Sommerstein

Über diese sonst unbekannte Burg berichtet der Annaberger Chronist Richter im zweiten Teile seines Werkes, der im Jahre 1748 erschien, als er einige Nachrichten über Hermannsdorf als einem Kirchorte der Annaberger Ephorie darbietet, folgendes (S. 32): „Auf dem andern (zweiten) Guthe über der Pfarre, nemlich dem Schenck-Guthe (nach seinem damaligen Besitzer so geheißen) lieget im Walde ein ziemlicher Felß, der Sommerstein genannt, worauf in alten Zeiten ein Raub-Schloß gestanden, so mit denen damahligen anderwärtigen Raub-Schlössern zu Tannenberg und Greiffenstein bey Geyer colludiret (d. h. gemeinsame Sache machte), denen nach und aus Böhmen reisenden Handelsleuten aufgepasset. Man siehet noch was von denen Mauern nebst einen in Felß gehauenen Backofen und anderen Ruderibus (Überbleibseln). Die Einfältigen erzehlen, es solte in diesen Felßen ein großes Loch gehen, darinnen stünde noch ein großer Kasten mit Gelde.“ Der Felsen, von dem hier die Rede ist, deckt sich mit dem heutigen Singerstein, der wohl seinen Namen von einem Besitzer des Gutes, auf dessen Flur er liegt, also einem Nachfolger des oben erwähnten Schenck, empfangen haben mag. Er befindet sich im Norden von Hermannsdorf, und an seinem Fuße zieht sich die alte, jetzt vom Verkehr verlassene Kärrnerstraße hin. Bemerkenswert ist hierbei auch die Erwähnung der beiden anderen Raubschlösser Tannenberg und Greifenstein, auf die wir gleich zu sprechen kommen werden. Des Sommersteines wird urkundlich und geschichtlich sonst nicht gedacht. Wer hier vordem gehaust, ist uns gänzlich unbekannt. Der Ort Hermannsdorf war ja bis 1536 eine Besitzung des Klosters Grünhain, die an dasselbe durch die Freigebigkeit der Burggrafen von Meißen von der Herrschaft Belberg abkam. Das mag um 1308 geschehen sein; wer aber das Dorf vorher als Vasall jener Dynasten besaß, wissen wir nicht. Daß aber auf dem Sommerstein einmal ein ritterliches Geschlecht gesessen hat, scheint jene von Richter (a. a. O. S. 31) überlieferte Sage nahe zu legen, es habe „hier in Herrmannsdorf ehemals einer von Adel gewohnet, Herrmann genannt, von dem habe das Dorf seinen Namen bekommen (?), dessen seine 3 hinterlassene Söhne aber als: Simon, Walther und Conrad hätten die nahegelegene Dörfer Sehma (?) , Walthersdorf und Conradsdorf vulgo Cunersdorf angebauet und bewohnet. Anbey sollen die Documenta in Ambte ausweisen, welchergestalt Herrmannsdorf vor diesen unter Edelleuten gehöret, hernach aber nach gäntzlichen Absterben des Geschlechts an dem Land-Fürsten gediehen (?!)“ Wir sehen, es liegt noch manches Dunkel über der Geschichte des interessanten Dorfes, dessen erste Ansiedler aus Hessen stammen sollen. Seine Bewohner haben bis auf den heutigen Tag sich enger abgeschlossen, als sonst üblich ist, und ihre Eigenart sich gewahrt. Übrigens war es ein freies Dorf mit einem eigenen Dingstuhl und Gericht, dessen Fehmstatt an der Elterleiner Straße am Walde lag. War Hermannsdorf also eine villa libera ac propria, so waren vielleicht auch jene unbekannten Besitzer des Sommersteines homines liberi et nobiles, also Edelfreie, die im Kampfe mit den Meißner Burggrafen unterlagen? Wer kann hier den Schleier der Vergangenheit lüften?

Quelle: Glückauf. Zeitschrift des Erzgebirgsvereins. 29. Jahrgang. Nr. 2 v. Februar 1909. S. 23.

Korrektur Auch diese Anhöhe bei Hermannsdorf wird keine Burg getragen haben, zumal nicht wie im nahen Tannenberg ein Rittersitz hier vorhanden war, sondern sie trug ein Wachthaus, das an der alten unten vorbeiführenden Kärrnerstraße lag, und der Backofen, den man noch im 18. Jahrhunderte bemerkte, wird zur Kasemattierung desselben gehört haben.

(Fortsetzung folgt.)