Das Lied vom Erzgebirge.

Weise: Gott sei mit dir, mein Sachsenland.
Macht uns die Sorge still und matt

Auf harter Lebensbahn,
Sind wir des Kohlendunstes satt,
Dann zieh’n wir flugs bergan:
Hinauf, wo reine Lüfte weh’n,
Im blauen Duft die fernen Gipfel steh’n,
Hinauf, hinauf ins Bergrevier!

O Greifenstein, o Morgenleit‘,
Ihr locket mit Gewalt!
O Auersberg im grünen Kleid,
Du hoher Spiegelwald,
Des Sonnenwirbels mächt’ger Thron:
Ihr gebt dem Steiger schönsten Lohn;
Seid uns gegrüßt vieltausendmal!

Aus dunklen Forsten, treu gepflegt,
Rinnt froh der reine Quell,
Der Kuckuck ruft, der Finke schlägt,
Die Amsel jubelt hell.
Wie beut dem Aug‘ ein lieblich Bild
Am steilen Hang das edle Wild,
Wie schön bist du, o Erzgebirg‘!

Mit Felsenboden mutig ringt,
Nicht achtend Sturm und Eis,
Bis er zur kargen Frucht ihn zwingt,
Des Erzgebirgers Fleiß.
Dein zahlreich Volk auf magern Land,
Wie rührt es froh und flink die Hand:
Glückauf, Glückauf, du wackerer Stamm!

Orangen wachsen dir nicht wild,
Auch Myrte schwer gedeiht,
Dafür belebet dein Gefild
Lust und Zufriedenheit.
Und wird auch rar dein glänzend Erz:
Du machst gesund ein jeglich Herz;
Behüt‘ dich Gott, du fröhlich Land!

 

T. S.

Quelle: Max Grohmann "Das Obererzgebirge und seine Städte in Sage und Geschichte". Annaberg 1903