Höckendorf (und Ruppendorf).

In diesen beiden66) Dörfern, die aneinander stoßen und südlich von Tharandt, südwestlich von Rabenau liegen, sucht man je eine – natürlich kleine – Ritterburg. Urkundliches Material für diese Annahme liegt allerdings nicht vor; es kann sich also nur um feste Herrenhöfe (curiae firmae) handeln, deren Hauptstützpunkt ein fester Turm mit Wallgraben und starkummauerten Wirtschaftsgebäuden bildete. Jedoch von eigentlichen Bollburgen kann absolut nicht die Rede sein: v. Süßmilch-Hörnig hat hier inbetreff Höckendorfs, Schiffner inbetreff Ruppendorfs entschieden zu viel behauptet. Von Höckendorf wissen wir, daß sich dort ein Rittergut (allodium) befand, nach dem sich 1235 ein Hoiko de Holkendorph nannte, und das 1349 sich als markgräfliches Lehn in districtu Tarant neben dem gleichnamigen Orte, Klingenberg und Obercunnersdorf im Besitze der Freiberger Patrizierfamilie Theler befand. Bis zum Jahre 1565 – also über zwei Jahrhunderte – hat sich dieselbe auf der Besitzung behauptet, alsdann ging sie kaufweise an Kurfürst August über, dessen Enkel, Christian II., sie zerschlug. Das ehemalige Schloß der Theler verschwand vollständig, sodaß man auch hier seine „Stätte nicht mehr kennt“, sondern es an der Stelle des heutigen Vorwerks annimmt. Höckendorf mag also neben dem castrum Tarant als eine munitio gegolten haben, mit dem Ruppendorfin gleicher Eigenschaft die markgräfliche Grenze nach den Schlössern von Dippoldiswalde zu deckte; als die burggräflichen Nachbarn 1402 ihr Land verloren, büßten auch diese festen Rittersitze markgräflicher Vasallen ihre Bedeutung ein. Für Ruppendorf (Rapotendorf), das zum Amte Dresden gerechnet ward, macht das Lehnbuch Markgraf Friedrichs des Strengen einen Heinrich von Reichstädt (Richenstat) namhaft, der mit der ganzen Dorfschaft, sowie mit dem Herrenhofe (curia) und dem dortigen Vorwerke (allodium ibidem) beliehen war. Diese curia, südlich der Kirche gelegen, war von einem heute noch erkennbaren Wallgraben umgeben und besaß einen Turm, dessen Unterbau noch erhalten geblieben ist; ebenso deutet Mauerwerk mit Schießscharten auf eine kriegerische Befestigung des ritterlichen Sitzes hin. 1847 waren diese Überbleibsel noch vollständiger erhalten, wie eine Aquarellskizze von Stephan Rau zeigt. Seit dem Jahre 1449 finden wir die Familie Theler zu Ruppendorf ansässig; man kann also von einer langjährigen Verbindung der beiden Rittergüter Höckendorf und Ruppendorf im Besitze einer Familie reden, nicht aber von einer solchen zweier Burgen, die ja gar nicht existiert haben. Wir können demnach Höckendorf ruhig aus der Liste erzgebirgischer Burgen löschen; ein Gleiches darf von Ruppendorf gelten.

66) Wir haben Ruppendorf noch hinzugefügt, behandeln es aber mit Höckendorf zusammen, obwohl eine „jahrhundertlange“ Verbindung seiner Burg (?) mit diesem nicht feststellbar ist.

Quelle: Glückauf. Zeitschrift des Erzgebirgsvereins . 30. Jahrgang. S. 151 - 153.

Nachtrag Der dohnaische Ministeriale Hoico de Hoikendorph, der 1235 in einer burggräflichen Urkunde erscheint, tritt bereits 1198 als Hoiko de Donin (Cod. dipl. Sax. reg. I, 3, no. 31.) auf. Der Ort, nach dem er sich später nannte, Höckendorf, nahe der Mündung des eben genannten Serrenbaches, entstand also zwischen 1198 und 1235, neben ihm eine Reihe von dohnaischen Siedlungen. Um dieses Gebiet ging 1206 der Kampf zwischen Bischof und Burggraf. Da letzterer das castellum Thorun aufgeben mußte, so baute er nunmehr nach 1206 die Burg Rabenau und die Feste Höckendorf, die sein Lehnsmann anlegte, der vordem auf Burglehn zu Dohna saß.

(Fortsetzung folgt.)