ziel gesetzt hat, nach Kräften dafür zu wirken, daß die vielen landschaftlichen Schönheiten des Erzgebirges immer mehr Würdigung und Anerkennung finden, so hat er seit seinem vierjährigen Bestehen schon Außerordentliches geleistet und ist zu einem wirklichen Wohlthäter für das Gebirge geworden. — Praktische Wegweiser, Aussichtsgerüste und Türme, Tourentafeln in den Gasthäusern, Auskunftsstellen und was dergleichen dem Touristen wertvolle Dinge sind, erleichtern ungemein das Wandern in jenen Thälern und weiten würzig duftenden Wäldern. — Jede Stadt wetteifert Zweigverein werden zu wollen und hochangesehene Männer wie schlichte Bürger lassens sich redlich angelegen sein, das Erzgebirge immer mehr zu erschließen. Der Lohn dieser vaterländischen Arbeit zeigt sich schon, denn überall hörte man von Zunahme des Fremdenverkehrs und freute sich darüber. — Mögen alle, die noch in dem Wahn befangen sind, nur in weiter Ferne des Südens oder Nordens echte Naturschönheit finden zu können, das Gute und Schöne, das so nahe liegt, ergreifen lernen, es wird dieselbe Befriedung, dieselbe Stärkung des Geistes und Körpers gewähren, und der leider noch oft sich zeigenden Unkenntnis im Gebiete des engeren Vaterlands ein Ende bereiten.

Ebenso schreibt uns ein Hauptvertreter eines unserer die gleichen Ziele mit uns verfolgenden Gebirgsvereines: Sie bringen ja allerliebste erzgebirgische Sachen in der neuesten Nummer des „Glückauf“, für dessen regelmäßige Zusendung ich Ihnen sehr dankbar bin. Die Seydel'sche Uebertragung von Schillers Glocke in erzgebirgischen Dialekt ist so recht für eine Volksbibliothek geeignet. Das frische Leben im Erzgebirgsvereine hat für uns Niederländer etwas recht Anheimelndes. Es ist aber eigentümlich, daß die Hauptstadt des Erzgebirges, Chemnitz, wo es an Wanderlust und an Liebe zu naturwissenschaftlichen Forschungen eigentlich nicht fehlt, sich noch so indifferent dem Gebirgsverein gegenüber zeigt.

Quelle: Glückauf! Organ des Erzgebirgsvereins. 1. Jg. Nr. 9 v. 15. September 1881, S. 87