Lauenstein.

Auch hier müssen wir wie bei Bärenstein das neue Schloß von der alten Burg wohl unterscheiden. Das erstere zerfällt in drei Teile, jeder zu verschiedenen Zeiten aufgeführt. Der vordere, östliche Teil, der um den großen Wirtschaftshof herumgebaut ist und ihn von drei Seiten, von Süden, von Osten, wo auch der Haupteingang von der Stadt gleichen Namens68) her sich befindet, und von Norden umgibt, ist der jüngste und entstand in dem Zeitraume vom Ende des 16. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts: eine Rundbogentür trägt die Jahreszahl 1554. Der mittlere ist ein reichliches Jahrhundert älter. Er hat den ältesten, hinteren Teil auf dessen Nordost-, Ost- und halber Südseite alteriert, und dieser Abschnitt des Schlosses interessiert uns nur hier, denn er ist identisch mit der ursprünglichen Burg Lauenstein oder, wie sie auch früher hieß, Lewenstein (1289 – 1340). Kühn ragte dieser einfache Rittersitz, der anfangs wie Bärenstein nur aus 2 – 3 Gebäuden bestand, die an einen Bergfrit anstießen und einen kleinen eckigen Hof bildeten, auf einer Felsennase empor. Zum Teil in diesen Felsen unmittelbar hineingebaut, zum Teil in ihn hineingesprengt, war Lauenstein ein sehr festes „Haus“, dem seine geschützte Lage, wie sie die Natur selbst bot, trefflich zu statten kam. Denn der felsige Grund und Boden, auf dem sich die jetzt völlig in Trümmern liegende Feste erhob, stellte ein mit seiner Spitze nach Nordwesten gerichtetes Dreieck dar: eine Seite fiel nach Norden zu schroffwandig gegen das Müglitztal ab, die andere (südwestliche) richtete sich steil nach einem kleineren Nebentale zu auf, worin Tiefen- und Geisingbach zusammenfließen. Auf der dritten (westlichen) Seite schützte ein breiter und tiefer Graben; hier lag auch der ursprüngliche Eingang zur Burg, eine Hauptpforte mit winzigem Nebeneingang, zu dem eine Zugbrücke über eine kleine und schmale Schlucht hinüberführte. Pforte und Nebeneingang sind noch erhalten; von den Vorrichtungen für die Zugbrücke und dem Graben haben sich Spuren gefunden. An dieser Seite erscheinen auch die von einer Berennung herstammenden drei großen Steinkugeln, die ein aufrecht geteiltes, rot und gelb fingiertes Wappenschild, das der Burggrafen von Leisnig, umgeben: seine einfache Form weist uns ins 14. Jahrhundert. Dieser Zeit gehört auch der mächtige Unterbau an, in dem sich die Räume des Verließes mit den gewaltigen und kühnen Kellergewölben, nördlich, westlich und südlich desselben, vorfinden, ferner die bei den Erhaltungsarbeiten im Schutte des ältesten Teiles entdeckten Terracottareste, wie ihre Formen nahelegen. Die Verwüstung, die über die alte Burg hereingebrochen ist, läßt uns nur die Grundform ihrer ersten Anlage ahnen, die wohl im 13. Jahrhundert stattfand.

Schloss
Schloß Lauenstein.

Ähnlich wie Bärenstein gehörte auch Lauenstein unter die Hoheit der böhmischen Krone. Bereits 1289, wo es als castrum infeodatum auftritt, leider wissen wir nicht, an wem die Burg verlehnt war, ist dies der Fall, und 1459 erkannte ja auch Sachsen zu Eger diese Hoheit an; so blieb´s bis anno 1806. Aber die Markgrafen von Meißen haben darnach getrachtet, die Burg in ihre Hände zu bekommen, und das ist ihnen auch tatsächlich gelungen, während Böhmen nur ein formelles Obereigentum behaupten konnte.69) Vielleicht darf man den Übergang Lauensteins an Meißen unter die Regierung des kraftvollen und diplomatisch gewandten Markgrafen Wilhelm I., etwa 1402, ansetzen. Unter ihm machte ja Sachsen einen gewaltigen Vorstoß ins Böhmerland hinein: die böhmischen Lehen Pirna, Königstein, Riesenburg und den Schreckenstein bei Aussig hat er in seine Hand gebracht. Die Reihe der Burgherren ist keine lückenlose: zu Beginn des 14. Jahrhunderts besaßen Lauenstein die Burggrafen von Leisnig. Albrecht der Ältere, der Begründer der Mutzschener Linie († 1349), verpfändet am 21. März 1320 auf kurze Zeit dem Bruder seiner Mutter Agnes, dem Burggrafen Hermann III. von Meißen, für 68 Schock die Burg. Bald darauf kam sie in die Hände der Herren v. Burgau (Bergowe), die wir um dieselbe Zeit zu Bärenstein, Sayda und Purschenstein antrafen, sie aber veräußerten die Feste am 6. Oktober 1340 an den Ritter Peter von Droßen. Dann schweigen die Urkunden länger. 1412 sitzen die v. Körbitz, die vor 1374 auftreten, noch auf Lauenstein, ihnen folgen in dem genannten Jahre die v. d. Planitz. 1444 erscheint urkundlich Hencze vom Tharande als ufm Lawensteyne gesessin. Hierauf tritt wieder eine Pause ein; in derselben ging die Burg direkt in kurfürstlichen Besitz über.70) Denn Friedrich der Sanftmütige überließ sie 1464 der durch den Bergbau sehr reich gewordenen Freiberger Patrizierfamilie Münzer käuflich. An die der gleichen Stadt angehörigen, auch zu ihrem Patriziate gerechnete Familie der Alnpecks kam Lauenstein im Jahre 1490, und von ihr erwarben es 1503 mit finanzieller Unterstützung ihres bischöflichen Oheims, Johanns VI. von Meißen, der gut zu wirtschaften verstand, die v. Saalhausen, von denen es infolge Verschwägerung an dasjenige Geschlecht gedieh, das es über 300 Jahre (1517 – 1821) behauptet und sich durch Verschönerung und Vergrößerung entschieden Verdienste um die alte Burg erworben hat, die v. Bünau. Sie haben dann Lauenstein an die Grafen von Hohenthal käuflich abgetreten, die noch heute sich des Besitzes erfreuen. Während das Schloß stattlich und stolz sich erhebt, ist die alte Burg in Trümmern gesunken. Nur Ruinen bezeugen ihren einstigen Standort, von dem man aus das Müglitztal und die „böhmische“ Straße beherrschte. Über ihre Entstehung ist Dunkel gebreitet, und es erscheint, wie so manchmal, so auch hier aussichtslos, dasselbe lichten zu können.

68) Sie besaß schon vor 1374 das Stadtrecht, bekam aber durch Ruzschel v. Körbitz auf Lauenstein damals einen freien Wochenmarkt.

69) Im übrigen hat in geistlicher Beziehung Lauenstein zuerst zur Prager und dann erst zur Meißner Diözese gehört.

70) In der Zeit vom 28. Dezember 1456 bis zum 17. Oktober 1458 verrechnet Hans Monhaupt Einnahmen und Ausgaben vom Amte Lauenstein.

Quelle: Glückauf. Zeitschrift des Erzgebirgsvereins . 31. Jahrgang. Heft 4 v. April 1911, S. 50 - 51.

Nachtrag Am 25. November 1372 erkannte Karl IV. mit seinem Sohne, dem Böhmenkönige Wenzel, an, daß die Wettiner die Lehn am slozs Leuwenstein haben. Die Edlen von Burgau (Bergowe), die ihrerseits die Burg um 1320 in ihren Besitz bekommen hatten, erscheinen noch am 1. Juli 1400 bei der Teilung des Erbes Markgraf Wilhelms I. unter der „Portion“ seines Neffen Wilhelms II. als dessen Vasallen mit Lauenstein, d. h. sie hatten das Lehnsrecht darüber, und als ihre Vasallen saßen daselbst die v. Kürbitz. Schon 1337 finden wir sie dort vor, vertreten durch die Gebrüder Michel und Godebold, während am 8. September 1412 die Gebrüder Ruschel und Reinward von Otto v. Burgau mit Haus und Städtlein Lauenstein sowie den Dörfern Löwenhain, Liebenau und Dittersdorf (südlich, östlich und nördlich davon) beliehen wurden. Als bei der bekannten Teilung zwischen Ernst und Albrecht am 26. August 1485 Lauenstein dem letzteren zufiel, hatte es damals Hans Münzer inne.

(Fortsetzung folgt.)