Wiesenburg

Wie die Burg Hohenforst bei Kirchberg, so trägt auch dieses alte Schloß, dessen Ruinen wir noch heute antreffen, einen deutschen Namen. Irrtümlicherweise leitet man denselben daher ab, daß es in einem weiten schönen Wiesengrunde liege. Diese Erklärung ist ganz richtig für das in der Nähe gelegene Dörflein Wiesen (1367: czu der Wysen), dessen Name auch Schreibart und Auffassung des Burgnamens beeinflußt hat, allein für den letzteren trifft sie eben nicht zu. Seine ältesten Formen (1251: Wissenberck; 1348, 1359: Wisenberg, 1394: Wisinberg) ergeben die richtige Bedeutung „Weißenberg“ – es ist also ein Pendant zu dem stromaufwärts gelegenen „Schwarzenberg“. Wiesenburg sollte demnach richtiger Weißenburg heißen.3) Der Name ist also deutsch: er knüpfte nicht wie Zwickau oder Planitz an diejenigen sorbischer Orte an. Die Anhöhe, die einst die Burg trug, am Ufer der Mulde steil sich erhebend, lag vordem im südlichen Gau Zwiccowe, und zwar, wie die Namen aller sie umgebenden Orte (Schönau, Weißbach, Burkersdorf, Wiesen, Arme Ruh-Silberstraße, Haßlau) beweisen, in einer Gegend, die erst durch deutsche Kolonisation dem Anbau eröffnet ward. So ist es denn auch verständlich, daß wir die Burg samt ihrem Zubehör unter meißnischer Hoheit stehen sehen, wenn sie nicht sich als Amt oder Kammergut direkt in den Händen der Wettiner befand.

Das ist zu drei Malen der Fall gewesen: a) 1391 – 1405 unter Markgraf Wilhelm I.; b) 1618 – 1663 unter den Kurfürsten Johann Georg I. und II.; c) 1724 – 1876, d. i. von August dem Starken ab. In den Zwischenzeiten sind als Besitzer des Schlosses und der Herrschaft zu nennen: 1405 – 1591 die v. d. Planitz und 1591 – 1618 der Rat der Stadt Zwickau sowie 1663 – 1724 die Herzöge von Holstein-Sonderburg. Bis 1391 hatten die Reußen von Plauen und ihre Vorfahren, die Vögte von Plauen und Weida, seit der Erbauung der Feste und der Besiedlung der Gegend Wiesenburg innegehabt, während im Jahre 1882, nachdem das Rittergut daselbst bereits einige Jahre zuvor in private Hände übergegangen war, der Bezirksarmenverband der Amtshauptmannschaft Zwickau das Schloß mit sämtlichen Gebäuden käuflich an sich brachte, der einen Teil derselben innerhalb der Ringmauer – also der alten Burg – schon 1864 erworben hatte. So war auch hier im Laufe der Zeiten ein mächtiger Wandel eingetreten: Herrenburg – Ritterschloß – Amtssitz – Herzogsresidenz – Kammergut – Armenanstalt – Besserungsasyl! Uebrigens wird die Lehnshoheit der Wettiner nur eine kurze Unterbrechung in den Jahren 1291 – 1308 erfahren haben, während welcher Zeit Wiesenburg Reichslehen der Vögte von Plauen gewesen ist.

Wir fragen hier zuerst nach dem ursprünglichen Umfange der Herrschaft Wiesenburg. Zu ihr dürfen wir außer dem Markte, der späteren Stadt Kirchberg und dem erst später entstandenen Schloß-Dorfe Wiesenburg folgende Orte rechnen: Wilkau, Culitzsch, Niedercrinitz, Hirschfeld, Stangengrün, Wildenau, Obercrinitz, Lauterhofen, Lauterholz, Wolfersgrün, Leutersbach, Giegengrün, (Eichengrün), Bärenwalde, Hartmannsdorf, Saupersdorf, Burkersdorf, Cunnersdorf, Haara, Grünau mit Arme Ruh, d. i. Silberstraße, und Wiesen. Für sie war die Burg der Sitz der Grundherrschaft, während Kirchberg, wie schon sein Name besagt, zuerst den kirchlichen Mittelpunkt, d. h. für den Süden des Gaues Zwiccowe, abgab. Die Margaretenkirche daselbst entstand während der Regierung Bischof Engelhards von Naumburg (1207 – 1242). Um diese Zeit mögen wir auch den Bau der Wiesenburg ansetzen und als ihren Erbauer Heinrich IV., Vogt von Weida (oder Gera), den mittleren der drei Söhne Vogt Heinrichs II. des Reichen von Weida, betrachten. Denn als seine Söhne, die Vögte Heinrich I. von Plauen und Heinrich I. von Gera, mit Markgraf Heinrich dem Erlauchten von Meißen 1254 ein Bündnis abschließen, beurkunden sie: samt ihrem Vetter, Vogt Heinrich VI. von Weida „Wir und unsere Mannen sollen unter demselben Rechte stehen wie unsere Väter (Heinrich III. und IV.) zu Lebzeiten des Vaters des Herrn Markgrafen.“

Hieraus erhellt, daß die drei Söhne Heinrichs II., jene beiden eben genannten samt ihrem jüngsten Bruder Heinrich V., Vogt von Greiz, von Dietrich dem Bedrängten die Gegend um Kirchberg zu Lehn genommen haben. Dietrich nahm 1210 die Zwickauer Pflege in Besitz, und Heinrich III. trat um 1220 in den Deutschen Ritterorden ein.4) In diese Zeit fällt auch die Errichtung der Wiesenburg; dieselbe dürfte wohl noch vor die Gründung von Kirchberg verlegt werden. Die Feste war Gemeinbesitz des Weidaschen Hauses, bis sie um die Mitte des 13. Jahrhunderts an die beiden Söhne Heinrichs IV. kam, von denen sie schließlich der ältere, der Vogt von Plauen, behielt. Aus den Tagen, da ihm und seinem jüngeren Bruder die Wiesenburg noch gemeinschaftlich gehörte, stammt eine Urkunde vom 17. August 1251, worin als Zeuge neben einem Richvinus, officiatus (Amtmann) de Gera auch ein Erbo, officiatus de Wissenberck auftritt. Unter einem officiatus hat man einen Beamten (Vogt) des Grundherrn zu verstehen, der teils Verwaltungsgeschäfte (daher villicus-Schlösser), teils richterliche Befugnisse (daher bedellus-Landrichter) in einem Burgbezirke ausübte. Jener Erbo mag also die herrschaftlichen Einkünfte im Gebiete von Wiesenburg erhoben und den Vorsitz im Gerichte über die dörflichen Untertanen geführt haben.

Vogt Heinrich I. von Plauen hat dann, da seine beiden Söhne vor ihm das Zeitliche segneten, seinem Enkel, Vogt Heinrich Reuß II., dem Stifter der jüngeren Plauenschen Linie, die Wiesenburg hinterlassen. So kam es, daß dieser am 31. Dezember 1349 von Markgraf Friedrich III. dem Strengen Schloß Wiesenburg und Stadt Kirchberg mit ihrem Zubehör (Wisenberg castrum, opidum Kirperg cum suis pertinenciis) zu Lehn nehmen konnte. Derselbe Markgraf traf dann im Verein mit seinem Bruder Balthasar am 12. Juni 1359 zwischen den entzweiten Söhnen jenes Reußen einen Erbvergleich. Darnach sollte dem ältesten von ihnen, Heinrich Reuß III., Herrn zu Greiz, volgen Wisenberg und Kirchberg, daz stetchin, und allez, daz darczu gehoret. Er hinterließ bei seinem Tode (1383) seinen beiden Söhnen, den Reußen Heinrich VI. und VII., die Besitzung, jedem eine Hälfte. Am 21. Juni 1394 verzichtete nun Gaudentia, die Gemahlin des älteren von ihnen, frauwe zu Greuwcz, auf ihren Anteil an dem huwse Wisinberg, daz halp mit syner zugehorunge unser lypgedinge ist gewest, weil ihr Gatte an Markgraf Wilhelm I. von Meißen synen halben teyl mit ihrer Zustimmung verkauft hatte. Ihr Leibgedinge ward ihr am 28. November 1395 auf die Hälfte von Schloß und Stadt Greiz wie vordem auf die eine Hälfte von Wiesenburg verschrieben. Denn die andere stand ihrem Schwager, Heinrich Reuß VII. dem Jüngeren von Plauen, zu, der sich für sie bei der Auflassung ihres ersten Leibgedinges verbürgte und am 14. März 1398 seiner eigenen Gattin Mechthild ein Leibgedinge auf die andere (d. i. seine) Hälfte des Schlosses Greiz versichern ließ. Seine Hälfte von Wiesenburg wird er wie der ältere Bruder an Markgraf Wilhelm I. käuflich überlassen haben, wenn auch keine Urkunde diese Veräußerung bezeugt. Im Jahre 1394 löste sich die Verbindung zwischen Wiesenburg und den Reußen für immer, nachdem sie etwa zwei Jahrhunderte gewährt hatte.

Der Markgraf übergab die Herrschaft, nachdem er sie über zwei Jahrzehnt lang amtweise hatte verwalten lassen, denen v. d. Planitz. Der erste Lehnsbrief der Planitze über Wiesenburg, der uns erhalten blieb, datiert vom Jahre 1464. Der Umfang seines Gebietes hatte sich inzwischen nach Westen verringert – einige Dörfer waren an die Herrschaft Planitz gelangt – und nach Osten zu erweitert. Die Planitze haben die ausgedehnte Besitzung fast so lange wie die Reußen in ihrem Besitze gehabt, bis endlich infolge ausbrechenden Konkurses dieselbe ihren Händen entglitt und auf dem Wege der Subhastation, nachdem sie etwa 20 Jahre unter Sequester gestanden hatte, in diejenigen des Rates der Stadt Zwickau gelangte. Er hat sich entschieden Verdienste um Schloß und Herrschaft erworben; das erstere hat er neu hergerichtet, was allerdings einen Fronprozeß mit seinen neuen Untertanen herbeiführte, und die letztere hat er durch weitere Gebietserwerbungen im Norden und Süden abgerundet. Für 51000 Gulden hatte er sie seiner Zeit (1591) erstanden, nach etwa einem Menschenalter (1618) trat er sie an den Landesherrn für 65000 Gulden wieder ab. Dieser, Johann Georg I., verpachtete sie an Hans Schnorr, der bis 1630 auf Wiesenburg als Amtsverwalter fungierte und durch seine Pachtung zu bedeutendem Vermögen kam. Nachdem dann ihre Verwaltung als Amt unter jenem Kurfürsten fortgedauert hatte, verkaufte dessen Nachfolger, Johann Georg II., Wiesenburg mit Kirchberg und 20 Dörfern am 2. November 1663 für 65000 Thaler dem Herzoge Philipp Ludwig von Holstein-Sonderburg, dem Begründer der Wiesenburger Linie seines Hauses, die im Jahre 1744 ausstarb.

Schloss
Schloß Wiesenburg.

Drei Generationen dieses Geschlechtes haben auf Wiesenburg gehaust: Philipp Ludwig († 6. März 1689) übergab die Herrschaft am 5. November 1675 seinem Sohne Friedrich, dieser († 7. Oktober 1724) sie am 25. Juni 1723 wiederum seinem Sohne Leopold, der viel in Oesterreich am kaiserlichen Hofe verkehrte und daselbst auch zum römisch-katholischen Bekenntnis übertrat. Während der erstere sich des Schlosses und der Herrschaft tätig angenommen hatte, geschah seitens seines Sohnes und Enkels wenig oder nichts für die Verbesserung ihres Besitzes. Nur 61 Jahre haben sie ihn festgehalten; denn am 24. Januar 1725 übergab Herzog Leopold das Schloß samt seinem umliegenden Ländchen den Kommissaren Augusts des Starken, der es ihm für 126000 Thaler nebst einem Schlüsselgelde für die Herzogin von 2000 Thalern abgekauft hatte und das seit Johann Georg I. bestehende Amt Wiesenburg erneuern ließ. Nach einem Stillleben, das es als Kammergut für sich weiter führte – es umfaßte ungefähr anderthalb Jahrhunderte –, bahnte sich dann eine neue Entwicklung an.

Im Jahre 1831 erhielt die Stadt Kirchberg einen besonderen Justitiar; 1842 ward hierher das Justizamt Wiesenburg überhaupt verlegt. Das dortige Rittergut, d. h. sämtliche Grundstücke, Felder, Wiesen und Hutungen, kam 1876 – 1882 an Private. Das Schloß aber stand leer und verfiel deshalb immer mehr, nur einige Räume dienten der ökonomischen Verwaltung. Allein 1864 ging der verödete Bau zum Teil für 3479 Thaler an den Bezirksarmenverein der Zwickauer Amtshauptmannschaft über, der daselbst eine Armenanstalt innerhalb der Ummauerung aufführen ließ. Am 1. Oktober 1882 brachte er das ganze Schloß für 83000 Mark an sich und verpflichtete sich dazu, die Ruinen zu erhalten und weiterem Verfalle zu wehren. Die Gebäude dienen ihm zugleich als Korrektions- und Erziehungsanstalt, als Versorg- und Krankenhaus. Die wechselvollen Schicksale, denen im Laufe von sieben Jahrhunderten die alte Burg unterworfen ward, haben naturgemäß mancherlei bauliche Veränderungen veranlaßt: allein, wenn auch vielfach die Mauerreste abgetragen und zerstört worden sind, so ist doch die Umfassung der auf felsiger Bergnase angelegte Feste noch jetzt kenntlich und nachweisbar. In der Tat sind die Zeiten nicht spurlos an dem Schlosse vorübergegangen, wie dessen Baugeschichte, soweit wir sie kennen, dartut.

Im Jahre 1553 nämlich ging die Burg bis auf ihre Mauern vollständig in Flammen auf; sogar der alte Rundturm, der Bergfried, mit seinen 2 – 3 m dicken Mauern, dessen Durchmesser gegen 11 m beträgt, und der damals eine Höhe von 34 – 35 m aufwies , brannte bis auf die letzte Holztreppe aus. Der neue Aufbau seitens der Planitze mag bei den widrigen Vermögensverhältnissen der Familie nicht mit der gehörigen Solidität durchgeführt worden sein. Denn bei der Uebernahme der Wiesenburg durch den Rat der Stadt Zwickau (1591) befand die von ihm damit beauftragte Abordnung ihre Wohn- und Wirtschaftsgebäude in einem sehr baufälligen Zustande. Alles war so „wandelbar und verödet, daß man nicht sicher und ohne Gefahr darauf wohnen, sondern sich fast stündlichen, gänzlichen Untergangs und Einfalls … zu besorgen und zu befürchten“ hatte. Der Rat hat darum alsbald Sorge dafür getragen, das alte Schloß wieder wohnlich einzurichten. Die Renovationen müssen etwa drei Jahre beansprucht haben, da die fronpflichtigen Untertanen der Herrschaft Wiesenburg nur für diesen Zeitraum zu Baufuhren und Handarbeiten herangezogen werden sollten.

Einen genaueren Einblick in die Beschaffenheit des Schlosses gewährt uns eine Beschreibung, die uns eine nach dem Ankaufe durch Herzog Philipp Ludwig von Holstein-Sonderburg (1666) aufgenommene Inventur, abschriftlich im Schönauer Pfarrarchiv vorhanden, gibt. Vor dem Schlosse befanden sich ein Baumgarten, ein Viehhof, ein „Grätzgärtlein“ und eine Hopfenanlage. Hinter zwei Wirtschaftshöfen führte dann eine Aufzugsbrücke, die mittlerweile durch eine feste steinerne ersetzt worden war, über den Zwinger, der hier mit einer Badestube und einem Backhause bebaut war, nach dem hinteren (südlichen) Schlosse. Im Untergeschosse bestand es aus Stein, im oberen aus Fachwerk und bedurfte damals dringend einer Reparatur. Neben ihm lagen das Hintergebäude, das auch einen Kornboden besaß, und das neue Gebäude, d. i. der vom Herzoge Philipp Ludwig aufgeführte Schloßflügel, der am 28. Februar 1754 abbrannte und nicht wiederaufgebaut wurde. Etwas weiter vorn, nach Norden zu, erhob sich das zweistöckige, völlig aus Stein erbaute vordere oder Hauptschloß (Herrenhaus), das sich an den hohen Wartturm anlehnte. Letzterer war bis 1826 noch besteigbar, dann aber stürzte die Turmtreppe ein. Im vorderen Schlosse befanden sich die sehr alte Kapelle, die durch den Brand von 1553 unbenutzbar ward, 1666 aber eine neue Ausstattung (vergoldeter Altar, Herrenchor, Empore, Männer- und Frauenstühle) erhielt, ferner das Gefängnis, die Marterkammer, das Kalk- und das Brauhaus, die Keller und andere Wirtschaftsräume zu ebener Erde. Das obere Stockwerk, zu dem eine Treppe, der Wendelstein genannt, emporführte, enthielt die große Hofstube, die Küche und verschiedene Gemächer und Kammern. Der Verfall, der bereits unter den Holsteiner Herzögen begann, schritt langsam vorwärts, bis endlich um 1840 Wiesenburg nur noch als „ein Flickwerk von altem verfallenen Gemäuer und neuen frischgetünchten Wänden, von einem kahlen eingestürzten Turme und einem neuen Ziegeldache“, als eine „öde Burgruine, verwandelt in ein ärmliches Wohnhaus“ bezeichnet werden konnte.

Zum Schlusse sei noch zwei irrigen Anschauungen entgegengetreten. Die Annahme, die aus dem Thüringischen stammenden Herren von Wiese hätten die Wiesenburg gegründet, und sie trage von ihnen ihren Namen, entbehrt jedes Grundes. Ein geschichtlicher Zusammenhang zwischen einer Burg gleichen Namens bei Nebra an der Unstrut (1200: Vicemburch, 1205: Vissenburg), wornach sich ein Edelgeschlecht benannte, und unsere Wiesenburg besteht gar nicht; beide führen denselben Namen wie auch noch manch andere Burg in deutschen Landen. Ferner hat man einen Ort, der in einer Urkunde König Heinrichs II. des Frommen vom 5. März 1004 als Eigengut namens Wisseburg im Bistum Merseburg und im östlichen Teile des Gaues Chutizi aufgeführt wird, mit unserer Wiesenburg identifizieren wollen. Allein abgesehen davon, daß sie im Bistum Naumburg und im südlichen Teile des Gaues Zwiccowe lag, heißt jener Ort im Jahre 981 Wissepuig, sodaß einfach Wisseburg als die germanisierte Form eines slavischen Ortsnamens anzusehen ist, von dem man nur weiß, daß der erste Bestandteil auf die Höhe der Lage (wysse = hoch) hinweist, während die Lage selber bis jetzt nicht zu ermitteln war, aber in der Rochlitzer Pflege angenommen werden muß. Jedoch mit unserer Wiesenburg hat dieser sorbische Weiler (villa) absolut nichts zu schaffen.

3) Man vergleiche hierzu Weißenfels und dessen ältere Formen: Wissen-, Wiczen-, Wizen-, Wysenfels.

4) Überblicken wir den damaligen Besitz des vögtischen Hauses von Weida, so konnte es unter Dietrich dem Bedrängten gar keine andere Besitzung als wettinisches Lehn innehaben als Wiesenburg. Denn Weida hing von Thüringens Landgrafen ab, Gera vom Stifte Quedlinburg, Plauen von den Grafen von Eberstein, Ronneburg, Werdau, Schönfels, Greiz, Reichenbach (bis 1213, dann von Böhmen) und Treuen vom Deutschen Reiche.

Quelle: Glückauf. Zeitschrift des Erzgebirgsvereins. 28. Jahrgang. Nr. 5 v. Mai 1908. S. 65 – 69.

 

Nachtrag Am 8. März 1398 bekundete der Ritter Peter Nothaft, daß ihm der Markgraf Wilhelm I. von Meißen nach schiedsrichterlicher Bestimmung für den Verkauf seines Schlosses Thierstein und zum Ersatze von Schäden 200 Schock Groschen zahlen und das Schloß Wiesenburg mit dessen ganzem Zubehör als Lehn reichen wolle. Zugleich verzichtete am folgenden Tage seine Frau Katharina auf ihr Leibgedinge, das ihr mit 400 Schock böhmische Groschen auf Schloß Thierstein verschrieben war, wogegen ihr der Markgraf die gleiche Summe auf Wiesenburg anwies. Ihr Gemahl war noch im Jahre 1412 hier ansässig; denn als damals am 13. April König Wenzel von Böhmen, die Herzöge von Bayern, die Markgrafen von Meißen, die Grafen von Schwarzburg und andre ein Bündnis schlossen, um die Landstraßen gegen Raub, Mord, Brand und Übeltaten zu sichern, wurden die einzelnen Amtleute auf gegenseitige Unterstützung angewiesen und sollten eine gewisse Anzahl gerüsteter Pferde bereithalten, so seitens Friedrich des Einfältigen z. B. der Vogt von Elsterberg 3, Günther v. d. Planitz ebenda 3, der Nothaft zu Wiesenburg 3, die v. Tettau zu Plohn 2, Hildebrand Trützschler zu Falkenstein 3 usw.

(Fortsetzung folgt.)