Annabergs Anlagen und Anpflanzungen betreffend

Übernahme des Originaltextes (Orthographie leicht angepaßt)

Es ist wohl nicht zu verkennen, daß Annaberg im Innern, wie im Äußeren mit dem Zeitgeiste getreulich Hand in Hand geht.

Die nächsten angenehmen Umgebungen, durch geschmackvolle Anlagen und Baumpflanzungen seit mehreren Jahren erst merklich verschönert, geben dem freundlich-harmonischen Innern einen gar schmucken Mantel.

Daß vor anderen die Gerischersche Ruhe von einem Naturfreunde, dessen Namen sie würdig trägt, aus einem steinigten Hügel so freundlich umgeschaffen, – dieser stille Tempel der Natur es ist, der Annabergs Umgebungen herrlich dekoriert, bedarf wohl keiner Erwähnung für den, der nicht gefühllos und abgestumpft sie betrat.

So sehr nun, wie eben erwähnt, dieser Platz zur Zierde dient, als öffentlicher Erholungsplatz jedem offensteht und dem Naturfreunde nur ein höchst wonniger Aufenthalt sein muß; so dürfte man doch glauben, er sei ein unverletzbares Heiligtum und darum, auch ohne Aufforderung, einer allgemeinen Beaufsichtigung nicht unwürdig.

Leider aber ist er, weil das Letztere nicht geschiehet, gleich den übrigen trefflichen Anlagen um die Stadt, täglichen Verletzungen, Beschädigungen und Entweihungen ausgesetzet, was um so ungerechter ist, als der Gründer desselben täglich unverdrossen dahin arbeitet, diesen Platz noch mehr zu verschönern und deshalb keine Mühe, noch Kosten sparet. –

Wie kränkend ists nun, wenn bald die, im natürlichen Geflechte die Laube dekorieren, den Reiser abgeknickt, bald Äste leichtsinnig abgebrochen, oder wohl gar bösartig abgeschnitten, bald kleine, erst gesetzte Bäume ausgerissen, bald Namen zur Verewigung kleinlicher Menschen in die Bäume eingeschnitten sind.

Anstatt daß dieser Platz, den Naturfreunden gewidmet, ein Ort ernster Betrachtungen über die Allmacht, Güte und Weisheit des Schöpfers – ein Ruhe- und Erholungsplätzchen sein sollte, ist er nicht selten ein Tummelplatz der müßig gehenden Jugend, die sich die schädlichsten Verletzungen erlaubt.

Nicht weniger leidet er durch Kindermädchen, die ihre Kinderwagen hineinfahren, – die Kleinen dann herausnehmen – sie in den Sand setzen, ihnen Reiser zu ihrem Spielen abknicken und wohl gar auf andere Weise das Innetre verunreinigen lassen. Auch reißen sie wohl gar, wie Einsender dieses auch bemerkt, zu ihrer eigenen Unterhaltung Äste ab.

Wie sehr er nun vollends in den Abendstunden von Erwachsenen beiderlei Geschlechts leidet, davon gibt jeder neue Morgen die sprechendsten Beweise.

Möchten doch Lehrer die zu beaufsichtigende Jugend, Herrschaften ihre Untergebenen, Familienväter ihre Familienglieder herzlich davon abmahnen und ernstlich betreuen, damit diese Anlagen insbesondere, sowie überhaupt alle Anpflanzungen um die Stadt, vor fernerweiten Beschädigungen gesichert und in ihrem Flore nicht gestört werden.

Möchten aber auch alle, die nach des Tages Mühe und Last durch einen Spaziergang um die Tore sich zu erholen gedenken, sich zu einer allgemeinen Beaufsichtigung im Geiste die Hand bieten, damit dergleichen Baumfrevler und Beschädiger öffentlicher Anlagen an das Tageslicht kommen und der strafenden Gerechtigkeit zur gerechten Strafe überliefert werden können!

Annaberger Wochenblatt No. 29 v. 21. Juli 1837