Stollberg

Wo heute auf einem ins Land hineinragenden Bergvorsprunge die Strafanstalt Hoheneck sich erhebt, stand einst das Schloß Stalburg, an welches sich ein Bezirk von etwa einem Dutzend dörflicher Niederlassungen, vor allem im Tale der Zwönitz, der alten Camenici, anschloß.20) Zuerst von seiner Entstehung ab bis zum Anfang des Junis 1367 war es ein Reichslehn gewesen, von da ab galt es als ein Lehen der böhmischen Krone, wurde auch als ein solches von Sachsen, wenngleich als erbliches und pflichtenloses, im Vertrage zu Eger (April 1459) förmlich anerkannt und blieb es auch bis zum Jahre 1806, wo bekanntlich Napoleon diesen Lehnszug für seinen Verbündeten, den König von Sachsen, als erloschen erklärte. Im tatsächlichen Besitze der Wettiner aber befand sich die alte Herrschaft als ein landesfürstliches Amt seit dem Jahre 1564. Über dem Eingange des vorderen Teiles der Baulichkeiten, die jetzt der Königlichen Strafanstalt dienen, befindet sich noch heute ein in Sandstein ausgeführtes, stattliches farbiges Kurwappen mit der gedachten Jahreszahl. Sie zeigt uns das Jahr der Besitzergreifung durch Vater August, der als ein kluger Staatsmann aus Stollberg die Familie v. Schönberg21) ausgekauft hatte. Er hatte dann das alte Schloß, das schon längere Zeit in Trümmern gelegen, zum großen Teile wiederherstellen und durch einen neuen Schloßflügel, das jetzige Verwaltungsgebäude, das eben sein Wappen trägt, vergrößern lassen. Allein es währte keine 40 Jahre, da ward es auch schon – im Jahre 1602 – durch Brand verheert und von neuem zerstört, sodaß ein Umbau sich benötigte. Wie das Schloß vor dieser Feuersbrunst aussah, läßt noch eine Federzeichnung des bekannten Dilich uns erkennen, die er für Kurfürst Johann Georg I. anfertigte. Da, wo die alte Burg dem äußersten Abhange des Bergvorsprunges sich nähert, steht ein Ecktürmchen, während inmitten der hohe Bergfried – allerdings nicht mehr in seiner ursprünglichen Höhe – emporragt. Da, wo der Zugang dem Schlosse näher kommt, vor welchem ein Vorwerk (Kammergut) mit seinen Wirtschaftsgebäuden sich erstreckt, treten uns in einem rechten Winkel zwei spitzgieblige Flügel entgegen, deren größerer mit jenem kleinen Eckturme durch eine mit Zinnen gekrönte Mauer in Verbindung steht. Unter ihr und dem Türmchen nimmt man die Spuren eines verfallenden Wallgrabens wahr. Nach der Stadt zu fällt die Bergnase steil ab; in alten Zeiten muß Stollberg eine ganz wehrhafte Feste gewesen sein. Das „hohe Eck“, das sie trug, und von dem sie ihren späteren Namen erhielt, verlieh ihr eine starke Position; nur wo die Bergnase mit dem Talrande in Verbindung stand, war ihre schwächste Stelle; dort setzte auch der Angriff ein.

Schloss
Schloß Hoheneck (Stollberg).

Seit 1564 diente nun das Schloß den Zwecken der Verwaltung des Amtes, das 1568 mit Grünhain vereinigt, 1572 wieder davon getrennt wurde. Späterhin bildete das Stollberger Amt (eine Stadt mit 12 Dörfern) wieder eine Art Delegation des Grünhainer. Im Jahre 1809 brannte das Amthaus weg, und so erbaute man aus Steinen des Schlosses, soweit es Ruine war, das Justizamt, während man den stehengebliebenen Flügel zum Rentamte einrichtete. Daher rührt es denn auch, daß von der alten Burg Stollberg kein äußerlich erkennbarer Rest sich mehr erhalten hat, daß mithin auch ihre frühere Anlage ganz unkenntlich geworden ist. Da, wo einst stolze Edle und Herren, ja einmal sogar ein deutscher Kaiser und böhmischer König geschaltet und gewaltet, hausen jetzt diejenigen Gefangenen aus den Bezirken der Landgerichte Dresden, Freiberg und Chemnitz, deren Strafzeit mehr als drei Monate beträgt. Aber wie heute zu ihrer Erbauung der am 6. Oktober 1889 geweihte Kirchensaal sich erhebt, so stand einst auch droben im Schlosse eine Burgkapelle. Denn die Meißner Bistumsmatrikel führt unter den Altären des Stollberger Erzpriesterstuhles auch den Altar im Schlosse daselbst (altare in castro Stolberg) auf. Sein Inhaber hatte an den Bischof 4 Mark22) Silber, also nur 1 Mark weniger als der Stadtpfarrer und 1 Mark mehr als der Geistliche an der Marienkapelle, damals außerhalb der Stadt, zu entrichten. Als einen solchen lernen wir urkundlich (27. Februar 1345) den Burgkaplan Albert kennen. Wem dieser Altar geweiht war, erfahren wir leider nicht. Wahrscheinlich aber war diese gottesdienstliche Stätte auf der Burg älter als die Pfarrkirche der am Fuße des Schloßberges gelegenen Stadt, die ihren Namen von der Burg empfing, während die sie umgebenden Ortschaften wie Ober-, Mittel- und Niederdorf (Ober-, Schloß- und Niedergasse) keine besonderen Namen erhielten, sondern die Dörfer bei der Stalburg blieben: ihr Gotteshaus war ursprünglich die Marienkirche. Das führt uns zugleich auf den Umfang der alten Herrschaft. Zu ihr gehörten außer der Stadt und den eben angeführten 3 Dörfern Gablenz, Niederzwönitz, Dorfchemnitz, Günsdorf, Hormersdorf, Auerbach (bei Thum), Gornsdorf23), Thalheim, Brünlos, Ober- und Niederwürschnitz sowie Erlbach; doch muß man auch, wofür noch die Lage spricht, das mit letzterem kirchlich verbundene Kirchberg hinzurechnen, das einst an das Cisterzienserkloster Grünhain abgekommen ist und unter den Tafelgütern des dortigen Abtes sich befand. Erbarmannschaft, d. h. im Bezirke der Herrschaft ansässige Adlige, gab es nicht; 1445 waren nur die v. d. Ölsnitz auf Ölsnitz in den beiden Würschnitz begütert, und 1564 zogen die v. Schönberg das Lehngericht von Niederzwönitz bei dem Verkaufe aus und ließen es sich in ein Rittergut verwandeln. Bezeichnend ist es auch, daß alle Pfarrkirchen der Herrschaft als Stollberg, Niederzwönitz (oder, wie es damals auch hieß, Dorfzwönitz), Dorfchemnitz, Hormersdorf, Thalheim, und Erlbach nicht nur unter dem Patronate der Besitzer des Schlosses, sondern auch unter der Aufsicht des Landdechanten von Stollberg standen.

Der Familie von Schönberg kaufte, wie bemerkt, Vater August im Jahre 1564 die Herrschaft Stollberg für über 74000 Gulden ab. Sie selbst hatte diese Besitzung im Jahre 1473 erworben, sie also nahezu ein Jahrhundert lang innegehabt. Bischof Dietrich IV. von Meißen, der Familie Schönberg entstammend, besaß gemeinsam mit seinen Neffen Heinrich und Kaspar Sachsenburg mit Hainichen und Neukirchen; letzteres verkauften sie an ihren Verwandten, den Hofmeister Nickel v. Schönberg, um Stollberg seinem damaligen Besitzer, dem Edlen Matthes Schlick v. Lazan, Herrn zu Weißkirchen und Burggrafen (Pfleger) zu Eger und Elbogen, abkaufen zu können; dies geschah am 7. Februar 1473. Nach dem Tode des Bischofs (1476) teilten sich die beiden Brüder in den Besitz: der jüngere, Kaspar, übernahm Sachsenburg, der ältere, Heinrich, der Begründer des Stollberger Zweiges seines Hauses, nunmehr als der alleinige Inhaber am 24. Februar 1477 Schloß und Stadt Stollberg mit ihren Zubehörungen. Er hinterließ 6 Söhne, von denen zwei geistlich wurden, und drei erblos verstarben, und nur durch seinen jüngsten Sohn Friedrich, der nach seinem und seiner übrigen Söhne Heimgang die ganze Herrschaft Stollberg überkam und bis zum Jahre 1546 behielt, wiederum 6 Enkel. Von ihnen teilten sich nach ihres Vaters Friedrich Tode vier, Heinrich, Jakob, Joachim und Valentin, in den Besitz der durch Ankäufe erweiterten Herrschaft, zu der Thum, Oberdorf (bei Thum), Jahnsbach und Gelenau in den Jahren 1499 (durch ihren Großvater Heinrich) und 1533 (durch ihren Vater Friedrich) hinzuerworben worden waren. Die neuen Erwerbungen fielen Joachim zu24), an der Herrschaft im alten Umfange partizipierten die übrigen 3 Brüder. Heinrich veräußerte schließlich dieselbe noch vor seinem Tode (5. März 1564). Wir kommen nun auf die Vorbesitzer zu sprechen, die denen v. Schönberg vorangingen. Den allernächsten lernten wir eben kennen. Jener Edle Matthes v. Lazan genannt Schlick empfing nämlich im Jahre 1447 von Kurfürst Friedrich dem Sanftmütigen und im Jahre 1466 von dessen Söhnen, Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht, die Belehnung mit Schloß und Herrschaft, die, wie sie sagen, von der Krone zu Böhmen mitsamt dem ganzen (böhmischen) Vogtlande versetzt und verschrieben sei, was auch der Egersche Vertrag mit König Georg Podiebrad bestätigte. Jener böhmische Magnat hatte dem Vater beider Fürsten, dessen Rat er war, an die sechstehalb tausend Gulden vorgestreckt, von denen er 2000, auf Stollberg versichert, an Hans v. d. Kager auszahlte. Der letztere scheint also ein Pfandinhaber des Schlosses Stollberg gewesen zu sein. Vor ihm hatten bis zum Jahre 1433 die Grafen von Schwarzburg-Sondershausen dasselbe in Pfandbesitze gehabt; denn am 9. August gedachten Jahres entließ der Graf Heinrich die Adligen in den Pflegen zu Stalburg – hier waren es die v. d. Oelsnitz – Mylau, Schöneck i. V., Sparrenberg und sonst im Vogtlande, die ihm und seinen verstorbenen Vorfahren bis dahin gehorsamt hätten, der Mannschaft. Jene Schlösser und Städte seien einst seinem Hause von der Krone Böhmens versetzt worden, und sie habe nun dieselben an die Wettiner, Friedrich den Streitbaren, Wilhelm II. und Friedrich den Friedfertigen, gewiesen. In der Tat hatte ja auch am 29. August 1422 Kaiser Sigismund die vogtländischen Besitzungen Böhmens samt Stollberg als Entschädigung für den Kriegsaufwand der Meißner Markgrafen gegen die Hussiten verschrieben, aber es wohl den Entschädigten überlassen, sich mit den älteren Pfandansprüchen der Schwarzburger Grafen auseinanderzusetzen.

Jedenfalls aber schob sich seitdem Sachsen zwischen den Lehnsträger und die Krone Böhmen als Mitglied ein. Sigismunds Bruder, der König Wenzel, hatte unter der Regierung seines kaiserlichen Vaters Karl IV. am 2. Juni 1367 für 6000 Schock Prager Groschen den Gebrüdern Herrmann und Bernhard von Schönburg (von der Crimmitschauer Linie des edlen Geschlechts), Herren zu Hassenstein, Burg und Stadt Stalburg abgekauft. Der Kaiser, der schon einmal 1365 auf dem Schlosse residierte, wobei er den Schlettauern, die zum Königreiche Böhmen gehörten und Untertanen jener beiden Edlen von Schönburg waren, ihre Privilegien bestätigte, der Kaiser willigte natürlich zu gunsten seines Sohnes und seines böhmischen Königreiches in die Veräußerung des bisherigen Reichslehns und belieh demgemäß Wenzel mit Stollberg. Den Wettinern war natürlich die Bildung solcher böhmischen Enclaven in ihrem Gebiete, mit denen Karl dasselbe schließlich zu umklammern drohte, höchst ungemütlich. Sie gingen sogar soweit, daß sie Stollberg als ein markgräfliches Lehn – gewiß mit Unrecht – reklamierten. Möglich ist es, daß sie aus diesem Grunde 1367 die Veste Stollberg mit ihrem Zubehör dem Grafen Heinrich von Truhendingen für 3000 darauf geliehene Gulden verschrieben, und wahrscheinlich ging diese Verschreibung an die Grafen von Schwarzburg über. Wie dem auch sei, wir lesen in der aus dem Anfange des 17. Jahrhunderts stammenden Schwarzburger Chronik des Jovius: „Sonsten hätte auch im anfang des 1399. jahres das schloß Stalburg herr Heinrich (IX.) von Plau(en), welchen Graff Günther (von Schwarzburg-Sondershausen – er war königlicher Statthalter des böhmischen Vogtlandes) seinen ohmen nennet, und N. N. (Sigismund), herr von Schönburg zu Crimmitzscha, feindlicher weise berennet, das forwerck allda in brand gestecket, auch an dem schlosse mit dem geschütz und vielen schießen nicht geringen schaden, welches alles graff Günther mit 80 schock Böhmischer groschen wiederum müssen machen lassen, und mag dieses sich davon begeben haben, dieweil bemeldeter Herr von Plau und Schönburg neben andern Böhmischen herrn für König Wentzeln etwan bürge und auf dieses schloß seyn gewiesen worden.“ Es ist grade keine glänzende Rolle, die Schloß Stollberg in seiner böhmischen Epoche als Pfandobjekt spielt. Der ewig geldbedürftige und verschuldete Wenzel hat, wie es scheint, verschiedene Gläubiger auf Stollberg – vertröstet, und diese haben sich dann einander in den Haaren gelegen. Die Schwarzburger Grafen haben also vor 1399 schon und bis 1433 die Burg besetzt gehalten und auf ihr sich ritterlich und erfolgreich gewehrt. Im übrigen hatte bereits ein anderer Biedermann, Wenzels Vetter, Markgraf Jobst von Mähren, den Wettinern am 7. Dezember 1393 gelobt, falls er selbst König von Böhmen würde, dem Markgrafen Wilhelm I. von Meißen für Schulden Kaiser Karls IV. u. a. auch Stollberg zu – verpfänden. Es ist gerade keine rühmliche Zeit für die alte Burg dieses halbe Jahrhundert unter böhmischen Regime, und dabei hat sie noch die frühere Reichslehnbarkeit verloren: als sie 1422 an Sachsen fiel, erwarb letzteres doch nicht die Oberlehnshoheit.

Jene beiden Herren von Schönburg, welche Stollberg verkauften, um mit der Kaufsumme in Böhmen Besitzungen zu erwerben, Hermann und Bernhard, hatten die Herrschaft von ihrem Vater Friedrich (Fritzko) geerbt, der sich des öfteren nach ihr in Urkunden als „Herr zu Stalburg“ bezeichnet – sonst nennt er sich bald „Herr zu Crimmitschau“, bald „Herr zu Hassenstein“. Auf dem Schlosse zu Stollberg vereinigte er das Kloster zu Deutsch-Kralupp (zwischen Komotau und Kaden in Böhmen) samt dessen Filiale zu Körbitz am 27. Februar 1345 mit dem Crimmitschauer St. Martinsstifte. Er war übrigens dem Markgrafen von Meißen, Friedrich II. dem Ernsthaften, recht aufsässig; unter denen, die zu Eisenach am 29. Juni 1335 bekennen mußten, jenem Fürsten nach Recht und Pflicht gehorsam zu sein, befand sich auch Friedrich von Schönburg, Herr zu Stalburg. Denn er, der Begründer der ausgestorbenen Crimmitschauer und Hassensteiner Linien des Schönburgischen Hauses, war voll trotziger Kraft und selbstbewußten Stolzes auf seine Reichsfreiheit. Das Reichslehn Stalburch aber scheint er seit etwa 1320 besessen zu haben. Sein Vater Hermann nämlich († um 1300) war höchstwahrscheinlich der Schwager des Burggrafen Albrecht II. von Starkenberg), von dem er 1297 bezeugte, dieser habe seine Güter in Grünberg dem Cisterzienserinnenkloster zu Frankenhausen25) geschenkt. Dieser mutmaßliche Oheim des Fritzko von Schönburg tritt aber urkundlich am 17. Januar und 20. Mai 1291 wie auch am 28. Mai 1297 als dictus de Stalburch auf, und von seinem Bruder Erkenbrecht III. muß das Schloß Stollberg durch Kauf an dessen Verwandten Fritzko v. Schönburg auf Crimmitschau gekommen sein. Im Jahre 1316 wird Erkenbrecht es noch besessen haben; denn am 10. März d. J. schließt er im Verein mit Fritzkos Vettern, den drei Herrn von Schönburg auf Glauchau, mit Friedrich dem Freidigen zu Zwickau gegen die Vögte von Plauen und Gera ein Schutz- und Trutzbündnis ab. Der Ort des Vertrags, die Nachbarschaft der Schönburge zu Glauchau und Lichtenstein und der Schauplatz der Fehde (Hohenforst bei Kirchberg) legen es nahe, daß dieser Erkenbrecht auf Stollberg zu suchen ist. Er ist wohl auch identisch mit jenem Erkenbrecht, der geradezu in einer Urkunde vom 21. März 1287 als de Stalburch burchgravius vorkommt. Seit wann jene Burggrafen von Starkenberg (bei Tegkwitz im Altenburgischen), die der Familie der Edlen v. Tegkwitz entstammen, und deren Vorfahren einst Burggrafen von Döben (bei Grimma – daher der Titel) waren, sich hier im Erzgebirge auf der alten Reichsfeste ansässig machten, ist unbestimmbar. Vermutlich geht diese Tatsache zurück auf eine Verschwägerung mit dem Geschlechte jener Edelfreien, die sich nach dem Schlosse Stollberg ihren Familiennamen gaben. So erscheint unter den Edlen des Pleißnerlandes im Jahre 1267 als Zeuge gleich hinter dem Burggrafen von Altenburg ein Hugo de Stalburch. Er ist wohl derselbe, von dem uns aus dem Jahre 1244 bezeugt wird, er habe Besitzungen im Dorfe Priefel (bei Altenburg) an das dortige Bergerkloster verliehen.26) Wir können sogar noch einen Schritt weiter gehen und eine Vermutung äußern: dieser Hugo scheint ein Abkömmling der Familie der Edlen von Wartha (siehe unter Neukirchen) zu sein. Nachdem sie ihre Besitzungen im Würschnitztale zu einem großen Teile in die Hände des Chemnitzer Bergklosters hatten übergehen lassen, ließ sich ein Zweig zu Waldenburg nieder, ein anderer zu Stollberg. Daher mag es kommen, daß zu dem Stollberger Erzpriesterstuhle auch die Pfarrkirchen zu Burkhardtsdorf, Harthau, Neukirchen und Jahnsdorf zählten.

Nach alledem würde die Erbauung der alten Stalburg ungefähr zwischen 1200 – 1240 fallen. Der Name weist uns nach dem Harze, aber wir wissen nicht, welche Beziehungen er dazu hat.

20) Die Chemnitz setzt sich eigentlich nicht aus den zwei Quellbächen der Würschnitz und Zwönitz zusammen, sondern letztere trug bis zu ihrer Quelle den Namen „Chemnitz“; dafür spricht ja noch der Ortsname „Dorfchemnitz“, d. h. das Dorf an der Chemnitz! Zwönitz selbst, bis jetzt noch nicht befriedigend erklärt, war zuerst Ortsname, dann Flußbezeichnung.

21) Ihr Stollberger Zweig, 1477 durch Heinrich v. Schönberg begründet, starb mit Hans Dietrich im Jahre 1727 aus.

22) 1 Mark Silber = 33 Mark 50 Groschen; später rechnete man sie zu 4 Silbergroschen.

23) Gornsdorf befand sich zeitweilig im Besitze des Adligen Hans Zschocher und seiner Söhne auf Schönau (bei Zwickau) und in dem des Bergklosters zu Chemnitz.

24) Er starb 1581. Sein Geschlecht setzten fort: sein Sohn Joachim († 1626), sein Enkel Hans Georg († 1648), sein Urenkel Joachim Loth. Mit dessen ältestem Sohne Hans Dietrich, dem Brüder und Kinder im Tode vorangingen, ging der Zweig wieder ein.

25) Beide Orte liegen nördlich von Crimmitschau.

26) Im gleichen Jahre überwies ihm dieser Hugo von Stollberg 3 Hufen in Windischleuba (ebenfalls bei Altenburg).

(Fortsetzung folgt.)

Quelle: Glückauf. Zeitschrift des Erzgebirgsvereins. 28. Jahrgang. Nr. 12 v. Dezember 1908. S. 177 – 181.