Belberg

Am 7. März 1411 verpfändete Burggraf Heinrich I. von Meißen den Markgrafen Friedrich dem Streitbaren und Wilhelm III. die Herrschaft Belberg um 900 Gulden mit fünftehalb Dörfern, nämlich Kleinrückerswalde, Frohnau, Geyersdorf, Dörfel und Tannenberg halb (d. i. rechts der Zschopau – war eigentlich eine Niederlassung für sich). Diese Verpfändung ward auch nicht rückgängig gemacht, und seit 1439 bildete dieses Gebiet das sogenannte Mühlamt; der Sitz der Verwaltung befand sich nämlich in der Herrenmühle, dem jetzigen bekannten „Frohnauer Hammer“. Die Burggrafen von Meißen müssen die Herrschaft zu Beginn des 14. Jahrhunderts bekommen haben, wo ihr wahrscheinlich noch Hermannsdorf angehörte, das jene ihrem Hauskloster Grünhain verehrten. Die Vorbesitzer der Herrschaft, die frühesten, die wir kennen lernen, waren die Burggrafen von Altenburg. Denn im Jahre 1291 entschädigte Dietrich II., Herr zu Rochsburg, das Kloster Buch für die Verluste, welche es durch den Überfall seines Bruders Albrecht III. und seines Neffen Heinrich IV., Herren zu Zinnenberg (bei Penig), in den erzgebirgischen Dörfern, die es besaß, nämlich Streckewalde, Mauersberg, Mildenau, Reichenau (Oberdorf von Mildenau) und Lichtenhain (Königswalde-Ratsseite rechts des Pöhlbaches) erlitten hatte: es waren 200 Mark Silber, auf die sie abgeschätzt wurden. Dieser Überfall ging vom Pöhlberg aus, und so fragen wir, ob denn die kleine reichslehnbare Herrschaft, die fast ebensoviel, ja noch mehr Dörfer als Schlettau zählte, nicht einen befestigten Mittelpunkt besaß. Nun lag in der Annaberger Flur laut einer Urkunde Herzog Georgs vom Jahre 1497 eine Wüstung namens Witzdorf (= Wezelsdorf = Wernersdorf); sie hieß auch mit einem anderen Namen „Borgkwalde“ (1508: Burckwalde). Derselbe aber besagt ja deutlich, daß die Wüstung am „Burgwalde“ lag. Also hat am Fuße des Pöhlbergs, der auf seiner Höhe damals noch nicht bewaldet war, etwa in der Nähe der sogenannten Butterfässer eine Burg gestanden. Wie sie wohl hieß? Die Gegend nannte man im 15. und 16. Jahrhundert „zur wilden Ecke“, und die Burg zu Zschopau trägt diese Bezeichnung ebenfalls (Wildeck). Allein sonst heißt sie in alten Urkunden nie anders als Ort und Fluß, nämlich Schape. Der Name „Wildeck“ paßt auch gar nicht für das Zschopauer Schloß, und so nehme ich an, daß er willkürlich auf Zschopau übertragen ward. Schellenberg, Zschopau und Wildeck (Belberg) bildeten zuweilen ein fürstliches Amt. Es ist leicht möglich, daß man Zschopau und Wildeck deswegen identifizieren, weil man eben die Burg Wildeck, d. h. den Mittelpunkt der Herrschaft Pöhlberg, nicht mehr kannte. Die Burg lag also an der „wilden Ecke“, d. h. an dem bewaldeten Fuß des Pöhlberges, der wie ein Eck, (d. h. steiler Fels) in das Land hinein und zum Himmel emporragte. Von der alten Feste ist nichts geblieben, selbst ihr Name verscholl und suchte eine neue Stätte, an die er sich heften wollte. Er ist aber in Zschopau nie volkstümlich geworden. Wahrscheinlich ward die Burg in einer Fehde am Ende des 13. Jahrhunderts gebrochen; ihr Andenken schlummerte in dem Namen „Burgwald“; hätte sich dieser nicht auf die Wüstung Witzdorf übertragen, so würden wir von ihr nichts wissen. Trotzdem müßten wir sie als den Sitz der Herrschaft am Pöhlberg voraussetzen und annehmen. Denn eine Burg errichtete man ja gerade zur Wahrnehmung der herrschaftlichen Grundrechte. Als die Burg verfiel, hat man den Sitz der Verwaltung nach Frohnau verlegt. Vermutlich haben die Burggrafen von Altenburg auf reichslehnbarem Boden das Schloß angelegt; das Hauptdorf seines Bezirkes war Kleinrückerswalde (Ruckerswalde prope [bei] Sletin), und dort stand auch die Pfarrkirche für denselben, da Hermannsdorf ursprünglich nur eine Michaeliskapelle hatte und vermutlich erst als Klosterdorf eine eigene Pfarrkirche bekam.

Quelle: Glückauf. Zeitschrift des Erzgebirgsvereins. 29. Jahrgang. Nr. 1 v. Januar 1909. S. 10.

Korrektur Unter den Dörfern, die das Annaberger Mühlamt bildeten, liegt auch eine Wüstung, die im Volksmunde „Witzdorf, d. i. Wüstdorf“ hieß und früher den Namen „Borgkwalde“ trug. Derselbe aber hat nichts mit einer Burg zu tun, die, am Nordfuße des Pöhlberges gelegen, den Mittelpunkt jenes Amtes gebildet hätte, sondern wie die Bezeichnungen der nahen Orte Königswalde, Kleinrückerswalde (seit Neujahr 1912 Annaberger Vorstadt), Streckewalde, Geringswalde und Großrückerswalde bei Wolkenstein die Walddörfer des (böhmischen) Königs, eines Rüdiger (zweimal), Gerung, Strecko, also deutscher Lokatoren anzeigen, so bedeutet Burgwalde einfach die Waldsiedlung eines Burchard. (Vgl. dazu Burgstädt bei Chemnitz, d. i. das Städtlein Burkersdorf = Burkhardesdorf!) Die Herrschaft Pöhlberg aber wird ein Trennstück der Herrschaft Wolkenstein gewesen sein, das die erste Gemahlin Burggraf Albrechts III. von Altenburg, Sophie, wahrscheinlich eine geborene Waldenburgerin, ihrem Gatten als versprochene Mitgift mit in die Ehe brachte. Er lag mit Kloster Buch im Streite und verheerte von hier aus die östlich vom Pöhlberg gelegenen Dörfer desselben, Mauersberg, Streckewalde, Mildenau, Reichenau (eingegangen) und Lichtenhain (Ratsseite von Königswalde).

(Fortsetzung folgt.)