Romwaldtsburg

Südöstlich von Wiesenburg, in dem langaus gedehnten Dorfe Weißbach, nahe bei der Kirche des Ortes befindet sich ein alter Burgstadel, d. h. der Standort einer alten Feste, von der nichts übrig geblieben ist als allein ihr Name, der in zusammengezogener Form „Rommelsburg“ lautet. Er hat sich lange im Volksmunde gehalten und bezeichnet den festen Hof, um den es sich hier gehandelt hat, als die „Burg eines gewissen Romwaldt“ oder, wie dieser Vorname vor seiner Umlautung richtiger geheißen haben wird, eines gewissen Ramvolt. Hierunter ist wohl der letzte Besitzer der kleinen Burg zu verstehen, die vermutlich frühzeitiger Zerstörung anheimfiel, weil sie ein Raubnest war. Das Geschlecht, das in Weißbach unter der Lehnshoheit der Edlen von Wildenfels hauste, war das derer v. Uttenhofen. Hieß demnach der letzte Besitzer der Burg zu Weißbach, deren eigentlichen Namen wir nicht kennen, wofern er sich nicht mit dem des Dorfes deckt, Romwald v. Uttenhofen? Vermutlich wandten sich die Uttenhöfer dann nach dem heutigen Silberstraße (Grünau), wo sie einen bescheidenen Sitz, die sogenannte „Arme Ruh“ erwarben, und wurden so Vasallen der Reußen von Plauen. So würde denn der Untergang der Rommelsburg ins Ende des 13. oder zu Beginn des 14. Jahrhunderts fallen. Wir sind hier nur auf Mutmaßungen und Kombinationen angewiesen, weil sich keinerlei Nachricht, nicht einmal eine Überlieferung über die Burg erhalten hat. Aber es ist doch beachtenswert, einmal, daß sie in der Nähe solcher Raubnester wie Stein und Isenburg lag, und ferner daß sich zwischen 1343 – 1346 Richter und Geschworene der Stadt Prag bei dem edlen Herrn Russ de Plabn (Heinrich Reuß II.) über dessen Dienstmannen (famuli) Wolf, Heinrich und Günther Gebrüder v. Uttenhofen beklagen, die sich an einem Straßenraube beteiligt hatten, der an zwei Prager Bürgern und ihren Gefährten bei Stollberg im Erzgebirge verübt worden war.

(Fortsetzung folgt.)

Quelle: Glückauf. Zeitschrift des Erzgebirgsvereins. 28. Jahrgang. Nr. 5 v. Mai 1908. S. 69 – 70.