Wandel

Nichts besteht! Und was der Menschen Hand erbaut
Riesenhaft, predigt Vergänglichkeit zuletzt,
Prüften der Schöpfung Gehalt erst Jahre,
Werkmeister Gottes!

Ehemals glänztest vom Fels du, Isenburg!
Stark und fest schienst du der Mär zu spotten, daß
Alles dem Grabe zueilt auf Erden,
Alles dem Tode!

Nichts besteht! Steinschutt und los Gerölle nur,
Thor nicht mehr, Turm nicht erblickt der Wandrer, der
Sich an die Stätte verirrt; hinsankt ihr,
Trotzige Mauern! –

Doch was thut´s Bröckle nur weiter morsch‘ Gebäu!
Nichts vergeht! Sinken ist kein Verschwinden ja:
Stürzt das Gefüge am Berg, im Thale
Wieder erhebt sich´s!

Nieder wallt drüben vom Abhang sanftbewegt
Glockenton, prediget Auferstehung uns:
Aus dem zerfallenen Gestein erwuchs ein
Tempel der Andacht!

Nichts besteht! Du auch wirst sinken in Staub,
Menschenkind! Aber was thut´s! Dem siechen Leib
Besseres Leben entkeimt, der Seele
Harrt die Vollendung!

Fritz Einsiedel.

*) Anmerkung: Die Kirche von Wildbach soll zum Teil aus Steinen von der Isenburg aufgeführt worden sein.

Quelle: Glückauf! Organ des Erzgebirgsvereins. 9. Jg. Nr. 4 v. April 1889, S. 31.