Planitz

Innerhalb des Zwickauer Burgbezirkes stoßen wir auf eine kleinere Burg, das „feste Haus“ eines ritterlichen Vasallengeschlechtes, das „beschloßt“ war, den Stammsitz derer v. d. Planitz, die durch Kaiser Karl V. am 19. November 1522 zu „Edlen“ erhoben wurden. Bis zum Jahre 1572 hat die Familie das Haus ihrer Väter festgehalten, und so hat sie sich in dem Orte (Plawenuwicz = die Leute am Floßplatz), von dem sie ihren Namen empfing, vier Jahrhunderte lang behauptet. Der erste urkundlich genannte Planitz taucht in einer Urkunde Kaiser Heinrichs VI. auf und führt den Vornamen Ludwig; das betreffende Dokument stammt vom 8. Dezember 1192 her. Es ist aber sehr wahrscheinlich, daß seine Eltern und Großeltern bereits als Ministerialen zu Planitz saßen; um diese Zeit kam ja die Benennung der Ministerialen nach den Orten auf, in denen sie ihre Lehen erhalten hatten. Der ursprüngliche Besitz der Planitze dürfte nicht mehr als die Dörfer Planitz (damals noch nicht geteilt), Cainsdorf und Wendisch-Rottmannsdorf umfaßt haben. Es läßt sich denken, daß sie ihren Hof zu Planitz befestift haben; allein daß sie erst späterhin an den Bau eines steinernen Hauses, einer Burg, die zum Teil durch Wasser gegen feindliche Angriffe gedeckt war, gingen, dafür legt meines Erachtens der Name des Schloßberges noch Zeugnis ab. Man nannte ihn „den Hagen“, weil ihn ein Verhack schützte.

Schloss
Altes Schloß Planitz, 1604.

Die Planitze erwarben nun weiter Wilkau und Cunnersdorf, d. h. sie traten in ein Lehnsverhältnis zu der Wiesenburger Herrschaft, den Vögten von Plauen jüngerer Linie. Als ihre Vasallen begegnen sie uns bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts, und als die Markgrafen Friedrich III. und Balthasar von Meißen zwischen den Reußen von Plauen, Heinrich III. und seinen zwei jüngeren Brüdern (H. IV. und H. V.), am 12. Juni 1359 eine Erbteilung festsetzten, sollten u. a. die lehen uber Lubschwicz (Liebschwitz, sächs. Exclave bei Gera), Ruhlandesdorf (Rußdorf bei Werdau), Pleuwenicz (unser Planitz) … den iungern zswen Ruzsen von Plauwen zcu irem teil volgen und bliben. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts fiel infolge des kinderlosen Abscheidens Heinrichs Reuß V. von Plauen die Lehnsherrlichkeit über Planitz an Markgraf Wilhelm I. von Meißen heim. Das feudale Mittelglied, das sich vermutlich in der Zeit von 1291 – 1308 zwischen die Planitze und die Wettiner eingeschoben hatte, kam auf diese Weise wieder in Wegfall. Wann das feste Schloß errichtet worden ist, läßt sich leider aus den eben angezogenen Worten nicht schließen; aber wir wissen, daß es dem Ansturme der Hussiten 1430 erlegen ist, also stand es bereits zu dieser Zeit. Nach seinem Wiederaufbau muß es ausweislich eines uns erhaltenen Bildes, welches vor seiner abermaligen Zerstörung im dreißigjährigen Kriege (1640) entworfen wurde, eine stattliche Burg mit festen Mauern und massiven Türmen gewesen sein. Hierzu kam seine geschützte Lage; denn die Anhöhe, auf der es sich erhob, fiel steil nach Süden und Westen zu ab.

Die Besitzer des Schlosses hatten, seitdem die Planitze das Haus ihrer Väter veräußert hatten, verschiedentlich gewechselt. Von Christian v. d. Planitz hatte es Georg I. von Schönburg, Herr zu Glauchau und Waldenburg für 40.000 Gulden an sich gebracht, um es sieben Jahre später (1579) für eine ganz geringfügig höhere Summe an die Familie v. Beust zu überlassen, die es bis kurz vor Ausbruch des dreißigjährigen Krieges behielt. Nachdem dann mehrere Eigentümer, darunter der Rat zu Zwickau, kurz aufeinander gefolgt waren, übernahm es 1623 der Kurfürst von Sachsen. Im landesherrlichen Besitze ist Schloß Planitz, abgesehen von einigen Verpfändungen, bis zum Jahre 1689 verblieben. Seitdem es damals auf dem Wege des Tausches abgetreten ward, befindet es sich in den Händen der Familie v. Arnim bis auf den heutigen Tag. Johann Georg v. Arnim, der es im gedachten Jahre für sich erwarb, nahm sich des in dem schrecklichen Kriege so arg verfallenen Schlosses und Rittergutes an, und unter ihm entstand das einfache, aber große wohnliche, massiv gebaute jetzige Schloß. Das alte Bild, von dem wir oben sprachen, zeigt uns den befestigten Edelhof, wie er in der Zeit von 1430 – 1640 bestanden hat. Wir können uns darnach von der ältesten Anlage nur eine dunkle Vorstellung machen. Unter Benutzung des natürlichen Schutzes der steilen Bergwände nach Süden und Westen hat der alte Rittersitz ein Viereck mit seinen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden gebildet, überragt von dem Bergfried, der zugleich die eine Flanke des Tores deckt.

(Fortsetzung folgt.)

Quelle: Glückauf. Zeitschrift des Erzgebirgsvereins. 28. Jahrgang. Nr. 4 v. April 1908. S. 52 – 53.