Altlauterstein oder das „Raubschloß“ gegenüber dem Katzenstein.

Im Vorangehenden nahmen wir an, daß die Lautersteiner Herrschaft ihre festen Stützpunkte zu Beginn des 14. Jahrhunderts wechselte. Eine neue Burg erhob sich damals links der Pockau; eine ältere sucht man weiter stromauf gegenüber dem Katzensteine. Hier stand der alte „Lauterstein“, so genannt von dem hellschimmernden (luter) Felsen, auf dem die frühere Burg erbaut ward. Die Ruinen derselben, des „Raubschlosses“, wie sie gewöhnlich der Volksmund bezeichnet, befinden sich, wie gesagt, dem Katzensteine gegenüber, also auf dem rechten Pockauufer an dem Höhenrande unweit des niederen Leitenweges. Von drei Seiten her gähnt tiefer Abgrund, während in der Mitte zum Teil zusammengefallenes, zum Teil aber noch festes Mauerwerk anzutreffen ist, und nach dem Walde zu ein Graben noch sichtbar ist. Noch 1750 hatte man den Eindruck, als habe die alte Feste einen starken Turm, doppelte Mauern und zwei tiefe Gräben gehabt. Auf der Nordseite gewahrte man hiervon ganz deutliche Spuren, und überdies ließen sich unterirdische Gewölbe sowie Tür- und Fensterreste noch wohl erkennen. Wer diese Feste erbaute, wissen wir nicht; daß ihr letzter Inhaber Heinrich v. Schellenberg, ihr Zerstörer der freidige Markgraf Friedrich gewesen sei, kann man vermuten. Jedenfalls werden wir sogleich sehen, daß Altlauterstein keineswegs als die älteste Burgstätte im Pockautale anzusprechen ist. Ja, wenn nicht alles trügt, so hat es überhaupt nur wenige Jahre, in der Zeit von 1292 – 1319 etwa, also kaum ein Menschenalter gestanden. Wie es seinerseits durch eine neue Burg ersetzt ward, so hat es für einen kurzen Zeitraum eine noch ältere Feste des Pockautales ersetzt, von der wir sogleich Näheres erfahren werden.

Quelle: Glückauf. Zeitschrift des Erzgebirgsvereins. 29. Jahrgang. 1909. S. 158.

Nachtrag Von dem „Raubschlosse“ gegenüber dem Katzenstein berichtet Lehmann in seinem „Schauplatze“ folgendes: „Der hohe schwarze und rauhe Felsen hinter Zöblitz, dessen Höhe einem Kirchthurm gleichet, bestehet aus Kießling und Feldsteinen: darauf soll vorzeiten ein Raubschloß gestanden seyn, von welchem sich, wie alte Leute berichten, ein Räuber samt seinem Pferd herunter gestürtzet, also daß das Pferd zerborsten, er aber dennoch davon gelauffen und hernach gefangen worden“. Noch einmal erwähnt es Lehmann, indem er bemerkt: „Zur Küheheyde liegt ein hoher glatter Felß unter dem alten Raubschloß“ usw. Es beherrschte die alte Komotauer Straße, die östlich davon durch den Kriegwald nach Zöblitz an Hüttstadt vorüber sich hinzog. Haben hier etwa die böhmischen Adligen Heinrich und Bogyslaw von der Wira gehaust, die in der Zeit vor 1323 in dieser Gegend begütert waren? Sie trugen von den Markgrafen von Meißen das Dorf Wüstenschletta (Sletyn) bei Marienberg samt anderen Orten in dessen Nähe, die 1323 wüste lagen, vermutlich infolge von wilden Fehden, zu Lehn.

(Fortsetzung folgt.)