Tannenberg

Nahe bei der Pfarre auf dem heutigen Rittergute zu Tannenberg erhebt sich in einer Höhe von etwa 14 Metern auf quadratischer Grundform der Unterteil des ehemaligen Bergfrits der alten Wasserburg, die einst an der dortigen Paßklause lag. Es war der befestigte Sitz eines ritterlichen Geschlechtes, das von dem Orte seinen Namen empfing, derer v. Tannenberg, die dann ins Vogtland verschlagen wurden und zu Plohn bei Reichenbach sich niederließen.30) Noch im Jahre 1430 lag der Ritter Sebastian v. Tannenberg mit Geyer eines Waldes wegen im Streite. Aber bereits 1452 begegnet uns unter den Mannen der Herrschaft Wolkenstein als Vasall des Edlen Anarg von Waldenburg Rost Fraiß (Fraz) zu Tannenberg, der übrigens schon 1448 als Jobst Fraß mit seiner Mutter Katharina sich im Besitze des alten Edelhofes befindet. Nach ihm hat die Familie v. Reitzenstein, die in der Hofer Gegend zu Hause ist, von 1465 bis in den Anfang des 16. Jahrhunderts hinein, denselben übernommen, u. a. auch 1502 die bisherige Burgkapelle zur Pfarrkirche des Ortes erheben lassen, bis sie dann (1520) der Geyerschen Patrizierfamilie der Schnees weichen mußte. Allein damit sind wir bereits in die Geschichte des Rittergutes hineingeraten, die wir jedoch nicht weiter verfolgen wollen.31) Die alte Burg scheint in dem Hussitenkriege 1429 gebrochen worden zu sein, doch läßt sich darüber nichts Bestimmtes sagen; jedenfalls aber bestätigt der im Turme vorgefundene Schutt die Tatsache, daß gewaltsame Zerstörung hier eingriff. Ein kurzes Wort bedarf es noch betreffs des Dorfes. Sein südlicher Teil rechts der Zschopau lag 1411 in der Herrschaft Belberg und ward vom Meißner Burggraf Heinrich I. an das Haus Wettin verpfändet. Diese ganze Herrschaft gaben 1433 die damaligen Pfandbesitzer, die Gebrüder Koppe, bis auf halb Tannenberg gegen 100 Gulden und den Hof zu Tannenberg, d. h. das Vorwerk Sauwald, heraus. 1441 ward Christoph v. Brandenstein mit dieser Dorfhälfte jenseit der Zschopau, am Belberge und in der Pflege Schellenberg belehnt. Die Nordhälfte hingegen, wohl das eigentliche Dorf Tannenberg, war Zubehör des Edelhofes und Lehn der Herren von Waldenburg auf Wolkenstein. Nach Richter zu urteilen, ist auch die alte Burg zu Tannenberg ein Raubschloß gewesen, und dieser Umstand hat möglicherweise ihren Untergang herbeigeführt. Der Kuriosität halber sei nur die possierliche Meinung erwähnt, die keiner Widerlegung bedarf, als sei die Tannenberger Ruine der Rest eines – Gedächtnisturmes! Etwas näher ans Ziel trifft jene Aktenstelle aus dem Jahre 1723: „Drum mag noch dieser große Turm bei dem Hofe deswegen sein erbaut worden, daß man den Feind weit sehen und observieren können. Solche Türme hießen in den alten Zeiten Mäusetürme, d. i. Türme, darauf man den Feind observieren kann. Denn mausen hieß bei den alten Deutschen soviel als warten (sic!) in acht nehmen, observieren; dergleichen alte Mäusetürme sind noch an vielen Orten anzutreffen als bei Mainz.“ Nun mausen hieß damals wie heute stehlen, rauben; von dem Turme aber observierte man, um zu mausen; es war kein Feind, den man beobachtete, sondern der friedlich einherziehende Händler, der Krämer, wie jene ritterlichen Mausediebe, die vom Stegreife lebten, ihn wegwerfend benamsten. Allein wir sehen wieder, wie gering die geschichtliche Kunde ist, die von dieser Gegend auf uns kam. Sie setzt erst mit dem 15. Jahrhundert ein, obwohl wir sicher annehmen können, daß die Burg Tannenberg schon eher bestanden haben mag. Allerdings ist zu beachten, daß sie in einem Dokumente vom Jahre 1372, worin sie nicht fehlen dürfte, noch keine Erwähnung findet. Oder galt sie nicht als castrum, sondern nur als munitio, d. h. war sie nur die Vorburg des Greifensteins?

30) 1445 führt der Amtmann zu Zwickau unter der ehrbaren Mannschaft seiner Pflege auch Leonhard v. Tannenberg mit einem Schlosse zu Plohn, einem Vorwerk und Hof zu Irfersgrün und Zinsgütern, auf 26 gute Schock geschätzt, auf.

31) Vgl. übrigens Lungwitz, Geschichte des Rittergutes Tannenberg bei Geyer.

(Fortsetzung folgt.)

Quelle: Glückauf. Zeitschrift des Erzgebirgsvereins. 29. Jahrgang. Nr. 2 v. Februar 1909. S. 23 – 24.