Rabenau.

Südöstlich von Tharandt am rechten Ufer der Weißeritz seitwärts von dem Städtchen Rabenau lag auf einem Felsenvorsprunge, den östlich der Oelsenbach bespült, die gleichnamige Burg, deren Standort wir etwa in der Nähe und an der Stelle der heutigen Fabrikgebäude der Holzindustriegesellschaft suchen müssen. Auch hier kann man eine für damalige Zeit von der Natur überaus begünstigte Lage feststellen: eine von drei Seiten umflossene Felsenhöhe, im Süden vom Walde begrenzt. Aber noch weniger Reste der Burg als bei Tharandt hatten sich bis 1825 von Rabenau erhalten: auf dem mit Holz bewachsenen und schlecht zugänglichen Berggipfel gewahrte man damals nur noch ein paar Mauern und etliche Überbleibsel von Gewölben; heute ist jede Spur des alten Schlosses verschwunden und ausgetilgt, selbst seine Stätte kennt man nicht mehr mit Gewißheit. Wir sind deshalb auch außerstande anzugeben, wann Burg Rabenau angelegt ward. Seine frühesten Besitzer sind die Burggrafen von Dohna, die hier ebenso wie die Markgrafen zu Tharandt ihre Vasallen sitzen hatten, die mit der Burghut betraut waren. Denn in einer burggräflichen Urkunde für das Kloster Altzelle über Zinsen und Getreideeinkünfte in den Ortschaften Weißig und Obernaundorf (beide in der Nähe von Rabenau), die im Jahre 1235 ausgestellt ward, erscheint auch ein Ministerial namens Burchardus de Rabenowe. Wie die Burggrafen von Dohna in den Besitz von Rabenau, dessen Burg höchstwahrscheinlich ihnen ihre Entstehung als westlicher Stützpunkt ihres dynastischen Gebietes verdanken wird, gekommen sind, und zu welcher Zeit, läßt sich nicht ermitteln; aber gewiß ist es, daß sie Rabenau zu allererst von den Meißner Markgrafen zu Lehn trugen. Dasselbe muß dann den letzteren von ihnen entfremdet worden sein, vermutlich am Ende des 13. Jahrhunderts, unter den deutschen Königen Adolf und Albrecht. Denn im 15. Jahrhundert tritt Rabenau, von Sachsen in dem sattsam bekannten Vertrage von Eger (1459) auch schließlich dafür anerkannt, als Lehn der böhmischen Krone auf, womit die Markgrafen von Meißen beliehen waren. Rabenau kam an sie, nachdem 1402 Markgraf Wilhelm I. die Dohnaer Burggrafen aus ihren sämtlichen Besitzungen in der Mark vertrieben hatte; freilich mußte die böhmische Oberhoheit von der dohnaschen Epoche der Burg her mit in Kauf genommen werden. Wie die Burggrafen, so haben denn auch die Markgrafen das Schloß Rabenau mit seinem Zubehör an ihre Vasallen ausgetan. Die letzten, die zu Rabenau saßen, waren die v. Miltitz, welche es vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis 1569 inne hatten. Damals kaufte es Kurfürst August zurück, um ein Kammergut daraus zu bilden. Der Hauptzweck der Burg bestand wohl anfangs darin, das südöstlich von ihr gelegene Gebiet der Burggrafen von Dohna gegen etwaige Angriffe der Markgrafen zu schützen: in der dohnaschen Fehde spielt Rabenau keine Rolle, nur Dohna selbst, Weesenstein und der Königstein. Nachdem es in die Hände der Markgrafen, wie es scheint, durch freiwillige Übergabe gelangt war, hatte die Burg eigentlich keinen Zweck mehr, und ihre Rolle war ausgespielt; aus diesem Grunde ist ihr frühzeitiger Verfall genügend erklärbar.

(Fortsetzung folgt.)

Quelle: Glückauf. Zeitschrift des Erzgebirgsvereins . 30. Jahrgang. S. 153.