Buchholz

Übernahme des Originaltextes (Orthographie leicht angepaßt)

Am 20. v. M. feierten wir ein schönes Fest durch die Einweihung des neuen Rathauses am Marktplatze, welcher bei dieser Gelegenheit und, so viel es die hohe Steigung desselben erlaubt, seit kurzem geebnet und teilweise gepflastert ward.

Durch die Anlegung der neuen Wiesenthal-Karlsbader Chaussee, welche längs unserem Städtlein durchläuft, wurde es, behufs der Gewinnung der erforderlichen Breite, notwendig, das alte, langgediente Brauhaus zu entfernen und diesem zu seiner neuen Stelle den Platz der alten in ihren Ruinen liegenden Münze anzuweisen. Der sich hier findende schöne Raum am Hauptpunkte der Stadt ließ seine mehrfältige Benutzung wünschenswert erscheinen und unsere Obrigkeit unter kräftiger Mitwirkung einiger unternehmender Mitbürger von Mut und hellen Köpfen beschloß unter Zustimmung des größeren Teils der Stadtverordneten, die oberen und die anderen übrigen geeigneten Räume zu den Funktionen des Rathauses einzurichten. Das alte, baufällig gewordene Rathaus wurde zum Verkauf angeschlagen und unsere Akten und städtischen Dokumente in neuen, feuerfesten Gewahrsam des neuen Gebäudes gebracht.

Da erhellte sich am Mittwoch früh der bisherige trübe Himmel und der Sonne goldenes Licht begrüßte eine frohe Menschenmenge beim Schalle eines Chorals und eines darauf folgenden herrlichen Adagios, welches vom Balkon des neuen Rathauses geblasen wurde.

Um 9 Uhr versammelten sich unsere Schützen bei dem Jour habenden Leutnant, Herrn Kaufmann Hammer, und zogen vor das alte Rathaus, in welchem sich unterdessen der Stadtrat, die Herren Stadtverordneten und die Bürger der Stadt vereint hatten. Der Herr Amtshauptmann von Biedermann erschien und durch seine Teilnahme und die des Bürgermeisters der Schwesterstadt Annaberg, Herrn Glumann, und unseres vormaligen Stadtschreibers, Herrn Walther, nebst mehreren der achtungswertesten Bürger von Annaberg und Schlettau, die wir zum Teil früher die Unsrigen nennen konnten, fand sich die Versammlung aufs Höchste geehrt.

Unser Herr Stadtrichter Punschel ergriff nun das Wort und, Abschied nehmend aus den Räumen dieses Hauses, übergab er die vorhandenen dre Fahnen, wovon die eine oder die andere wohl längst vergangene Geschlechter gesehen haben mochte, zur Unterbringung in ihr neues Asyl, den versammelten Schützen und, nachdem auch der Herr Amtshauptmann in gediegener Rede gesprochen, die, fortgehend mit dem Geiste der Zeit, echte Humanität ausstrahlte, so entfernten sich still und tief ergriffen die Versammelten, um sich in das neue Rathaus zu begeben.

Eine Abteilung Schützen eröffnete den Zug, welchem drei weiß gekleidete Jungfrauen folgten, von welchen die eine auf sammten Kissen die Schlüssel des neuen Rathauses trug und die anderen den Pfad mit Blumen streuten. Geistlichkeit, Obrigkeit, Stadtverordneten, ein unabsehbarer Zug braver Bürger, folgten und eine Abteilung Schützen machte den Beschluß, begleitet von tausenden aus der frohen Kinderwelt und aus unserer Frauenschaar.

Die Glocken ertönten vom Turme und am Markte angekommen, begrüßte die Musik vom neuen Hause den festlichen Zug.

Vor dem Hause selbst übergab der Vorsitzende der Stadtverordneten dem Herrn Stadtrichter und dem Herrn Bürgermeister Donat die Schlüssel zu den neuen Räumen und sprach in kurzer, kräftiger Rede, daß so fest, wie das Eisen dieser Schlüssel, immerdar Recht und Gerechtigkeit in den neuen Räumen gewahrt werden möge und daß so fest, wie dieses Eisen die Bürger unserer Stadt mit Liebe und Treue an unserer Obrigkeit, an unserer Landesverfassung und an unserem Königshause hangen wollen. – Die Versammlung nahm hierauf die oberen Räume des neuen Rathauses ein und nach manchen gesprochenen trefflichen Worten, worunter sich besonders die Rede des herrn Pastor Weidauer auszeichnete, überreichte unser Bürgermeister dem Herrn Stadtrichter Punschel das Ehrenbürgerrecht nebst einem gefüllten silbernen Becher im Namen der Bürgerschaft zur Anerkennung seiner, der Stadt treu und mehr wie uneigennützig geleisteten Dienste, welche Geschenke dem Überraschten die hellsten Tränen der Freude und der Rührung entlockten, und worauf es einige Zeit zur Fassung bedurfte, ehe der edle Empfänger den Pokal auf das Wohl der ganzen Bürgerschaft und des gesammten geliebten Vaterlandes zu leeren vermochte. Die außenstehenden Schützen gaben Salven und ein einstimmiges gesungenes „Nun danket alle Gott“ beschloß die würdige Feier, um sich hierauf zum frohen Mahle auf das Schießhaus zu begeben, bei welchem die Freude und Heiterkeit in vollem Maße walteten.

Heil, Deutschland, dir, wenn in allen deinen Städten unter den Bürgern ein so reger Sinn der Anerkennung für, auch unter schwierigen Umständen geleistete Dienste bei wichtigen Kommunalverbesserungen und Erschaffung neuer Werke, herrscht und dreimal Heil unserem teurem Fürstenhause, unter dessen milder, segensvoller Ägide, sich das Band des Vertrauens und der Liebe zum und zum Volke so fest und innig schlingt.

Annaberger Wochenblatt No. 45 v. 5. November 1841