Weißenborn.

Auf der Frauensteiner Straße gelangt man von der Stadt Freiberg aus nach einem Wege von 6 km zum Dorfe Weißenborn, wo schon früher eine Brücke über die Mulde führte. Diesen wichtigen Übergang deckte vor alters eine Burg, die ehedem den dortigen Bergvorsprung am Flusse bekrönte. Sie ward zu Ende des 15. Jahrhunderts oder zu Beginn des 16. umgebaut, und dies rief naturgemäß mancherlei Umänderungen hervor. Aus dem Mauerwerke des jetzigen Grundrisses ist noch heute die Lage des einstigen Berchfrits deutlich erkennbar; dieser Turm ist, wie wir das schon öfters wahrnahmen, sehr erniedrigt worden. Er stand an der Westseite des inneren kleinen und unregelmäßigen (dreieckigen) Hofes. Der ursprüngliche Zugang zum Schlosse ist mehr seitlings verlegt worden, und den Wallgraben, der es von allen Seiten umgab, der auch noch in allen seinen Teilen wohl zu verfolgen ist, hat man an der Bergseite zugeschüttet. Die Burg war sehr stark befestigt, wovon noch das alte, ungemein starke Mauerwerk ihres Erdgeschosses Zeugnis ablegt; dasselbe soll möglicherweise bis ins 13. Jahrhundert hinaufreichen. Die Annahme v. Süßmilch-Hörnig´s, die Burg sei Ende des 12. Jahrhunderts erbaut, ist entschieden zu früh gegriffen. Wir wissen nicht, wer sie errichtet hat. Soviel steht fest, daß von 1365 ab die Familie v. Hartitzsch, zu den Freiberger Patriziern zählend, in Weißenborn saß. Im genannten Jahre ward Nikolaus Hartusch, Münzmeister zu Freiberg, von den damaligen drei Markgrafenbrüdern damit beliehen, und seine Nachkommen haben den Besitz bis zum Jahre 1802 festgehalten: es war also ein durch den Bergbau reich gewordenes Geschlecht, das sich dem meißnerischen Adel einreihte. Es ist wohl kaum glaublich, daß erst die Hartitzsche die Burg gebaut haben, sondern sie werden dieselbe ebenso wie ein anderes Freiberger Patrizierhaus, die Berbisdörfer, den Lauterstein übernommen haben. Eine Familie v. Weißenborn ist bis jetzt urkundlich nicht nachweisbar. Sonst ist nur bekannt, daß um die Wende des 12. Jahrhunderts (1187 – 1209) Abt Matthäus von Altenzelle teils durch Geschenk (10 Hufen), teils durch Kauf (2 Hufen) in Weißenborn Grundbesitz für sein Kloster erwarb, den ihm 1213 Papst Innocenz III. bestätigte, und zwar von Burggraf Heinrich von Dohna. War dieser etwa der Inhaber der Burg, die beim Meißner Markgrafen zu Lehn ging? Wir wissen es nicht. Zwischen 1213 und 1365 klafft eben eine große Lücke in der Geschichte von Weißenborn. Wir können hier mit der Möglichkeit rechnen, daß anfangs Ministerialen des Burggrafen von Dohna in dem Orte saßen, die nach der Burg, die ihnen anvertraut war, sich auch benannt haben; aber mehr als eine Möglichkeit läßt sich eben nicht finden.

(Fortsetzung folgt.)

Quelle: Glückauf. Zeitschrift des Erzgebirgsvereins . 30. Jahrgang. Heft 5 v. Mai 1910, S. 65 - 66.