Blankenau

Der Blankenauer Grund, das Gasthaus Blankenau in der Nähe der Kirche von Glösa nördlich Chemnitz und der Postbestellbezirk Blankenau, der die 5 Dörfer Glösa, Borna, Furth, Heinersdorf und Draisdorf umfaßt, erinnern an den alten Namen, den einst eine hier angesessene und „beschloßte“ adlige Familie getragen hat. Wir lernen dieselbe hauptsächlich kennen aus Urkunden des Mönchsklosters Chemnitz und des Nonnenklosters Sornzig bei der Stadt Mügeln, beide Benediktiner Ordens. Die letzte Nachricht stammt aus dem Jahre 1318, wo die Brüder Otto und Johann v. Blankenau dem Chemnitzer Konvente die Dörfer Altchemnitz (einverleibt) und Streitdorf (eingegangen) samt Getreidezins zu Hilbersdorf und die Wehrmühle bei dem erstgenannten Orte verkaufen. In den 70er und 80er Jahren des 13. Jahrhunderts treten die Brüder Albert (Ritter), Friedrich und Hermann auf; sie übereignen nach und nach dem Sornziger Kloster Liegenschaften in der Nähe von Leisnig: den Wald bei Gersdorf südlich der Stadt, der noch heute der „Sornziger Wald“ heißt, die Dörfer Richzenhain und Aschershain unfern von Waldheim. Bemerkenswert ist hierbei das Siegel Alberts v. Blankenau: es ist ein Schild, durch einen horizontalen Querbalken geteilt, der mit einer Zackenlinie belegt ist. Dies Wappen aber ist identisch mit dem des Edelfreien Otto v. Gersdorf (Gerhardesdorf), der seinerseits ein Sohn des Ritters Albert v. Gersdorf (erwähnt 1213 – 1228) ist und in verschiedenen Urkunden aus der Zeit von 1228 – 1259 aufgeführt wird. Der Ort, nach dem er und sein Vater sich nannten, war ein frei Eigen (proprietas libera) bei Leisnig und ging schließlich in den Besitz des nahen Cisterzienserklosters Buch über. Die Wappengleichheit, der Besitz bei und zu Gersdorf in der Leisniger Pflege98) und die Tatsache, daß bei den Gersdorfern und Blankenauern zweimal Väter und Sohn die Namen Albert und Otto tragen, lassen schließen, daß beide Familien identisch sind, und wenn wir die weitere Tatsache beachten, daß der älteste Sohn den Namen des väterlichen Großvaters zu empfangen pflegt, so ist der Ritter Albert v. Blankenau der Enkel des Ritters Albert v. Gersdorf, und sein Sohn Otto v. Blankenau der Enkel des Herrn Otto v. Gersdorf, mithin des letzteren Sohn Ritter Albert v. Blankenau, der also mit dem väterlichen Wappen siegelt.

Hieraus ergeben sich mit Leichtigkeit Schlüsse für die Entstehung der Burg Blankenau, die auf dem linken Ufer der Chemnitz auf Bornaer Flur lag, von tiefen Gräben und sumpfigen Niederungen umgeben – also eine richtige Wasserburg, deren letzte Reste, Grundmauern, Kellerungen und Gräben erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von dem Besitzer des Grund und Bodens beseitigt worden sind. Da Otto von Gersdorf urkundlich 1259 zum letzten, und sein Sohn Albert von Blankenau samt seinen zwei Brüdern 1269 zum ersten Male vorkommt, so könnte man die Möglichkeit offenhalten, daß in diesem Zeitraume die neue Burg erbaut wurde. Es bleibt aber noch die andere übrig, daß sie bereits früher bestand, und daß eine Familie sie besaß, in die die Gersdorfer hineintraten, worauf sie von dem neuen Besitze sich nannten und ihren Stammbesitz im Leisniger Gebiet nach und nach aufgaben. Ihre Burg scheint 1308 von Friedrich dem Freidigen, dem sich damals auch die Reichsstadt Chemnitz ergeben mußte, gebrochen worden zu sein. Ihr Besitz erstreckte sich auf die 5 Orte des Blankenauer Grundes, die wir oben nannten, auf Hilbersdorf (früher Filial von Glösa), Streitdorf und Altchemnitz und gelangte am Ende samt und sonders in die Hände des Chemnitzer Bergklosters, dem er bis zu seiner Säkularisierung verblieb. Der Standort der Burg war übrigens zugleich die Stätte eines alten Ringwalles, der schon vor der Erbauung der ritterlichen Feste, die wohl hauptsächlich in einem starken Bergfrit bestanden haben wird, als Straßenfort diente. Vielleicht haben es bereits die Sorben angelegt – dann wäre es einer der wenigen Burgwälle am Fuße des Erzgebirges – und dafür spricht die Nähe der alten böhmischen Straße, die an dem Zuckmantel bei Kühnhaide, der Todesstätte Bischof Arns von Würzburg († 13. Juli 892), vorbeiführt und von Bischof Thietmar 1012 in seiner Chronik erwähnt wird, sowie die Nähe der slavischen Orte Glösa und Borna und der Chemnitzfurt, die dem dabeiliegenden Dorfe Furth seinen Namen verlieh. Die Burg Blankenau, von der kein Stein übrig blieb, und von deren Herren wir nur wenig aus ein paar Urkunden wissen, beherrschte also das Chemnitztal und die wichtige Straße Zschopau-Chemnitz-Penig.99)

98) Diese wird jetzt vom Pfarrer zu Ebersdorf als dem „Schloßprediger von Lichtenwalde“ versorgt. Früher war sie ein eigenes „geistliches Lehen“, das in der Meißner Bistumsmatrikel (1495) unter der „Propstei Zschillen“ als capella in Lichtenwalde mit einem Einkommen von 1 Mark Silber angeführt wird. (Cod. dipl. Sax. reg. I, 1, S. 217.)

99) Vgl. dazu meine weiteren Ausführungen im 15. Bande der „Mitteilungen des Vereins für Chemnitzer Geschichte“

Quelle: Glückauf. Zeitschrift des Erzgebirgsvereins . 31. Jahrgang. Nr. 9 v. September 1911, S. 135 - 136.

(Fortsetzung folgt.)